Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Posts mit dem Label My B/log has something to tell you about... werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label My B/log has something to tell you about... werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 6. Juli 2015

My B/log has something to tell you about... Party like it´s 1999!

  
Oh my Lloyd! Am Ende doch etwas froh, dass man es bis Eins durchgehalten hat. Absurdes Finale, schon 2-0 nach fünf Minuten und 3-0 nach fünfzehn. Der schnellste Hattrick eines WM Finales und am Ende steht es 5-2 für die USA gegen Japan.

On fire: Carli Lloyd. Sie trifft in der 3. Minute und Claudia Neumann bellt: "Das war der Laufweg den Lloyd wollte und den Rapinoe wusste." Mal wieder pure Poesie. Das reicht Lloyd aber nicht und in der 5. Minute ist sie wieder zur Stelle. Das 3-0 knallt zur Abwechslung und unbarmherzig Lauren Holiday ins Netz. In der 15. Minute ist dann nochmal Carli Lloyd dran, schlitzohrig und weitsichtig (Ton anschalten!).

Freitag, 1. Mai 2015

My B/log has something to tell you about... Birgit..ääh...Martina...ääh...Prinz..ääh..Müller!

   
Nee, is klar, Leude, Martina Müller ist nicht Birgit Prinz. Niemand ist Birgit Prinz außer Birgit Prinz, niemand verteidigt das so stark wie wir. Aber Martina Müller ist fast wie Birgit Prinz und zwar aus folgenden Gründen: Sie semmelt die wichtigen Dinger rein. Sie ackert bis zum letzten. Sie ist immer da, wenn man es nicht erwartet. Sie ist Stürmerinstar. Solide.

Warum sie nicht ist wie Birgit Prinz: Sie stand nie so im Rampenlicht. Die Bundestrainerin wollte sie nie so richtig, höchstens als Jokerin und ergo kam Müller nie zu dem Weltruhm, den sie verdient hätte, wenn sie ihn denn wollte (was wir nicht wissen). Keine heftige Identifikationsfigur auf internationalem Parkett, also stattdessen Arbeiterin an der lokalen Front und das seit einiger Zeit bei Wolfsburg. Nach der Saison hört sie auf, aber vorher spielte sie heute im DFB Pokalfinale gegen Turbine Potsdam.

Montag, 30. März 2015

My B/log has something to tell you about... Steffi for President!

   
Das hätten wir nicht gedacht..! Hätten wir das gedacht..? Nein, das hätten wir nicht gedacht. Drauf gewettet hätten wir auf keinen Fall. Manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wir hätten gedacht, dass Silvia Neid bis zu ihrem Tod Bundestrainerin bleibt. Wir hätten gedacht, dass höchstens die versierteste Trainingsanzugträgerin im Lande, Ulrike Ballweg in ihre Fußstapfen treten könnte. Wir hätten gewettet, dass der DFB nur noch darauf wartet, dass Nadine Angerer endlich ihren Trainerinnenschein macht und keinen Bock mehr auf Australien hat.

Aber ja, klar, es liegt auf der Hand. Wenn Silvia Neids Vertrag im September 2016 endet, dann wird Steffi Jones Bundestrainerin. Warum wir sie nicht auf dem Zettel hatten? Vielleicht weil wir uns Steffi Jones eher als Nachfolgerin von Sepp Blatter als FIFA Präsidentin wünschten, auf dass sie in dieser Rolle mal gehörig den verstaubten Laden aufräume. Nun gut, als Bundestrainerin finden wir sie natürlich auch formidabel und wenn wir es einer zutrauen würden dem Neid´schen Imperium einen neuen Stempel aufzusetzen, dann sicher ihr. Die FIFA kann sie ja auch später noch übernehmen, das passt super in ihren bisherigen Karriereweg: Jones hatte schon Jobs als Putzfrau, Zeitungsausträgerin, Verkäuferin, Barkeeperin, Kassiererin, Supermarkt-Leiterin und natürlich Profi-Fußballerin. "Auch als Nationalspielerin musste man sehen, wo man bleibt."

Sonntag, 5. Oktober 2014

My B/log has something to tell you about... die glorreichen 40!

  
Die FIFA plant, die Spielerinnen legen Beschwerde ein. Die FIFA entscheidet, die Spielerinnen klagen. Das Ganze ist eine Ode an den Kunstrasen, im positiven und negativen Sinne. Die einen mögen es, die anderen verabscheuen es. Reine Geschmackssache? Sepp Blatter wird jedenfalls (wie immer eigentlich) vom Geschmäcklerischem geleitet: "Kunstrasenfelder sind grün" ließ er sicherheitshalber in seinem Testament dem FIFA Regelheft festhalten. Es liegt also auf der Hand, was 2015 den_die Flitzer_in ablösen könnte: Die Kunstrasen-Guerilla, die bei Nacht und Nebel vor dem Eröffnungsspiel das grüne Plastik von Edmonton in schwarz-pink glitzerndes Totenkopfmuster einfärbt.

Es ist ja folgendermaßen: FIFA-Chef Blatter möchte gerne, dass die Frauen bei der WM 2015 in Kanada auf Kunstrasen spielen. Das ist eigentlich nicht sonderlich verwunderlich. Das Kräftemessen der besten Fußballerinnen der Welt diente schon immer als willkommener Rahmen für allerlei absonderliche Regelversuche, bevor diese dann salonfähig der breiteren Öffentlichkeit bei den "echten" Turnieren der Männer eingesetzt werden. Das Golden Goal gab es zunächst bei den Frauen und wurde nach dem Test als tauglich eingestuft. Man probierte ein "Time Out" pro Team und Halbzeit, das sich zum Glück nicht weiter durchsetzte. Blatter wollte auch die Spielaufteilung in drei Drittel (ergo mehr Werbepausen) bei den Frauen testen lassen, die Idee kam aber anscheinend sehr schlecht an und wurde gar nicht erst angewandt. Für alles, was Materialkosten verursachte, waren die Frauen dann aber wohl doch nicht gut genug: Freistoßspray und Torlinientechnologie wurden nicht auf Frauenturnieren "vorgetestet".

Samstag, 16. August 2014

My B/log has something to tell you about... 111 Gründe, Frauenfußball zu lieben!



Endlich ist es soweit, worauf wir seit mindestens 111 Jahren gewartet haben. Wir wollten nicht mehr warten und haben es deshalb einfach selbst gemacht: eine Ode, ein Jubelgesang, die eventuell erste und absolut unvollständige Liebeserklärung an den großartigsten Sport der Welt! Von Lily Parr über Lotte Specht und Beverly "Danger" Ranger bis hin zu Nadine Angerer und Birgit Prinz. Unsere Liebe ist endlos und wird allerhöchstens durch die Zahl Hundertelf begrenzt.

Donnerstag, 10. April 2014

My B/log has something to tell you about... sag mir wie du heißt und ich sag dir wieviel du wert bist.

Achtung, Obacht - Taufen wir sie auf den Namen: Allianz! Her mit den Sektflaschen, werft sie auf jeden Platz und jeder Spielerin an den Kopf! Ja, meine Damen, sie haben richtig gehört. Eure Liga heißt jetzt nicht mehr einfach Bundesliga. Eure Liga heißt ab nächster Saison "Allianz Frauen-Bundesliga".

Der Versicherungskonzern hat sich, ausgefuchst, die Namensrechte an der Liga für die nächsten fünf Jahre gesichert. Namensrechte im Fußball sind ja bekanntermaßen seit einigen Jahren das neue Ding. Nachdem bereits sämtliche Stadiennamen an die höchstbietenden verschleudert wurden, nachdem selbst Vereinsnamen vor den Marken nicht sicher waren - jetzt erreicht der Sponsoringwahn der Medien-Management-Wirtschafts Allianz auch das Spielsystem selbst. Tolle Sache, die Männer Liga heißt hoffentlich bald dann "o.b. - Bundesliga". Zukunftsmodell: Lira Alushi und Célia Šašić laufen als Lira Opel und Célia Sony auf. Namen ändern sich halt, die Frage ist wohl nur noch wieviel es kostet.

Freitag, 26. Juli 2013

My B/log has something to tell you about... Extraordinäre Standardsituationen

 
Im Finale der EM 2013 trifft die DFB-Auswahl am Sonntag auf Norwegen. Im Gruppenspiel vor zehn Tagen führten noch Probleme im Spielaufbau, der fehlende Spielfluss und die schlechte Chancenverwertung zu einem 0:1. Motiviert durch das Halbfinale gegen Schweden (und deshalb überhaupt weiter) gibt es jetzt eine zweite Chance gegen Norwegen. Norwegen, die gegen Dänemark fast 88. Minuten lang ein diszipliniertes 4-4-1 spielten. An diesem nordischen Catenaccio könnten sich die Deutschen auch die Zähne ausbeißen und manchmal sind Freistöße und Ecken dann fast die einzige Möglichkeit, um Torchancen zu generieren.

Statistisch gesehen ist nur jeder 25. Freistoß erfolgreich - eine relativ schlechte Quote für den professionellen Fußball, sind doch die ruhenden Bälle eine große Chance auf den geplanten Torerfolg. Das dachten sich wohl auch Silvia Neid und Ulrike Ballweg und setzten Freistoßvarianten auf das Menü der EM-Vorbereitung. Alles streng geheim natürlich, die Gegnerinnen sollten nichts davon mitbekommen.

Freitag, 24. Mai 2013

My B/log has something to tell you about... "i-punkt auf dem i"

   
"Das wäre der i-punkt auf dem i" sagte Lena Goeßling vor dem Spiel und das i blieb nicht i-punkt-los, die Wölfinnen haben gestern das Triple perfekt gemacht. Nach souveräner Meisterschaft und mittel-souveränem DFB-Pokal nun also auch noch der überraschend souveräne Gewinn der Champions League. Hätten die Spielerinnen aus Wolfsburg auch noch im Finale des DFB-Hallenpokal die Potsdamerinnen geschlagen, müssten wir uns die Zunge am Wort "Quadruple" verdrehen. Doch Potsdam gewann 2-1 und bewahrte vor ungewohnten Wortschöpfungen.

Was für ein Jahr für das Team aus Wolfsburg! Seit dem Ausflug in Liga Zwei vor sechs Jahren gehören sie zu den ernst zu nehmende Protagonistinnen in der Bundesliga - und gleich im ersten Meisterschaftsjahr die Traumkombination der Pokale.

Sonntag, 19. Mai 2013

My B/log has something to tell you about... Köln! Und nie wieder Berlin!

    
Das Team des VfL Wolfsburg hat in ihrer überragenden Saison 12/13 nach der Meisterschaft auch den DFB-Pokal gewonnen und macht sich bereit für das Champions League Finale in vier Tagen. Die erste Halbzeit in Köln war eher zäh, geprägt von vielen Zweikämpfen und dementsprechend vielen Unterbrechungen. Bernd Schmelzer, Phänomenologe, bezeichnete diese Phase als Phase der Köpfe: "Ganz selten ein Frauenfußballspiel gesehen, in dem es so viele Kopfzusammenstöße gab wie in diesen ersten 35 Minuten." Kurz vor Ende der ersten Halbzeit doch noch die Führung für die etwas überlegeneren Wolfsburgerinnen, klasse Weitergabe per Hacke von Conny Pohlers auf Martina Müller, die zum 1 zu 0 trifft.

In der zweite Halbzeit wird das Tempo erhöht, Müller trifft zum 2-0 in der 51. Minute, Conny Pohlers zum 3-0 in der 54. Minute. Fünf Minuten später verkürzt Potsdam durch Evans. Ein Elfmeter in der 61. Minute, den Ogimi für Potsdam sicher verwandelt, macht das Spiel in der Endphase richtig spannend. Bernd Schmelzer benimmt sich noch etwas daneben als Potsdams Torwärtin Naeher einen fast fatalen Stellungsfehler begeht: "Na klar, das ist das Pokalfinale, da kommt man ins Fernsehen, aber doch nicht so, Mädchen!" Wolfsburg gewinnt verdient und feiert den 11 Kilo schweren Klunker, während sich mal wieder gefragt wird, ob und wie und wo und warum.

Seit 2010 findet das DFB-Pokalfinale der Frauen nicht mehr als ignoriertes Vorprogramm der Männer in Berlin, sondern als eigenständiges Spiel in Köln statt. Dieses Jahr kommt vermehrt die Frage auf: Hat sich der Umzug damals gelohnt, oder sprechen die sinkenden Zuschauer_innenzahlen gegen das Stadion in Köln? Bei allem Pessimismus lohnt es sich kurz inne zu halten und sich an die Prä-Köln Ära zu erinnern. Hatte man überhaupt Karten ergattert ohne sich zu verschulden, musste man sich das DFB-Pokal Finale mit gefühlten fünfzig Gleichgesinnten im Berliner Olympiastadion ansehen. 99 Prozent der Kartenkäufer_innen war dieses Spiel so ziemlich egal, sie kamen pünktlich nach der Siegerehrung. Ein Umzug des Finales wäre immer ein Gewinn gewesen - ob in die Münchner Allianz Arena oder in das Wolfgang-Meyer-Stadion in Hamburg.

Donnerstag, 14. März 2013

My B/log has something to tell you about... Wie klebrig sind Torlinie und rote Pappe?

   
Nach der Niederlage im Finale des Algarve Cups gegen die USA geht es um Klebstoff. Woher kam der Super Strong Sekundenkleber? Wer war es, der die schnelltrocknenden Tropfen an die rote Karte und in das Tor von Almuth Schult schmierte? Jedenfalls blieben die bunten Pappen in der Tasche und Schult auf der Torlinie - mehrmals zuviel und spielentscheidend. Die Kombination besiegelte die Niederlage des ansonsten stark auftretenden deutschen Teams. Hat Silvia Neid das Aufstellungs-Bingo gegen sich selbst schon gewonnen? Die Aufstellung vom Finale scheint ein vielversprechendes Fundament, auf dem man gut Aufbauen kann. Nur Nadine Angerer wird wohl in naher und ferner Zukunft ihres Stammplatzes sicher sein - es sei denn Ursula Holl verkündet überraschend ihr Comeback. Und hoffentlich muss während der EM kein Unmut über zaghaft auftretende Schiedsrichterinnen aufkommen. Wir empfehlen Alkohol und Terpentinersatz.

Donnerstag, 7. Februar 2013

My B/log has something to tell you about... Letztens war der „Ball des Sports“ – der Johannes war mit der Britta da und die Steffi mit der Nicole oder: Outing mit BILD

 
Zum dritten Mal ziert eine deutsche Fußballerin das Titelblatt der BILD: Das haben vor Steffi Jones nur Nadine Angerer und Uschi Holl geschafft.* Ganz dunkel erinnern wir uns vielleicht, es gab da auch mal Fatmire Bajramaj und Anja Mittag mit schwarz-rot-goldenen Fingernägeln, aber davon will heute keiner mehr was wissen (zumindest nicht bei BILD), denn immerhin spielte die Lira bei der letzten WM trotz Nationen-Darling-Image halt leider richtig schlecht (oder gar nicht) – und wer ist schon Anja Mittag? Um aber doch dran zu bleiben an diesen Fußballerinnen, die trotz No-Money-Politik irgendwie immer noch Fußball spielen hat BILD eine neue Strategie ersonnen: Your own not so private Outing sponsored by BILD:

"Unsere Fußball-Kaiserin Steffi Jones (40) zeigt uns ihre große Liebe - es ist eine Frau!"

Oder: Es ist eine Titelseite!

Zwei Dinge sind an der Berichterstattung, die der BILD Titelseite folgte, bemerkenswert:
1.) Da es dann doch irgendwie gar nicht mehr so wahnsinnig bemerkenswert ist, wird wieder mal viel über die männlichen Fußballer gesprochen. Ob sie’s sollen oder wollen, können oder dürfen. Müssen oder lassen müssen.
2.) Die Berichterstattung war einheitlich: Tolerant, respektvoll, freudig, überrascht – huch!?! Ach, Steffi, wie schön, wir setzen dich und Nicole gleich in ein Herzchenpasspartout. Denn es ist ja alles so herrlich.

Dienstag, 29. Januar 2013

My B/log has something to tell you about... Optik, Normalität und den schönsten Fußballer


"Vorbei sind die Zeiten, in denen Frauen, die über Fußball berichteten, belächelt wurden", so eröffnet der Artikel über Reporterinnen im Männerfußball (FAS, 27.2.13). Tatsächlich scheint sich beim Hauptversorger für Fußballübertragungen Sky einiges zu tun. Seit dieser Saison moderiert und interviewt das Trio Ruth Hofmann, Esther Sedlaczek und Laura Wontorra bei den Montagsspielen der 2. Bundesliga. Die Gewinnerin des Sky Moderatorinnen-Castings Christina Graf wird Anfang Februar die Begegnung Regensburg - Hertha BSC in der 2. Liga kommentieren.

Ob auf längere Sicht eine Beförderung in die erste Spielklasse ansteht? Klar ist, Fußballberichtserstattung bleibt vorerst eine Männerdomäne, insbesondere während den 90 Minuten. Die langsam erweiterten Ausnahmen bestätigen die Regel. Lässt sich das Engagement des Pay-TV-Senders Sky von zwei Seiten betrachten? "Natürlich spielt die Optik eine Rolle, aber in erster Linie kommt es auf die Kompetenz an", so Ralph Fürther, Chef der Produkt- und Programmkommunikation. Interessante Reihenfolge. Weiterer Grund für die Aufstockung des weiblichen Personals: "weil sich immer mehr Frauen für die Sportart interessieren." Diese Argumentation kommt dann doch etwas gewollt daher. Mag sein, dass es Frauen gibt, die sich lieber ein von Frauen moderiertes Fußballspiel anschauen. Für begeisterte Fußballschauende (Frauen wie Männer) sollte es allerdings keinen Unterschied machen ob ein Mann oder eine Frau am Mikrophon oder vor der Kamera steht. Monica Lierhaus bringt es im Interview in derselben Ausgabe der FAS auf den Punkt: "Es kommt auf die Qualität an, nicht auf das Geschlecht." Interessante Reihenfolge!

Dienstag, 27. März 2012

My B/log has something to tell you about: Es gibt nur eine Nummer Neun!


Zu Beginn die brennende Frage von Eurosport: "Wer ist der Mensch eigentlich?" Tja... Wollen wir Goethe bemühen, Faust, Habe nun ach...???
Siegfried Dietrich hilft beim eigentlich gemeinten weiter: "Sie ist ein sehr emotionaler Mensch! Sie ist ein sehr rationaler Mensch!" philosophiert Wegbegleiter Siggi und wir wissen, dass wir nichts wissen. Aber was wollen wir auch noch mehr wissen von Birgit Prinz, deren zwanzigjährige Karriere die meisten Begleiter_innen und Fans des Frauenfußballs übertrumpft. Nächste Frage von Eurosport: "Wie wichtig war Birgit Prinz für die Entwicklung des Frauenfußballs?" Ganz einfach. Birgit Prinz ist die Entwicklung des Frauenfußballs. Bei fast allem, was es dort zu erreichen gab, war sie die erste. Siege, Pokale, Rekorde, Tore, Bashings - und jetzt natürlich auch das Abschiedsspiel.

Sonntag, 25. März 2012

My B/log has something to tell you about: Es gibt nur eine Birgit Prinz!


Es gibt nicht viele großartige Sportlerinnen, die einem wirklich ins Gedächtnis eingebrannt bleiben. Vor allem im verhältnismäßig jungem Frauenfußball gibt es noch nicht viele "damals, als..."-Mythen zu erzählen.

Damals, als ich zusammen mit meinem vier Jahre jüngeren Bruder anfing Fußball zu spielen, da war ich oft das einzige Mädchen - auf dem Bolzplatz (soweit man mich mitspielen ließ), im Verein sowieso. Die Vorbilder waren Männer, Platini, Figo, Thomas Hässler. Die meisten Mädchenteams waren noch nicht gegründet, bis zur C-Jugend spielte ich mit den Jungs, meistens in der Abwehr, im letzten Jahr auch im Mittelfeld. Am 28. März 1999 sah ich zum ersten Mal die großen Spielerinnen der Nationalmannschaft. Es war das Länderspiel gegen China auf dem Wolfgang-Meyer-Sportplatz in der Hagenbeckstraße. Ich erinnere mich nicht mehr, wie das Spiel ausgegangen ist. Aber ich erinnere mich, dass das "Stadion" damals total voll war und wir am Rand die Spielerinnen fast berühren konnten. Wieviele Zuschauer_innen waren wohl da, 1000 oder 2000 vielleicht? Ein paar Monate später brachte mein Vater mir aus den USA ein T-Shirt von dem "WSC" mit.

Damals schon seit fünf Jahren dabei: Birgit Prinz. Die Ausnahmesportlerin. Sie wurde, als ich schließlich in einer reinen Mädchenmannschaft im offensiven Mittelfeld eingesetzt wurde, mein und unser erstes weibliches Vorbild, zusammen mit Mia Hamm. Birgit Prinz hält soviele Rekorde, dass man sie fast gar nicht aufzählen kann. Rekordnationalspielerin. Rekordtorschützin. Rekord, Rekord. Sie hat wunderschöne Tore geschossen, wunderschöne Tore vorbereitet. Sie hat uns den Traum vorgelebt, den wir damals mit 14, 15 Jahren alle hatten. Sie spielen zu sehen war ein Erlebnis, dass wir immer genossen, auch wenn die Möglichkeit dazu nicht immer da war (keine Fernsehübertragungen, wir mussten zu den Spielen pilgern).

Mittwoch, 7. März 2012

My B/log has something to tell you about: Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen.

Swoosh Lieu - www.swooshlieu.com
Eines steht fest: Eurosport hat ein internes Kommunikationsproblem. Warum sonst hätte der Kommentator des Spiels Deutschland - Schweden gefühlte 20 Mal euphorisch gesagt: "Und am Mittwoch dann die Neuauflage des WM Viertelfinales um 14 Uhr live hier auf Eurosport!" Vielleicht ist man als Reporter an der Algarve auch für eine gewisse Zeit von der restlichen Außenwelt abgeschnitten, Eurosport selber wollte gestern jedenfalls nichts mehr wissen von einer Übertragung des Finalspiels. Es gab anscheinend Probleme mit dem Abgleich von Anstoß- und Sendezeit. Und obwohl es letzte Woche noch hieß man übertruge das Finale um 18 Uhr oder das jeweilige Platzierungsspiel des deutschen Teams zu einer anderen Uhrzeit - manche Meinungen wechseln schneller als Unterwäsche. Heute kommt kein Fußball, stattdessen den ersten halben Tag Biathlon und den zweiten halben Tag die Wiederholung vom Biathlon. Vielleicht ist die Lobby der schießenden Skifahrer bei Eurosport doch größer als bisher vermutet.

Psychologisch ist die Situation vergleichbar mit dem geschenkten 20-Euro Schein: Wenn dir jemand einen solchen schenkt und ihn dir fünf Minuten wieder wegnimmt, dann bist du davon emotional betroffen (traurig, wütend, hilflos etc.) - obwohl sich an deiner Situation im Vergleich zu vor dem Geschenk eigentlich gar nichts geändert hat.

Aber wer ist jetzt eigentlich schuld an der Misere? Wirklich nur Eurosport? Was ist denn mit den anderen Fernsehsendern, die sich im letzten Sommer noch so unglaublich verpflichtet fühlten? Ist am Ende der DFB schuld, dessen Verantwortliche sich vielleicht für die Sache nicht stark genug gemacht haben? Oder der portugisische Fußballverband mit seinen blöden TV-Rechten und diesem piefigen Spielort an der Hinter-Timbuktu-Algarve? Und überhaupt, was ist das für eine Spielzeit für ein Finale? Mitten am Tag, normale Menschen müssen da arbeiten, denken die Disponenten etwa dieses Spiel interessiert nur die Student_innen und Rentner_innen? Und warum sind die Rechte-Pakete so unglücklich gestrickt, dass die Öffentlich-Rechtlichen geradezu gezwungen werden bestimmte Spiele der Frauenfußball-Nationalmannschaft zu zeigen, während sich andere Sender vielleicht auch gerne engagieren würden? Schuld könnten auch sein: Biathlon, Christian Wulff, Rentenabzocke oder die Krankenkassen.

Let´s face it: Deutschland, Land des Frauenfußballs, das war einmal. Heute müssen wir alle virtuell nach Japan umziehen um das Spiel sehen zu können, denn in Japan wurde über eine Nichtübertragung noch nicht einmal geredet. Ach wäre hier doch Japan! Dann könnten wir bequem das Spiel sehen und wären auch noch Weltmeisterinnen!

Mittwoch, 15. Februar 2012

My B/log has something to tell you about: Live und Schwarz auf Weiß

    
Seit www.FFNews.de neue Betreiber hat, lohnt es sich dort ab und zu mal vorbei zu schauen. Ins Auge fällt besonders ein ambitioniertes Vorhaben: Alle Spiele, live! Dabei sein ist alles!

Der FFNews Liveticker schaut nach einem organisatorisches Großprojekt aus. Und vielleicht wird es ein Wegweisendes noch dazu. Live-Berichtserstattung zu allen Bundesligaspielen und eventuell sogar den unteren Ligen - ein Lichtstreifen am Horizont der Zeitnahen Nachrichtenödnis. Das Prinzip ist denkbar einfach. Die Ideengeber haben die Software gezimmert, im Sinne Ikeas können sich Fans und Vereinsnahe die Informationen selbst zusammenbauen und als Voluntäre eifrig lostickern. Man braucht lediglich einen Internetanschluss vor Ort. Starten tut das Projekt mit dem Spiel Türkei-Deutschland heute um 16 Uhr. Eine einfache Aufgabe, können die Tickerer das Spiel noch gemütlich von der Couch aus verfolgen. Interessant wird es dann auf dem Platz, wenn der Zugang zum Netz nicht unbedingt selbstverständlich sind und sich weniger Leute finden, die überhaupt vor Ort sind. Dabei wären Live-Nachrichten aus der 1. und 2. Bundesliga und auch darunter ob des Mangels besonders durststillend. Hoffen wir auf tapfere Freiwillige!

Ob es funktionieren wird oder nicht, das Projekt zeigt wiedermal: Wenn´s die Profis nicht liefern, muss man´s halt selbst machen.

Montag, 13. Februar 2012

My B/log has something to tell you about: Izmir lieber mit Uli

    
Am Mittwoch gibt es vielleicht so etwas wie einen Blick in die Zukunft. Deutschland spielt in Izmir gegen die Türkei notgedrungen in alternativer Variante. Verletzt sind Inka Grings, Kim Kulig, Simone Laudehr und Nadine Angerer. Fatmire Bajramaj ist in München gestrandet - Flug verpasst. Und auch die Chefin selber fällt aus: Silvia Neid wird für ihr Verhalten beim letzten Spiel bestraft und muss auf der Tribüne Platz nehmen. Meckern zahlt sich halt nie aus, höchstens für Ulrike Ballweg. Die kann jetzt schon mal austesten, ob ihr die Luft an der Spitze gefällt.

Die Chance also für Neulinge sich mal zu zeigen. Almuth Schult wird ihr Debüt im Tor geben und eventuell Argumente gegen die mythische No-Alternative Position Angerers liefern. Die gescholtene Linda Bresonik darf ebenfalls auf den Platz und Beweise gegen die Formkritik bringen. Im Sturm können sich neben Alexandra Popp entweder die ewige Jokerin Martina Müller, oder die fast schon vergessene Anja Mittag ins Licht setzen. Zu den "Alten" gehören eigentlich nur noch Melanie Behringer und Saskia Bartusiak, es wird interessant werden, wer neben ihnen auflaufen darf. Gespannt sind wir auf einen Einsatz von Dzsenifer Marozsan, um die sich schon lange eine neblige Star-Erwartung rankt, die sich bei den wenigen Einsätzen noch nicht aufklären konnte.

Mit Uli, neuen Gesichtern und dem Blick auf Tabellenplatz Eins in Izmir!

Samstag, 21. Januar 2012

My B/log has something to tell you about: Same procedure as last year

  
Heute läuft Fußball der Spitzenklasse! Nein, wir meinen nicht den Start der Herren in die Rückrunde, sondern das größte Hallenfußballspektakel des Jahres in Magdeburg. Aber es ist mal wieder wie befürchtet: Alles beim Alten. Nur wer live dabei ist, ist wissend. Alle zuhause gebliebenen bekommen die Realität des sogenannten Post-WM-Aufmerksamkeitsschubs zu spüren. Natürlich nichts im Fernsehen und die einzigen Informationen kommen von den treuen Fans selber: Allen voran die formidablen Fans des Turbine Potsdam!

Ansonsten weit und breit die unendliche Wüste.

Samstag, 31. Dezember 2011

My B/log has something to tell you about: 20Elf von seiner Zurückblick-Seite

   
Wir schreiben das Jahr 2007. Einen Monat nach ihrem großen WM Erfolg werben Birgit Prinz und Fatmire Bajramaj zusammen mit Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach bei der Fifa für den Spielort Deutschland und rufen "Wiedersehen bei Freunden - Welcome back". Sie erhalten den Zuschlag und das Marketing-Gemetzel beginnt. Die beliebteste Platitüde: „Mit dem Slogan / dem Logo / dem Song ist es uns gelungen, die wunderbaren Emotionen und den einzigartigen Charme des Frauenfußballs zu übermitteln“

2009 wird die Flagge gehisst, unter der die WM rezipiert werden soll: „20Elf von seiner schönsten Seite“. Vorhang auf.

Spielerinnen spielen enorm guten Fußball? Egal, es interessiert wer am besten aussieht! Tolle Technik, Torschüsse, Tore? Nein, Nagellack, Frisuren, Privatleben! Sportliches konnte nur wenig aus dem Hintergrund heraustreten. Die Feuilletons dagegen liefen quasi über an Diskussionen über den FRAUENfußball. Bei einem Fußballturnier der Männer fragt sich keine Kolumnistin oder Journalistin ob und warum man sich diesen Sport anschauen sollte. Diesen Sommer stürzten sich dagegen sämtliche Männer der Schreibwelt auf genau diese Frage.

Warum ist die Frage warum Frauen Fußball spielen und warum man sich das anschauen sollte soviel Papier und Webspace wert? Die Antwort liegt doch auf der Hand: Weil sie es können, weil es ihnen Spaß macht und weil es anderen Spaß macht ihnen dabei zu zuschauen. Muss ja nicht jeden interessieren, aber dann können diejenigen, die es nicht so interessiert doch lieber über etwas nachdenken und schreiben, was sie interessiert. Naiv? Vielleicht.

Dienstag, 6. Dezember 2011

My B/log has something to tell you about: Rücktritt und Comeback

   
Die einen wollen gehen, die anderen sollen kommen. Theo Zwanziger möchte schon im Oktober 2012 die Vorzüge des Rentnerdaseins genießen und kündigte vorsichtshalber jetzt schon seinen Rücktritt an. Vorsichtshalber wohl auch, damit ihm zum gegebenen Zeitpunkt keine Negativschlagzeile à la Amarell an den Rücktritt gepinnt werden kann. Als Nachfolgerin wünschen wir uns natürlich Hannelore Ratzeburg, aber es wird wohl Wolfgang Niersbach. Insgesamt wird man sich darauf einstellen können, dass es eher eine Frau an der Spitze Russlands geben wird, als eine Frau an der DFB Spitze.
Zu hoffen bleibt, dass mit Zwanzigers Abgang das Thema Frauenfußball nicht wieder in die Mottenkiste gesteckt wird. Aber wer weiß, wahrscheinlich verlängert Zwanziger seinen Vertrag im Sommer 2012 doch nochmal um fünf Jahre und bietet Silvia Neid einen Vertrag auf Lebenszeit an. Verträge, Rücktritte und der DFB - eine einzige Wunderkiste!

Parallel zu Zwanzigers Rücktrittsgedanken mehrten sich plötzlich die Schlagzeilen über ein vermeintliches Comeback von Birgit Prinz. Die konnte zu den Gerüchten bisher noch nicht Stellung nehmen, da im wohlverdienten Urlaub. Das Ganze riecht aber ziemlich nach Pressegeburt: Frankfurts Manager Dietrich wird zur aktuellen Krise des FFC befragt, konstatiert ein Problem im Sturm und erwähnt nebenbei, dass er als Birgit Prinz` Manager natürlich auch an sie gedacht hat. Daraus wird dann: "Birgit Prinz vor dem Comeback". Auch wenn wir natürlich die Spekulationsfreude nicht bremsen wollen, seien wir mal ehrlich: Warum sollte die Spielerin, die national und international schon alles gewinnen konnte, die unter ihrer letzten WM am stärksten gelitten und sie (als eine der wenigen) mit echter Größe abgeschlossen hat, der man Sätze glaubt wie "Es ist vielleicht nicht gewöhnlich zu sagen, dass es nicht so klappt. Ich finde es aber legitim, das zuzugeben. Ich war aber während meiner gesamten Karriere uneitel, das wird sich auch nicht ändern." und vor allem "Ein beschissenes Karriereende ist besser als eine beschissene Karriere". Warum sollte diese Spielerin jetzt plötzlich wieder mitmischen und womöglich ihre nachgeschobene letzten Vereinssaison auf einem mittelmäßigen Tabellenplatz beenden? Alle, die in den letzten Jahren ihre spärlichen aber immer prägnanten öffentlichen Auftritte mitverfolgt haben werden bestätigen, dass so ein Comeback nicht zu Birgit Prinz passt.