Das Projekt Spielfeldschnitte
Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)
Mittwoch, 20. Juli 2011
Zu(sammen)schauen: Impressionen aus drei Wochen Fußball, Kunst und Kultur in Hamburg
Montag, 11. Juli 2011
WM Telegramm No°10
Dieses Viertelfinal-Wochenende ließ einem wahrlich keine Atempause. Da das Ausscheiden des deutschen Teams zunächst alles andere überschattete, soll jetzt doch kurz nochmal der Blick zurück geworfen werden. "Dieses Spiel bietet einfach alles!" überschlug sich gestern Tom Bartels während der letzten Begegnung Brasilien - USA. Ground control to Major Tom: Diese ganzen Spiele boten alles!
Fulminant ging es schon bei der ersten Partie England - Frankreich zu. Die über weite Strecken aktiveren Französinnen mussten fast dreißig Minuten gegen einen Rückstand anlaufen - bis in der 88. Minute mit dem Ausgleich die Erlösung kam. Über die Verlängerung braucht man nicht viel zu sagen. Ach doch, eine Sache: Beeindruckend, wie Kelly Smith, nachdem sie schon gen Ende der regulären Spielzeit angeschlagen über den Platz humpelte, in der Verlängerung sich aufopferungsvoll einbeinig in jeden annahenden Ball warf, lässig im kurzen Anlauf gleich den ersten Elfmeter für England verwandelte. Noch dazu hielt die englische Torhüterin Bardsley den ersten der Französinnen - ideale Ausgangssituation für England. Rafferty und Faye White sahen das wohl anders und schossen rechts vorbei, bzw. an die Latte. Der gefürchtete englische Zielwasser-Mangel. Oder Angst vor dem Traditionsbruch? England mal wieder im Viertelfinale nach Elfmeterschießen ausgeschieden.
Nach diesem spannenden Spiel sogleich der Anpfiff zum nächsten, obwohl dafür nun wirklich noch niemand bereit war. Ist zuviel Fußball am Stück ungesund? Sicherlich wenn zu lange am Stück zu wenig aufs Tor geschossen wird. Nach 120. Minuten war es dann vorbei mit dem Fußballtag und Nadine Angerer twitterte mal wieder passend wie der Vogel im Baum: "Danke danke danke an alle Fans!!! Ihr wart großartig... Ich bin leer!!" Mehr können und wollen wir dazu auch nicht mehr sagen.
Freitag, 8. Juli 2011
WM Telegramm No°9
Donnerstag, 7. Juli 2011
Gastspiel: Sie sind also doch echt.
Gastspiel: Stine Hertel war in der Frankfurter
Gestern bin ich ins Stadion gegangen. Ich bin also, um wieder einmal Anonmas Freisig zu ehren, völlig weggezopft.
Brasilien spielt gegen Äquatorialguinea – ein Gigant, für den ein Sprint bei 50 km/h erst anfängt, gegen ein sehr kleines Land in Westafrika, das urplötzlich fußballmäßig schwer beschlagen auf der Bildfläche erschien und den FIFA an den Rand seines großen biologischen Lateins brachte. Man zweifelte daran, ob das denn überhaupt richtige Frauen sind, die da spielen - eine schwierige Frage, die sicher in Zukunft fachkundig erforscht werden wird. Nanu? Jemand hätte die Menschen darauf vorbereiten müssen! Brauchen wir einen Papststuhl? Eine Hormonquote? Wie kriegen wir wieder Ordnung in diese neumodische Verwirrung? Müssen vielleicht ein paar neue Richtlinien her? Davon können wir sicher alle profitieren, auch für unsere eigene Identitätsfindung.
Mittwoch, 6. Juli 2011
WM Telegramm No°8
Genoveva Anonma spielte heute in weiß, konnte aber die Niederlage gegen die Brasilianerinnen auch nicht abwenden. Für den Kommentator Tom Bartels war das Spiel schon zwanzig Minuten vor Schluss vorbei, er begann sein Fazit zu ziehen ("Alles klar in dieser Gruppe.") und redete lieber eine Weile über die U-17 Nationalmannschaft der Männer. Brasilien gewann souverän mit 3 zu 0.
In Leverkusen war es spannender, vor allem von der 54. bis zur 56. Minute: Die Torfrau von Australien ließ erst die Norwegerin Thorsnes einfach höflich durchlaufen. Mit einem schön herausgespielten Tor machen die Aussies den Rückstand aber wieder gut. Kurz vor Schluss sorgte Simon mit einem hervorragenden Kopfballtor für die Entscheidung. 2 zu 1, Norwegen scheidet zum ersten Mal schon in der Vorrunde aus.
Schweden machte die USA platt. Jedenfalls bis zur 68. Minute. Dann kam Abby Wambach und schulterte den Ball ins Eck - Anschlusstreffer! Direkt danach nahm sie jede einzelne ihrer Mitspielerinnen in die Einzelkritik. Botschaft: "Let´s Go!" Funktionierte aber nicht, das Spiel plätscherte, am Ende stand es 2 zu 1 für tanzende Schwedinnen. Am Sonntag also schon das Highlight Brasilien - USA. Was war noch? Ach ja, Nordkorea gegen Kolumbien. Ging 0 zu 0 aus.
Übrigens mit das Bekloppteste dieser WM: Die Falschverstehereien von Coldmirror. Was soll das? Und viel wichtiger: Was soll das?
Sonntag, 3. Juli 2011
WM Telegramm No°6
Die Schiedsrichterin hatte heute beim Spiel Australien - Äquatorialguinea eine rot-orange Sehschwäche. Bei Claudia Neumann machte sich auch noch eine Kommentierschwäche bemerkbar: "Es gibt auch noch ne 2. Halbzeit, wie immer." Ach was. Vielleicht bekam sie vom DFB kürzlich ein Dossier zum Thema "WM - Das Familienevent" und erklärte deshalb jede Szene auch für die Fünfjährigen. Anonma, der wir den Pokal für die meisten Tore der WM gegönnt hätten (schafft sie jetzt wohl nicht mehr), machte zwei Tore und hätte fast noch ein drittes reingezopft. Zeitweise spielte sie sogar gegen 21 Spielerinnen auf dem Platz. Ihr Lächeln hat sie leider irgendwann verloren und die Fifa kriegt es einfach nicht hin: "Anonman" - Anspielung auf die Geschlechterdebatte? Und dem ZDF gehen anscheinend die Doku-Themen für die Halbzeit aus: Schnitt auf eine Messdienergruppe und den Weltklassereim "Die Pilgerschar in der Basilika". Wir sind da ganz auf Natzes Seite: "Versteh ich nicht." Ist jedenfalls 3 - 2 für Australien ausgegangen das Spiel. Die spannenste Partie dieser WM bislang!
Pfeifkonzert für Marta. Das kennen wir doch? Mittlerweile schon vorprogrammiert: Die Brasilianerinnen foulen, schwalben und fordern Karten. Hart und Unfair. Orchesterstimmung in Wolfsburg. Die Norwegerinnen mit einer interessanten Eckball-Taktik: Das Knäuel. Man lernt nie aus. Aber warum das gut sein soll wissen wir immer noch nicht. Verloren haben sie trotzdem, verdient, 3 - 0. Brasilien haben in ihre Favoritenrolle zurückgefunden.
Freitag, 1. Juli 2011
WM Telegramm No°4
Japan will auf jeden Fall mitreden, beim WM Titel. Vier Tore haben sie Mexiko einfach mal reingehauen. Homare Sawa lieferte den ersten Dreierpack dieses Turniers und die Mexikanerinnen konnten wenig bis gar nichts dagegen tun. Auf Japan will man wirklich lieber nicht schon im Viertelfinale treffen. England tat sich wieder schwer. Neuseeland nutzte das sofort und erzielte die Führung als die englische Innenverteidigung kurz einen Anfall von Ballphobie bekam. In der Halbzeit muss Hope Powell den Spielerinnen die entscheidenden Worte mitgegeben haben - England kam zurück und machte doch noch zwei Tore zum 2:1 Endstand. Die Kurznachrichten live aus dem Zu(sammen)schauen Quartier:
Donnerstag, 30. Juni 2011
WM Telegramm No°3
Die beiden Favoriten des gestrigen WM-Tages konnten knappe Siege mitnehmen, zweimal hätte es aber knapp eine Überraschung gegeben. Die Außenseiterinnen aus Äquatorialguinea präsentierten sich wuselig gegen schwache Norwegerinnen und es schmerzte beinahe, dass diesen kurz vor Ende doch noch das 1:0 gelang. Brasilien spielte ganz und gar nicht Favoritenhaft, eher ruppig und erzielte ein unerwartetes Tor, wie wenn man noch schnell einen Trumpf aus dem Ärmel zieht. Zweimal also nach Abpfiff ein schales Gefühl - die beiden Underdogs aus Äquatorialguinea und Australien hätten einen kleinen Erfolg verdient gehabt. Die Kurznachrichten.
Dienstag, 28. Juni 2011
WM Telegramm No°2
Montag, 27. Juni 2011
WM Telegramm No°1
Der 2. Spieltag der WM lief wohl unter dem Rubrum: wer trifft den Winkel aus weiter Entfernung am besten? Gleich bei zwei Toren heute blieb uns der Mund offen stehen. Im ersten Spiel gegen Neuseeland trat in der 68. Minute die Japanerin Aya Miyama zum Freistoß an, lässig, als würde sie nur eben mit dem Fuß die Werkzeugkiste wieder unter die Werkbank schieben - der Ball sitzt in der Ecke wie eine Fliege in der Klebefalle zum 2:1 Sieg. Im zweiten Spiel holte Monica Ocampo von Mexiko in der 33. Minute einmal weit mit dem rechten Fuß aus, ließ Fünfe gerade sein und hebelte den langen Ball einfach über die Hände der Engländischen Torfrau in das Netz.
Wir waren live dabei und präsentieren die Kurznachrichten zum 2. Spieltag:
Freitag, 10. Juni 2011
Zu(sammen)schauen
Zum Fußball gehört neben Ball, grünem Rasen und zwei Toren auch das gemeinsame Mitfiebern im Stadion oder vor dem Fernseher in der Kneipe. Was beim Männerfußball auch in den niederen Ligen selbstverständlich ist und Woche für Woche den Lebensrhythmus unzähliger Fans bestimmt, ist für den Frauenfußball noch in weiter Ferne: Kein einziger Frauenfußballbundesligaverein verfügt über ein Stadion, das auch nur einer zweiklassigen Männermannschaft genügen würde. Wenn die Nationalmannschaft Spiele in Deutschland austrägt, ist man in den Millionenschweren Stadien der Männermannschaften zu Gast. Ein nämliches Bild bietet der Blick in die Medienlandschaft: Frauenbundesliga wird im deutschen Fernsehen nicht übertragen. Die mediale Präsenz beschränkt sich auf die Spiele der Nationalmannschaft. Doch auch diese Übertragungen sind noch nicht im Standardprogramm der Sportsbars angekommen.
Zur WM 2011 möchten wir einen Raum zur Verfügung stellen, der das gemeinsame Schauen von etwas ermöglichen, das normalerweise viel zu selten und viel zu einseitig betrachtet wird: Frauenfußball. Zugleich aber möchten wir auch jenes "zusammen" thematisieren: Neben der Übertragung der Spiele haben wir Künstler_innen und Theoretiker_innen eingeladen, mit uns in den drei Wochen der WM über und mit Frauenfußball nachzudenken und zu arbeiten. Das Angebot der Teilhabe an diesem Raum gilt darüber hinaus für all unsere Besucher_innen.
Man findet uns vom 26. Juni - 3. Juli in Die Kupferdiebe / Galerie, vom 4. - 17. Juli in der Galerie Speckstrasse.
Eröffnung ist am 26. Juni um 14 Uhr. Große Abschlussparty am 17. Juli nach dem Finale.
Das Zu(sammen)schauen-Quartier öffnet jeden Tag ca. eine Stunde vor Spielbeginn.
Auch wenn sich im Laufe der Zeit die Teilnehmer_innen und Helfer_innen sicherlich mehren werden, möchten wir uns an dieser Stelle schonmal herzlich bedanken bei: Jenny Beyer, Dani Brown, Johanna Castell, Katharina Kellermann, Lina Klingebeil, Jule Kremberg, Franziska Schnoor, Nicole Selmer, Johanna Seitz, Camilla Vetters, Axel Wernecke, Lydia White.


