Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Montag, 1. Februar 2010

my b/log has something to tell you about... Wo ist die schönste Seite geblieben?

Als ich mich gestern mal wieder so im Internet tummelte, da traute ich meinen Augen nicht, als ich da plötzlich die Nationalmannschaft von ihrer schönsten Seite glänzen sah...

Auf diese Weisen könnten zweierlei Geschichten beginnen.
Im April vergangen Jahres konnte die Enthüllung dieses offiziellen Mottos für die Frauenfußball-WM 2011 als Höhepunkt einer ganzen Reihe von Fehlschlägen gewertet werden. Der Versuch, dem Frauenfußball in Deutschland ein eigenes Gesicht zu verpassen, endete in einem genderpolitisch fragwürdigen Dauergrinsen.

Wie umgehen mit einem solchen Branding, fragte wir uns? Umgehen schließlich wird man es nicht können. Wenn überhaupt, so wird es nur in einer radikalen Zuwendung durchzustreichen sein. Indem wir akzeptieren, dass dem Frauenfußball nun etwas zugehört, was von tausenden Fans nächstes Jahr mit dem WM verknüpft werden wird und das nur auf dieser Basis kritisiert werden kann.

Und nun grüßt das Murmeltier plötzlich erneut: Als ich mich gestern mal wieder so im Internet tummelte, da traute ich meinen Augen nicht, als ich plötzlich die Nationalmannschaft von seiner schönste Seite glänzen sah...

Doch nicht das verkniffene Lächeln von Philipp Lahm und der Adoniskörper von Mario Gomez sind die schönste Seite der deutschen Fußballmänner, sondern eine neue Internetpräsenz. Man kommt aus dem Kopfschütteln gar nicht heraus. Was ist denn hier passiert? War "die schönste Seite" nicht der absolute Griff ins Klo? Hatte wir nicht auf der Folie einer viel seriöseren Medienarbeit der Fußballherren Kritik am OK-Team um Steffi Jones geübt? Warum überhaupt sind die Medienexperten der Frauen nie auf die Idee gekommen unter dem Motto "schönste Seite" mal eine vernünftige Internetpräsenz einzurichten? Und dann das Paradox: Wollten wir die schönste Seite doch seit April loswerden fragen wir uns nun: gehört sie nicht "uns"? Zugegeben: "Seine" schönste Seite passt hier wie die Faust aufs Auge. Denn warum sollten nicht auch die Fußballmänner mal auf ihre Attraktivität hin betrachtet werden (mal ehrlich: über das Begehrensverhältnis der männlichen Zuschauer zu ihren Idolen auf dem Rasen wäre noch das ein oder andere aufzuarbeiten)? Wenn im Hintergrund dieser Aussage eine seriöse Internetpräsenz als Informationsplattform für Südafrika steht, nimmt man die schönste Seite als Augenzwinkern wahr. Bei den Frauen hingegen schien hinter der Miss Fußball – Wahl nicht mehr viel zu bleiben. Doch um diese Fragen scheint es plötzlich gar nicht mehr zu gehen. Viel virulenter wird plötzlich die Frage: wem gehört "die schönste Seite"? Trotz der Ablehnung: gehört dieses Motto nicht zur WM 2011? Dürfen uns "die Männer" die schönste Seite einfach wegnehmen? Dabei wollen wir das Motto doch eigentlich loswerden. Kann man hier – um drei Ecken gedacht – von einer perfiden Strategie des OK-Teams ausgehen, die uns die schönste Seite aufdrücken möchten, indem sie uns befürchten lassen, dass wir sie verlieren?

Diesen gordischen Knoten muss man zerschlagen: Die Fußballmänner können die schöne Seite gerne haben, aber wir möchten dafür etwas Besseres! Und was Besseres wäre eindeutig, dass wir uns die "Frauen" vor Fußball WM in Zukunft sparen müssen. Wir werden einfach nur noch von Fußball-WM sprechen und jeder wird wissen, was gemeint ist.

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