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| Bisanz legt ein flottes Tänzchen mit Kapitänin Neid hin, Pia Sundhage an der Gitarre. Das waren noch Zeiten..! Foto: Rainer Hennies |
Das Projekt Spielfeldschnitte
Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)
Sonntag, 19. Oktober 2014
denk.anstoß: Ein Mitarbeiter zweiter Klasse auf dem Weg zur Weltspitze - Nachruf auf Gero Bisanz
Dienstag, 9. Juli 2013
denk.anstoß: "Kick Off Your Career"
Seit zwanzig Jahren ist Frauenfußball Teil der Football Association in England und seither ist viel passiert. Um das Erreichte zu würdigen und zu feiern hat die FA zusammen mit der Women’s Sport and Fitness Foundation eine Kampange gestartet, in der sie zwanzig Frauen vorstellen, die ihren Beruf im Fußball gefunden haben. "Kick Off Your Career" soll besonders für Mädchen und jungen Frauen die vielfältigen Möglichkeiten sichtbar machen im Bereich des Fußballs zu arbeiten. Die vorgestellten Lebensläufe reichen von Spielerin bis Trainerin über Journalistin bis hin zu ärztlicher Betreuung und Administration. Die Zeiten, wo Mädchen nicht mitspielen durften, sind vorbei und die Kampange macht sich dafür stark, dass noch mehr Frauen den Fußballsport mitgestalten.
Sonntag, 4. März 2012
denk.anstoß: Mit Kopftuch!
Die Fifa hat sich entschieden: Künftig soll das Tragen von Kopftüchern auf dem Fußballplatz erlaubt sein. Vorläufig allerdings, im Juli wollen Verantwortliche die Lage nach Sicherheits- und Gesundheitsbedenken abschließend klären. Ob in diesem Entscheidungsgremium wohl auch muslimische Frauen eine Stimme haben?
Donnerstag, 1. März 2012
denk.anstoß: Mit oder ohne Kopftuch?
Schon lange schwelt die Auseinandersetzung zwischen dem Iranischen Fußballverband und der Fifa über den Hijab. Dürfen die Spielerinnen ihn tragen oder nicht? Die Fifa hat bislang dagegen votiert, Begründung: Sicherheit. Wenn Hals und Ohren der Spielerinnen bedeckt seien, könnte das zu was führen - Strangulationen? Der asiatische Fußballverband erlaubt dagegen den Hijab und hat jetzt noch einmal an die Fifa appeliert das iranische Team nicht auszuschließen. Am Samstag wollten die Verantwortlichen neu über die Regeln entscheiden. Grund dafür ist auch ein neues Design des Sport-Hijab, der sich unter dem Kinn sofort löst, sobald an ihm gezogen wird. Damit dürften die Sicherheitsbedenken wohl hinfällig sein.
Es kann auch nicht länger angehen, dass den iranischen Fußballerinnen das Spielen untersagt wird. Wenig diskutiert wird aber der Hintergrund des Hijab und seine Symbolik. Auch darüber, ob das Tragen des Hijab für die Spielerinnen freiwillig ist oder nicht steht nichts geschrieben. Trotzdem ist es schwer bei dem Thema zu einer klaren Meinung zu kommen. Das einzige was wohl klar scheint, ist dass die iranischen Frauen Fußball spielen dürfen sollen. Ob mit oder ohne Kopftuch sollte ihre Sache bleiben. Doch scheint es ein schmaler Grad zu sein zwischen Selbstbestimmung und Sittenwacht.
Trikots können einem manchmal wirklich unheimlich werden. Ganz selbstverständlich wird sich uniformiert und niemand hinterfragt das ganze. Ein Kopftuch könnte einfach als Erweiterung begriffen werden, doch dann gibt es plötzlich Aufschreie. Ein Trikot hat anscheinend zu sein, wie ein Trikot zu sein hat.
Mittwoch, 16. November 2011
denk.anstoß: Aktion Libero - Sportblogs gegen Homophobie im Fußball
Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für lesbische oder schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Kein Fußballer und wenige Fußballerinnen wagen es, ihre Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.
Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul/lesbisch ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.
Homophobie im Frauenfußball
Zwei Vorurteile halten sich im Fußball hartnäckig: 1.) Es gibt es keine schwulen Fußballer. 2.) Alle fußballspielenden Frauen sind lesbisch. In beiden Fällen fällt der Fußball dem gleichen Männlichkeitswahn zum Opfer: Schwulen wird gänzlich abgesprochen, überhaupt Fußball spielen zu können, denn »das ist was für harte Männer«, und »echte« Frauen würden sich diesen Männersport sowieso nicht aneignen wollen – und wenn doch, dann müssen es also Lesben sein. Das ist natürlich Unsinn, denn Fußball ist ein Spiel für alle, unabhängig von ihren Besonderheiten. Bis dieser Anspruch der Vernunft allerdings auch gelebte Realität ist, ist noch ein Weg zu gehen: Die Probleme von Frauen in dieser Sportart mögen anders gelagert sein als jene der Männer, aber Karrieren und Seelen zerstören sie auch hier.
Zunächst einmal: Der Frauenfußball ist gewiss nicht das Mekka der modernen Lesbe. Gezielte Ausgrenzungsstrategien, sensationslüsterne Boulevardpresse – die Gewalt mag nicht (vordergründig) körperlich sein, sie führt aber immer wieder dazu, dass sich Frauen sogar ganz vom Fußball abwenden.
Einen Tiefpunkt erreichte die Diskriminierung bei der WM 2011 in Deutschland. Die nigerianische Trainerin Uche wetterte gegen die »dreckige Lebensweise« der Lesben, die sie in ihrem Team niemals tolerieren würde – Tage später und erst nach einer Rüge der Fifa schwächte sie ihre Aussage ab; auffällig neben dem forcierten Dementi war die Hilflosigkeit der Fifa, sich angemessen zu positionieren. Einfacher schien es ihr zu fallen, als sie Banner mit der Aufschrift »Fußball ist alles – auch lesbisch« vor einem der Spiele konfiszierte.
Dienstag, 31. Mai 2011
denk.anstoß: Frauen kicken anders?!
Donnerstag, 26. Mai 2011
denk.anstoß: 11Freundinnen WM-Sonderheft
Ab heute ist das WM-Sonderheft der 11Freundinnen im Handel! Zwar muss man die Beilage "11Freunde" beim Kauf mitnehmen, dafür gibts aber auf 100 Seiten Interviews, die Vorstellung aller teilnehmenden Teams, Reportagen, einen WM-Spielplan und vieles mehr.
Im großen Interview sprechen Linda Bresonik und Ariane Hingst über das große Turnier, Konkurrenzkämpfe, Favoriten und die Medien. "Ein paar Monate hält sich die Euphorie nach solch einem Turnier vielleicht. Aber daran, dass wir jetzt plötzlich bei jedem Bundesligaspiel 5000 Zuschauer haben, glaube ich nicht." prognostiziert Linda Bresonik und Ariane Hingst findet, dass männliche Fußballer mehr jammern als die Frauen. Jedenfalls ist die Vorfreude groß: "Solch ein Turnier steckt voller Überraschungen und ich freue mich darauf, ohne Einschränkungen."
Außerdem werden alle wichtigen Fragen besprochen: Wie stark ist Geheimfavorit Japan wirklich? Welches Land eifert Deutschland nach? Und warum lebte der Vater der US-Torfrau Hope Solo lange Jahre allein im Wald. Die frühere Bundestrainerin Tina Theune hat im "Taktikcheck" alle Stärken und Schwächen der Teams analysiert. Die Brasilianerin Marta gilt seit Jahren als die beste Spielerin der Welt. In "Wilde Königin ohne Krone" berichtet Kathrin Steinbichler von Martas großer Sehnsucht nach dem WM-Titel. Alex Raack geht dem Phänomen "Spielerinnenfrau" nach und porträtiert Torfrau Ursula Holl und ihre Gattin Carina. Die Zeit der blutigen Amateure ist vorbei. Mit der WM 2011 bieten sich den Spielerinnen neue Chancen - wenn sie offen sind für die Regeln des Marktes. Wo soll das alles noch hinführen? Für den Artikel "Generation XX" wurden Menschen gefragt (u.a. Bernd Schröder, Renate Lingor und Hannelore Ratzeburg), die sich damit auskennen. Am Ende steht die Frage an die Prominenz des Landes: "Was wäre die richtige Prämie für den Weltmeistertitel?"
Montag, 23. Mai 2011
denk.anstoß: Magazine im Mai
Der Monat Mai wartet mit einigen sehr lesenswerten Magazinen auf, die sich mit Frauenfußball auseinandersetzen. Das Missy Magazine widmet sich dem Frauenfußball mit einem Dossier mit der Überschrift "Kickt die Klischees". Es geht um Geschlecht und Sport, Medien und Sponsoring. Die Maiden Monsters berichten in ihrem Tourtagebuch von Begegnungen auf und abseits des Fußballfeldes. Außerdem ist die Intersex-Debatte um das Team aus Äquatorialguinea Thema. Zusätzlich gibt es als Beilage das Heft "Kick it like Bajramaj" der Kampagne Gender Kicks 2011 mit interessanten kulturwissenschaftlichen Artikeln und der Vorstellung aller teilnehmenden Teams.
Ebenfalls absolut lesenswert ist die Mai/Juni Ausgabe des Fußballmagazins ballesterer. Unter dem Titel "Der Hype & Die Hürden" findet sich ein toller Artikel über die Diskurse vor der WM und die Erwartungen, was davon danach bleiben wird. Außerdem zu Wort kommen Brandi Chastain (Weltmeisterin 1999) und Pia Sundhage (Trainerin des US-Teams). Zusätzlich wird jede Gruppe in einem kleinen Artikel vorgestellt, wobei auch hier in Gruppe D wieder die "Geschlechtsverwirrung in Äquatorialguinea" verhandelt wird.
Im Monat Mai gibt es auch wieder eine Ausgabe der 11Freundinnen als Beilage im 11Freunde Heft. Inka Grings ziert den Titel, außerdem geht´s um das Imperium Frankfurt/Siggi Dietrich und den einzigen Auswärtsfan von Bayer Leverkusen. Erwartungsfroh blicken wir aber auf das angekündigte Sonderheft der 11Freundinnen, welches voraussichtlich Anfang Juni in die Läden kommt.
Donnerstag, 14. April 2011
denk.anstoß: Gender Kicks startet in die erste Runde
Das Programm verspricht interessante und inspirierende Diskussionen und Beiträge und eine produktive wie auch kritische Vorbereitung auf die WM 2011!
Außerdem gibt es jetzt schon das Pocket-Heft Kick it like Bajramaj auf der Internetseite von Gender Kicks 2011 zum runterladen, mit interessanten Informationen zu den teilnehmenden Ländern, einen Artikel über den Aufstieg und die Femininisierung von Frauenfußball und ein Interview mit der Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Schaaf.
Programm der Gegnerinnen-Aufklärung auf Tour:
Donnerstag, 3. März 2011
denk.anstoß: Gender Kicks 2011
Abseits von Brigitte und Barbie, also abseits von Konsum und Kommerz, wird es zur Frauenfußball-WM nicht nur von unserer Seite künstlerisch-kulturwissenschaftliches Rahmenprogramm geben. Mit einem größeren Projekt ist auch die Heinrich-Böll-Stiftung dabei und läd im Sommer 2011 unter dem Titel "Gender Kicks 2011" unter anderem in die "Böll-Arena". Es wird etwa einen Talk mit dem "Fußball-Professor" Andrej Markovitz geben und die Ausstellung "Verlacht - Verboten - Gefeiert" gezeigt.
Zuvor wird schon zu fußballerischer und geschlechterpolitischer Begegnung zwischen Deutschland und einem anderen Land auf der Tour "Gegnerinnen-Aufklärung" eingeladen. Am 5. Mai soll es in Berlin losgehen mit "Nigeria vs. Deutschland", es werden Gäste mit unterschiedlichen Backgrounds erwartet, von sozialen Projekten bis zur Kunst und Kultur. Dazu gibt es Filme, Gesprächsrunden und Aufführungen. Ebenfalls vorher gibt es zwei interessante Textbeiträge, zum einen Ende April das Pocket-Heft "Kick it like Bajramaj!" als Beilage im Missy Magazin und in einigen regionalen Magazinen, und zum anderen ein Dossier mit Reportagen und Interviews zum Frauenfußball zum Download auf boell.de, in dem auch ein Beitrag vom Projekt Spielfeldschnitte zu lesen sein wird. Alle drei Projekte der Böll-Stiftung bestechen durch ihren offenen Blick, der über die Sparten hinweg geschweift wird. Ein vielschichtiges Kaleidoskop aus SportlerInnen, VerbandsfunktionärInnen, KulturwissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und vielen anderen.
Tour "Gegnerinnen-Aufklärung" Termine und Orte:
Samstag, 11. Dezember 2010
denk.anstoß: Aktionsbündnis-Wandkalender
Das Aktionsbündnis Brandenburg hat heute ein schönes Projekt vorgestellt: den Aktionsbündnis-Wandkalender, der 2011 im Zeichen des Frauenfußballs präsentiert. 12 Monate gibt es Hinweise auf wichtige Wegmarken in der Geschichte des Frauenfußballs. In den belgeitenden Texten werden Rassismus und Homophobie thematisiert.
Das alles ist noch dazu in einem ansprechenden Layout gehalten und inklusive Spielplan für die WM im Sommer. Absolut empfehlenswert!
Mittwoch, 24. November 2010
denk.anstoß: Verhältnis 6 zu 1
Eine Frau und sechs Männer sind Teil des Fachbeirates. Wir wissen noch nicht so ganz, sollen wir empört sein, oder "immerhin" sagen?
Dienstag, 19. Oktober 2010
denk.anstoß: Die U-20 Frauen sind Juniorsportler des Jahres 2010
Das Team der U20-Frauen hat den Preis "Juniorsportler des Jahres 2010" gewonnen. Dazu erst einmal Herzlichen Glückwunsch!
Dennoch möchte wir hier kurz aufmerken, Einhalt gebieten und einen geistigen Knoten verursachen: eine Gruppe von jungen Frauen werden als "Juniorsportler" bezeichnet?
Das wirkt doch angesichts der überall hervorragenden Binnen-Is geradzu anachronistisch. Wäre nicht die "JuniorsportlerIn des Jahres" als Überschrift für die Nominiertenliste an dieser Stelle schon so selbstverständlich gewesen, dass sich alle queeren Denker(Innen?!? Denker_innen, Denkerinnen und Denker ---- ahahaha) darüber hätten aufregen und Juniorsportler_innen oder Juniorsportlerinnen und -sportler oder sonstwas vorschlagen können?
An sprachlichen Möglichkeiten jedenfalls mangelt es nicht...
Oder hätte man / Mann es sich nicht leichter machen können und einfach die "Juniorsportlerinnen des Jahres" ankündigen können?
Die intersexuelle wie queere Bewegung ist auf dem Vormarsch und hat Recht, wenn sie das Binnen-I einem dualistisches Sexualsystem zuordnet, das nur Mann und Frau kennt. Dennoch ist das Binnen-I in akademischen, juristischen wie staatlichen Bereichen eine wichtige Erungenschaft, deren Erfolg man fast damit besiegelt, dass man sie erneut zu kritisieren beginnt.
Im Fußball jedoch ist offensichtlich noch nicht einmal dieser Punkt erreicht.
Ein Schiedsrichter ist ein Schiedsrichter, ein Spieler ist ein Spieler, 11 Spieler sind eine Mannschaft und Nadine Angerer und Uschi Holl sind noch immer Tormänner. Na gut, Bernd Schmelzer, ein Orden sei dir, weil du inzwischen "die Torfrau" über die Lippen bringst...
Bevor wir aber das Binnen-I kritisieren, dass im Fußball noch nicht einmal eingeführt worden ist (wobei, let's be honest, beim Frauenfußball brauch es nicht einmal das große I...), erzählen wir doch eine kleine Anekdote:
Es war einmal vor dem Binnen-I. Da wurden Männen Krankenschwestern und wollten nicht Krankenschwestern heißen. Und statt dem großen I kam über sie einer neuer Name: Der Krankenpfleger ward geboren. Seit diesem Tage heißen übrigens auch die Krankenschwestern Krankenpflegerinnen. Zumindest offiziell...
Was wollen wir damit sagen? Mit einer Umbenennung der Kategorie zu "JuniorsportlerInnen des Jahres" hätte sich sicherlich niemand bei der Sporthilfe einen Fingernagel abgebrochen.
Mittwoch, 29. September 2010
denk.anstoß: Alexandra Popp im Interview mit den 11 Freundinnen
Popp bleibt gegenüber dem ganzen Trubel bescheiden: »Da sind Birgit Prinz, Inka Grings, Anja Mittag und Martina Müller alle noch vor mir. Mir ist es wichtig, überhaupt in den Kader zu kommen.« erzählte sie Maike Schulz und Jens Kirschneck von der Redaktion der 5. Ausgabe der 11 Freundinnen. Dass sie die Aufmerksamkeit freut verheimlicht sie aber nicht:
»Wenn mir jemand erzählt, dass in Berlin oder Bayern ein Artikel über mich erschienen ist, frage ich mich schon, was ich eigentlich dafür gemacht habe. Aber es ehrt mich total.«
Alexandra Popp ist ohne Frage eine spannende Protagonistin der derzeitigen Spielzeit, gehört sie doch zu einer neuen Generation Spielerinnen, die, angefangen bei Kim Kulig, ein neues Bild des Frauenfußballs zeichnen. Das betrifft nicht nur die Konzentrationsstrategien vor dem Spiel (»Die jüngere Generation trällert und tanzt zur Musik in der Umkleidekabine gerne mal mit. Die Älteren sitzen auf ihrem Platz, schauen auf den Boden und konzentrieren sich so. Ich persönlich mache es mittlerweile teils, teils: Anfangs spacke ich noch mit rum, gegen Ende setze ich mich und gehe in mich.«), sondern auch vor allem die Darstellung und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Die 11 Freundinnen setzen ihren Interview-Fokus wieder einmal auf eine Spielerin, die exemplarisch eine neue Windrichtung im und um den Frauenfußball vertritt.
Zusätzlich gibt es mal wieder spannende Themen, die den Frauenfußball sowohl in einen humorvollen, als auch in einen kritischen Blick nimmt: der Artikel "Kein Frauensport" erinnert an die Zeiten des Fußballverbots für Frauen, in der Serie "Mannschaftsbild" wird ein Team vorgestellt, in dem vorwiegend Lesben aktiv sind und die Reportage "Underdog Deluxe" berichtet von den Entwicklungen des Sports in der Türkei.
Auch wenn das Magazin immer noch die `kleine Schwester´ des 11 Freunde Magazin ist und von der Eigenständigkeit weit entfernt scheint, bildet es nach wie vor das anschaulichste und reflektierteste, was es derzeit auf dem Printmarkt zum Frauenfußball zu lesen gibt.
Mittwoch, 31. März 2010
denk.anstoß: Wann ist der Mann ein Mann?
In der gleichen Ausgabe der ZEIT wartete das Feuilleton mit einer provokativen These im Zusammenhang der Missbrauchsfälle in Kirche und Reformschule auf: Statt sexuellen Missbrauch auf das Konto homosexueller Männer zu buchen, situiert Susanne Mayer ihn direkt im Herz der heterosexuellen Männerbünde. Es gehöre zum Wesen des Patriarchats zitiert sie Pierre Bourdieus Die männliche Herrschaft, dass es sich nicht bekennt. Gerade im Schweigen liege seine Macht. „Männlichkeit steht, im doppelten Sinn, nicht zur Diskussion. In dieser Kopplung von Macht und Schweigen findet sich eine beklemmende Nähe zum Geschehen des Missbrauchs.“ Die pädophilen Übergriffe von Männern auf männliche Kinder begreift Mayer am Ende ihres Artikels als Abwehr des homophilen Elements, „was noch jedes Foto einer Vorstandssitzung gnadenlos outet.“ Männliche Kinderschänder verführten mit Nähe, mit dem Versprechen der Männlichkeit und verdammen ihre Opfer zum doppelten Schweigen, weil sie diesen Jungen eine homosexuelle und damit gesellschaftlich abgewertete Sexualität überstülpen würden. Im Kern patriachaler Institutionen, die ihre ganze Macht aufwenden, um homosexuelles Begehren lächerlich zu machen, abzuwerten oder zu bestrafen scheint als Kehrseite eine sich in Innere dieser Institutionen richtende Aggressivität zu verbergen, die zum Schweigen zwingt. Die provokante Beschreibung Mayers versteht also nicht den Schwulen als „schwarzen Mann“ gegenüber dem weißen heterosexuellen Max Mustermann. Vielmehr versteht sie das Männlichkeitsverständnis von Max Mustermann als Zwangsprodukt von institutionellen Machtstrukturen.
Wagen wir einen dritten Blick: Die DSF Dokumentation Tabubruch – Der neue Weg von Homosexualität im Fußball von Aljosch Pause ist mit dem Fernseh-Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Zwei eindringliche Filme über das große Tabu des, ich schreibe es groß, DES Männersportes in Deutschland, ein Blick in DIE Arena der Männlichkeit. Wenn Susanne Mayer von Vorstandsbildern schreibt, die das homophile Moment von Männergruppen outet, sollte sie mal einen Blick in die deutschen Fußballstadien werfen. So mancher Fußballer betont in der Dokumentation, er würde sich vor einem homosexuellen Mitspieler nicht mehr „nach der Seife bücken“ - damit der Zuschauer überhört, dass Fußballer nackt zusammen duschen? Wenn Fans homosexuellenfeindliche Sprüche rufen, tun sie das, damit niemand darüber nachdenkt, dass sie mit ihren Blicken jede Woche 22 muskelbepackten, schwitzenden Männerkörpern folgen?
Es ist an der Zeit, dass Männer sich fragen, was sie zum Mann macht. Wenn die Macht der männlichen Herrschaft darin besteht, sich nie selbst in Frage zu stellen, dann ist Männlichkeit ein totalitäres System, dass auch seinen Trägern gegenüber tendenziell gewalttätig ist. Wann fangen Männer an, das nicht mehr zu akzeptieren? Die ganze Frage nach dem ersten Fußballer, der sich outet, nach der ersten Fußballerin, die mit Spielerfrau vor die Kamera tritt, kreist nämlich gar nicht so sehr um die Frage, wer das ist. Das es diese Menschen gibt, wissen wir alle. Die Frage zielt in den Kern des patriarchalen Zuschauertums und ihre Fähigkeit, die Wahrheit über Kaderschmiede der Männlichkeit zu verkraften, die Wahrheit, dass es zwischen IHNEN und DENEN gar nicht so viele Unterschiede gibt.
Dienstag, 9. März 2010
denk.anstoß: Der (Tipp-)Kick meines Lebens
In 85 Jahren Tipp-Kick-Kultur gibt es jetzt die Premiere für die erste weibliche Tipp-Kick-Figur. Das war auch den Kollegen der Taz und der Zeit eine Erwähnung wert. Die Zeit führte schon im letzten Jahr in der Ausgabe vom 22. Dezember ein Gespräch mit Firmeninhaber Mathias Mieg. Die Taz schreibt am 23.Februar über die neue Figur, die ab September 2010 erhältlich sein soll. Bei beiden Artikeln liegt der Fokus auf der äußerlichen Erscheinung der Figur. Die Fragen der Zeit-Redakteuren drängen Mieg förmlich dazu, die Größe der Oberweite und die Haarfarbe genau zu erklären und zu rechtfertigen. Irritieren tun vor allem die braunen Haare - man hatte wohl eher blond erwartet - und die kleinen Brüste, "vermutlich trägt sie einen Sport-BH, der etwas zu stramm sitzt und den Oberkörper daher ungünstig verflacht. Vielleicht hat sie aber auch einfach nicht soviel Holz vor der Hütte" (Taz).
Dass die Figur aber kein neues Objekt für den männlichen Blick sein soll, muss wohl der ein oder andere erst noch verstehen. Es ist auch völlig egal wie die Figur genau aussieht. Wichtig ist doch vor allem das arg verspätete Statement ("damit habe man zu lange gewartet, bereut Mieg") eine weibliche Figur einem weit verbreiteten Spiel mit einer langen Tradition zuzumuten. Dass die Figur schwerlich der durchschnittlichen Fußballerin gleichkommen kann, ist nur logisch, schließlich haben auch nicht alle Männer eine Frisur wie die männliche Figur. "Tipp-Kick darf nicht sexistisch sein", sagt Mathias Mieg. Und in der Diskussion um die Figur über Frauenfeindlichkeit zu spekulieren hat auch weniger mit der Figur zu tun - egal wie sie aussehen würde, allein dass es eine gibt, erzeugt schon den Fokus auf den Umgang mit den Geschlechterkategorien. Das finden wir ziemlich gut, solange die Diskutanten nicht wie automatisiert davon ausgehen, dass Frauen im Allgemeinen und Fußballerinnen im Speziellen große Baumvorräte mit sich herumtragen. Schwach ist auch vor allem so eine Aussage wie aus der Süddeutschen Zeitung: dort wird leichtfertig die Überfälligkeit der Figur damit begründet, dass die Zeit der Männervorherrschaft im Fußball schon längst vorbei sei (und Birgit Prinz übrigens mit "Kapitän" betitelt).
Das Schöne an der Figur: sie hat einen Dialog möglich gemacht. Der vielleicht dann hoffentlich über dem 126x86 cm Filzrasenstück auch weiter und über Äußerlichkeiten hinausgeht.
Es soll übrigens zwei Trikot-Designs geben: schlichtes schwarz-weiß und bunter Brasilien-look. Damit man schon vor der WM das Finale durchspielen kann!
Montag, 22. Februar 2010
denk.anstoß: Kicker - Birgit Prinz, eine starke Frau, die was zu sagen hat.
Lothar Matthäus - Rudi Völler - Sepp Maier - Bastian Schweinsteiger - Uwe Seeler - Birgit Prinz.
"1:1 Mit Fußballidolen im Gespräch" heißt die Serie im kicker, bei der nach 5 Männern eine Frau auftaucht. Pünktlich zum Wirbel um Birgit Prinz´ 200. Länderspiel interviewt Mounir Zitouni, gelernter Gemanist und ehemaliger FSV Frankfurt Spieler, in der aktuellen Ausgabe (Nr.16) die Nationalspielerin. Ein erwähnenswertes Interview, eine ganze Doppelseite ist das dem kicker wert, der sonst eher mehr über Äußerlichkeiten im Frauenfußball berichtet. Und nicht nur das, auch der Chefredakteur höchstpersönlich kündigt das Interview schon im Editorial an. Er verspricht "ungewöhnlich offene und höchst bemerkenswerte Einblicke in ihre Gedanken über Starkult und Stellenwert des Fußballs". Show, Spektakel und Starkult gehöre im Jahre 2010 eng zum Fußballgeschäft. Prinz mit ihren Erfolgen passe dabei nicht in das gängige Schema des Business.
Dass Birgit Prinz ein ambivalentes Verhältnis zur Medienwelt des Fußballs und "keine Lust" sich "zu verkaufen" hat ist kein Geheimnis. In Interviews deutet sie immer wieder an, dass sie auch schlechte Erfahrungen mit der großen Aufmerksamkeit hatte. An der entsprechenden Weggabelung entschied sie sich dann gegen eine Komplett-Vermarktung ihrer Person und für ihre Privatssphäre. Auch Zitouni kommt schnell auf Prinz´ Erfahrungen mit der Medienwelt zu sprechen. Und das weit inhaltsvoller, als es sonst oft der Fall ist. Statt sich gegenseitig Platitüden hin und her zu schieben, sprechen Zitouni und Prinz über Vorbilder, Geld und die Schwächen einer/s Spitzensportler/in. Prinz etwa gesteht zu, dass sie mittlerweile die Erfahrung macht, dass man sich über Schwächen auch mitteilen kann und dabei auf Verständnis trifft. Das hätte sie sich früher nie zugetraut. Und auch auf Kritik und Titelgewinne kommt man zu sprechen: Prinz will sich nicht an ihren Titeln messen lassen, für sie bedeutet Fußballspielen eher transzendentalen Gewinn (wenn man das so überschreiben mag). Kritik trifft sie deshalb auch nicht an Stellen des verpassten Titels, sondern an Momenten des Selbstzweifel oder der Selbstkritik. Man muss sagen, eine sehr reflektierte Frau. Erfrischend, dass sie sich damals nicht für die Fußballplatitüden entschieden hat.
Trotzdem bleibt das Interview unter seinen Möglichkeiten. Ob das an Zitounis Fähigkeiten oder an Prinz´ Wollen liegt, kann man natürlich schwer sagen. Die im Editorial groß angekündigten Gedanken über Starkult und Showbusiness bleiben doch an der Oberfläche. Dabei lohnt es sich gerade bei Birgit Prinz den Begriffen "Idol", "Vorbild" oder "Ikone" (ein Begriff, den zum Beispiel Niels Barnhofer benutzt) Raum zu geben. Es wird im Interview zwar darüber gesprochen, wie wichtig es gerade für Mädchen ist Vorbilder im Frauenfußball zu haben, die im Editorial angedeutete Sonderstellung von Prinz bleibt aber unbesprochen. Prinz ist die erste "öffentliche Person" des Frauenfußballs, die dem Begriff "Vorbild im Frauenfußball" eine Substanz gab. Sie selbst hatte dafür keine Vorbilder. Sie wurde quasi zwischen den Bildern des Männerfußballs, Bildern aus anderen Frauensportarten und allgemeinen Bildern des Starkultes hin und her gerissen, bis ein gezeichnetes Bild von ihr vorhanden war. Dass sie bei einem solchen Druck dennoch so weit in ihrer Karriere gekommen ist, ist erstaunlich. Sie musste dafür eine Rolle lernen, wie sie selbst sagt. Wie sie das wohl im Kontext ihres Psychologie-Fachwissens betrachtet? Für diese Frage müsste das entsprechende Interview sich noch etwas weiter vor trauen. Soweit Birgit Prinz das zulässt.
Samstag, 9. Januar 2010
denk.anstoß: Frauenfußball - der lange Weg zur Anerkennung

Das Buch "Frauenfußball - der lange Weg zur Anerkennung" von Rainer Hennies und Daniel Meuren liegt seit Oktober auf meinem Schreibtisch. Es liegt so da. Ab und zu habe ich es mal zur Hand genommen und darin rumgeblättert. Wirklich länger drin gelesen habe ich nicht. Die Texte regen nicht zum lange lesen an. Es sind eher Texte zum mal-drin-rumblättern. Dann lege ich es wieder zurück. Zum Inhalt braucht man nicht viel zu sagen, darüber ist woanders schon geschrieben worden. Doch obwohl ich in dem Buch bisher nicht mehr gemacht habe, als zu blättern, liegt es immer noch auf meinem Schreibtisch. Es liegt so da. Und ab und zu sehe ich es. Sehe das Cover. Irgendwas an diesem Cover lässt mich nicht los. Ich weiß auch was. Das Bild und das Wort "Anerkennung".
Das Buchcover ist rot. Mittig nimmt aber den meisten Raum eine Sportfotografie ein. Darauf sind zwei Spielerinnen in Aktion zu sehen. Die eine hat den Ball gerade geschossen, die andere sich in die Schussbahn geworfen. Über dem Bild stehen die Autoren und groß FRAUENFUSSBALL. Unter dem Bild steht der Untertitel: Der lange Weg zur ANERKENNUNG.
Wenn ich das Cover so betrachte, denke ich, dass es wie ein barockes Emblem aufgebaut ist. Emblem; der Begriff umschließt drei Komponenten: Zuallererst benötigt ein Emblem die Pictura (Icon, Imago, Symbolon), also ein Bild, zum Beispiel von Pflanzen oder Tieren aber auch Szenen des menschlichen Lebens oder mythologische Figuren. Als nächstes braucht das Emblem eine sogenannte Inscriptio, ein Motto. Und drittens eine Subscriptio, eine Deutung der Pictura. Letztendlich besteht das Emblem aus einem Bildteil, dem ikonischen Zeichenelement und einem Schriftteil, dem sprachlichen Zeichenelement.
Das jedenfalls ist die Definition eines Emblems, wie es im Barock vielfach zur Anwendung kam. Die Emblematik war zu der Zeit übrigens ein weit verbreitetes Verfahren um der Vergänglichkeits- und Ich-Problematik entgegenzuwirken, indem man die vergänglichen Prozesse durch die emblematische Bedeutungskonstitution in die Ewigkeit zu retten suchte. Nach Albert Schöne erfüllte das Emblem verherrlichende, moralisierende und didaktische Aufgaben durch alle Gesellschaftsschichten hindurch.
Was ist nun aber das Buchcover von Hennies und Meuren für eine Art Emblem? Ist es überhaupt ein Emblem? Vom Aufbau her erfüllt es die Regeln der Emblematik, es besteht aus Bild, Überschrift (man könnte auch Motto sagen), sowie Untertitel. Zunächst zum Bild: Die Spielerin auf dem Bild, die den Schuß abgibt, ist die deutsche Nationalspielerin Kim Kulig. Da die Bildschärfe auf sie eingestellt ist, bildet sie den zentralen Körper des Covers. Ihre Präsenz schiebt sich nicht nur im Foto in den Vordergrund, auch das Schriftbild von Titel und Untertitel werden durch sie unscheinbarer. Kim Kulig als Symbol für den Frauenfußball. Kaum ein anderes Bild hat seit 2009 für den Frauenfußball solche Symbolkraft. Kim Kulig ist wohl die erste Protagonistin des Frauenfußballs, die in den Medien ein Image bekam, über die jeder sprach, die auf allen Covern vorkam. Die Nachfolgerin von Renate Lingor (Lingor? Wer war eigentlich nochmal Lingor?) im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft wurde durch ihren fulminanten Einstieg in die Nationalmannschaft 2009 als Hoffnung des deutschen Frauenfußballs gefeiert. Man könnte fast sagen, Kim Kulig ist eine Ikone des Frauenfußballs, eine echte Medienfigur. Hier, auf dem Deckel des ersten Frauenfußballkompendiums: Ein Ikon, eine Ikone. Neben der modernen Bedeutung der Bezeichnung "Ikone" kann man die ursprüngliche Bedeutung nicht beiseite lassen: Ikonen nennt man auch die Heiligenbilder in Kirchen, die eine Verbindung zwischen dem Betrachter und Gott herstellen sollten. Christusikonen, Marienikonen - hier nun die Kul(ig)ikone? Kim Kulig also als zentrales Zeichen im Bild. Die Überschrift (Inscriptio) des Bildes: FRAUENFUSSBALL. Damit ist allen klar, worum es geht. Großgeschrieben wie ein Schrei. Kulig quasi als Galionsfigur der "MS FRAUENFUSSBALL". Der Untertitel: "Der lange Weg zur ANERKENNUNG". Wohl keine Subscriptio im Sinne der Definition. Jedenfalls würde man nicht behaupten Kulig hätte auf dem Bild einen langen Weg hinter sich und würde nun durch den Abschuss ihrer letzten Gegnerin ihr Ziel "Anerkennung" erreichen. Trotzdem schafft der Untertitel ganz im Sinne des Emblems gewisse Sinnzusammenhänge. Zum Beispiel durch seine Schreibweise sofort die Verbindung von Frauenfußball und Anerkennung (beides groß geschrieben). Anerkennung ist dabei ein schön gewähltes Wort, denn, wie Goethe schon wusste: "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen." Und bloß geduldet wurde der Frauenfußball schließlich lang genug. Doch gleichzeitig impliziert der Satz und diese Verbindung, dass die Anerkennung für den Frauenfußball jetzt endlich vollendet ist (Kim Kulig sei Dank!). Heikle Behauptung auf dem Cover des bislang einzigen Universalwerks über den Frauenfußballs. Ist der Kampf um Anerkennung somit beendet? Die Autoren müssten es besser wissen. Selbst wenn die MS Frauenfußball in die Häfen Deutschlands einläuft heißt das lange nicht, dass für Kulig und Co. ein Anleger frei ist.
Und damit sind wir auch schon bei der Auslegung des so schön hergeleiteten Emblems: Meuren und Hennies nehmen sich ganz schön viel vor (siehe Inscriptio), sehen dann aber die Spielfeldränder vor lauter Kuligs nicht und retten sich schnell in den sicheren Hafen des Anerkennens. Ähnliches passiert dann im Buch selbst: mit Schallgeschwindigkeit düsen beide entlang der Frauenfußball-Küste ohne länger als nötig irgendwo anzulegen und stets bedacht den Stürmen und Meeresunruhen aus dem Weg zu gehen. Über alldem steht Vorzeigestar Kim Kulig, die sich eines Tages bedanken wird bei all denen, die daran beteiligt waren sie in den höchsten Olymp des Frauenfußballs zu katapultieren - so wie dieses Coverfoto. Ihr Gesichtsausdruck spricht dahingehend Bände.
Dienstag, 27. Oktober 2009
denk.anstoß: Warum machen Sie das?
Der Erkenntnisgewinn ist wie gewohnt mittelmäßig. Ob der Knappheit muss Willemsen sich auf einzelne Aspekte beschränken – im Zentrum dieses Interviews verspricht er diesmal die „Tusse“: “Frau Bajramaj, Sie sind Fußballerin und nennen sich `Tusse´ - warum machen Sie das?” Tja. Es muss ja nicht immer eine Antwort auf die Frage sein, aber sollte man als Interviewender seine eigenen Fragen nicht so ernst nehmen, dass man sich zumindest während des Interviews damit beschäftigt, was man mit ihnen mal erfahren wollte? “Und wann wurde aus der Straßenfußballerin die Tusse - wie Sie sich selbst nennen?” fragt Willemsen irgendwann auf halber Strecke, nur um über Bajramajs Wunsch nach einem Kosmetikstudio, dem Torwandschießen in Stückelschuhen schnell zur Frage nach dem Kopftuch vorzustoßen. Auf der Strecke geblieben, die Tusse.
Irgendwie seltsam, die Begriffe „Fußballerin“ und „Tusse“ nebeneinander, sogar groß und fett in einer Überschrift. Fußballerin und Tusse. Keine gewohnte Verbindung. Vor einigen Jahren noch standen vielmehr die fußballspielenden “männlichen Frauen” im Vordergrund, die “aussehen wie Jungs” und mit Sicherheit “Lesben” wenn nicht sogar “Kampflesben mit Lederjacken” waren - die Stylingfähigkeiten jedenfalls noch weit entfernt. So scheint es. Doch warum eigentlich interessiert uns das?
Ein kleiner Denkanstoß von Pierre Bourdieu:
„Die männliche Herrschaft konstituiert die Frauen als symbolische Objekte, deren Sein ein Wahrgenommenwerden ist. Das hat zur Folge, dass die Frauen in einen andauerenden Zustand körperlicher Verunsicherung oder, besser, symbolischer Abhängigkeit versetzt werden: Sie existieren zuallererst für und durch die Blicke der anderen, d.h. als liebenswürdige, attraktive, verfügbare Objekte. (...) Durch das intensive Betreiben einer Sportart kommt es bei den Frauen zu einer tiefgreifenden Veränderung der subjektiven und objektiven Erfahrung des Körpers: Er hört auf, bloß für andere oder, was auf dasselbe hinausläuft, für den Spiegel zu existieren (...). Er verwandelt sich aus einem Körper für andere in einen Körper für sich, aus einem passiven, der Aktion der anderen ausgesetzten Körper in einen aktiven, selbsttätigen Körper. In den Augen der Männer freilich erscheinen diejenigen, die das stillschweigende Disponibilitätsverhältnis aufkündigen und sich so gleichsam ihr Körperbild und damit ihren Körper wieder aneignen, als nicht weiblich, ja, als lesbisch – wobei die Behauptung der intellektuellen Unabhängigkeit, die sich ja auch körperlich äußert, ganz ähnliche Effekte zeitigt.“ (Die männliche Herrschaft, Seite 119f.)
Wie populär ist der Frauenfußball in Deutschland, seit Lira und Anja ihre schwarz-rot-goldenen Fingernägel in die BILD Zeitung hielten! Funktioniert die Emanzipation des Frauenfußballs nur über die “sicheren” Labels der Weiblichkeit (Kosmetik, Männer und Schokolade)? Ist es sozusagen eine “Errungenschaft” des Frauenfußball, dass eine Nationalspielerin die Eigenschaften einer “Tusse” erfüllen kann? Bedeutet mehr Anerkennung gleichzeitig Rücküberführung in den sicheren Hafen der weiblichen heterosexuellen Körpernorm, genauer gesagt: die Fähigkeit als Model durchzugehen?
Und die Spielfeldschnitte fragt:
„Herr Willemsen, wenn sie Lira Bajramaj danach fragen möchten, warum sie sich eine Tusse nennt und sie dann nicht fragen, machen sie sie dann nicht selbst zu einer? Warum machen Sie das?“
Montag, 18. Mai 2009
denk.anstoß: das war's dann heute mit Fußball
In Vorbereitung einer WM im eigenen Lande mag das wachsende Interesse nicht verwundern. Umso mehr darf es dann aber die Diskrepanz, mit der dieses Interesse von den Medien bedient, durch die Medien unterstützt und weiterentwickelt wird. Das Spiel vom FCR Duisburg gegen den russischen Meister Perm kann dafür gut Beispiel stehen: die um 17:30 Uhr versammelten Frauenfußballfans mussten sich bis zum Spielanpfiff des Uefa-Cup Finales noch eine geschlagene Viertelstunde männerdominierte Werbung ansehen. Warum die Übertragung des Spiels nicht einfach auf die richtige Zeit angekündigt war, bleibt ein Rätsel. Genauso rätselhaft die Ankündigung des Eurogoals Moderators um 17:36, der sich verabschiedete mit: “Das war´s dann heute mit Fußball...” und die kurze Angst der Frauenfußballfans, dass die Übertragung mal wieder verlegt wurde oder ganz ausfällt.
Eurosport übertrug dann aber doch und zwar überpünktlich zum Anpfiff, die Halbzeit wurde mit Werbung perfekt ausgefüllt und der Schlusspfiff leitete das Abendprogramm ein. Keine Berichte, nur schlichter Kommentar auf Bild in Realzeit. Ob man sich damit als Zuschauer vernachlässigt fühlt, oder es als Erleichterung betrachtet, ist wahrscheinlich Geschmacksache. Doch dürfte das Interesse des Publikums hier doch eigentlich über das Spiel hinaus gehen. Und selbst wenn es dafür jetzt keine Studie und keinen Quotenbeweis gibt: die Berichterstattung rund um die Live-Übertragung herum gestaltet das Ereignis nicht nur mit, sie konstituiert sie sogar als Spektakel, als Ereignis über das eigentliche Spiel hinaus (Netzer/Delling und Kerner/Kahn stehen als das Sinnbild für die identifizierende Berichtserstattung). Eurosport dagegen verzichtete auf alles abseits den 90 Minuten (die Gründe können nur erraten werden: so wenig Frauenfußball wie möglich, mehr als ein Moderator war zu teuer, man wollte kein Kamerateam nach Russland schicken etc.) und verkannte dann auch noch das Publikum: der Kommentator des Spiels schien streckenweise vorgeschriebene Texte vorzulesen und verpasste dabei wichtige Szenen des Spiels. Seine Ausführungen über den Frauenfußball gegen Ende des Spiels sprachen eher zu dem Frauenfußball-laien, von denen wahrscheinlich eher wenige das Spiel verfolgten.
Bei dieser Analyse soll eines noch schnell eingeschoben werden. Hier soll keine Weiterführung des Gejammeres über die niedrige und unprofessionelle Repräsentanz des Frauenfußball in den Medien betrieben werden. Vielmehr soll ein Erstaunen darüber geäußert werden, dass so wenig die Chance ergriffen wird, die Komponenten einer Medienlandschaft rund um den Frauenfußball mitzugestalten. So könnte etwa Eurosport mit jeweils 10 Minuten Berichtserstattung vor, in der Hälfte und nach dem Spiel die Kommentatorin Eva Musterfrau nicht nur als kompetente Journalistin, sondern auch als ein Gesicht der Berichtserstattung zur WM 2011 etablieren. Dazu wäre die politische Implikation viel weitreichender: eine weibliche Stimme im Sportjournalismus mehr, differenziertere Recherche (allein durch mehrere Betrachterstandpunkte) und vielleicht mal nicht immer die selben Gesichter bei Sportgroßevents (Kerner, Beckmann etc...). Ob Eva Musterfrau bei der WM 2011 überhaupt noch auf den Bildschirmen erscheinen wird, ist eine andere Frage. Aber eigentlich müssten neue Gesichter jetzt eingeführt werden, bei Frauenfußball-Topspielen im Jahr 2009. Eurosport scheint zur Zeit diese Chance der Mitgestaltungsmöglichkeit noch nicht zu sehen. Wir hoffen das wird sich noch ändern.



