Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Samstag, 17. Oktober 2009

My b/log has something to tell you about... es bedeutet irgendwas, aber ich weiß nicht was.

Der FFC Frankfurt hat Trainer Günter Wegmann am 14.Oktober entlassen.

Eine Nachricht, die niemanden heutzutage mehr groß umhaut. Trainerentlassungen sind im Profifußball schließlich an der Tagesordnung. Rät man drei Vereine aus der Bundesliga ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass bei einem Hans Meier der alte oder neue Trainer ist.

Es handelt sich bei der aktuellen Entlassung, so möchte man meinen, eindeutig um eine Kausalkette: Bevor Wegmann nach Frankfurt kam, war Frankfurt die uneingeschränkte Königin des deutschen Frauenfußballs; mit Wegmann spielte man die erste Saison (im Vergleich) mieserabel und es gelang nur der 4. Platz inklusive des Verpassens der neuen Champions League; am 4. Spieltag der neuen Saison sieht es nicht besser aus, dazu stehen wichtige Spiele in den KO-Runden an PLUS die Stimmung zwischen Trainer und Mannschaft stimmen laut Siegfried Dietrich nicht mehr; Ergo: Entlassung des Trainers in der Hoffnung durch die Zäsur eine irgendwie geartete Kehrtwende einzuleiten.

Klingt logisch, oder?

Trotzdem ist die Entlassung von Wegmann ein Ereignis. Und zwar im guten alten Heidegger`schen Sinne, dass es sich nicht unter Allgemeinbegriffen fassen lässt, aber konstitutiv ist für das Sein. Die Entlassung hat etwas grundlegendes im Frauenfußball verändert. Was das ist, weiß ich nicht. Im Profifußball sind regelmäßige Trainerentlassungen schließlich bereits unverzichtbarer Teil des Showgeschäfts. Läuft es auf dem Platz nicht gut, muss der Trainer gehen. Im Frauenfußball sind Trainerentlassungen dagegen (noch) rar gesät. Deshalb muss die Frage lauten: ist die Entlassung von Wegmann ein sichtbar gemachter Schritt des Frauenfußballs Richtung Professionalisierung? Dass es am Ort liegt ist wohl eher abwegig (Eintracht Frankfurt hält den Rekord an Trainerentlassungen). Man kann aber wahrscheinlich davon ausgehen, dass es noch nicht so viele Entlassungen im Frauenfußball gegeben hat, weil vielen Vereinen schlicht die Mittel fehlen den Trainer auszubezahlen. Frankfurt setzt ein erstes Zeichen, nicht nur in Sachen Personalpolitik, sondern auch im noch jungen Feld der Namenpolitik. Dass es Spielerinnen mit bekanntem Namen geben muss, ist für die Topclubs mittlerweile klar. Jetzt geht der Trend wohl auch auf die Trainer über. Das führt vielleicht sogar bald dazu, dass die arbeitslosen Namensträger aus dem Herrenbereich nach den vakanten Stellen im Frauenfußball lechzen. Lothar Matthäus hat ja nach der Absage von Berlin im nächsten Jahr noch eine Menge freie Termine im Kalender.

Warum Siegfried Dietrich erst jetzt darauf gekommen ist, dass es mit der Chemie zwischen Trainer und Mannschaft nicht mehr gestimmt hat, spricht entweder von seiner Nähe zum Trainingsgeschehen oder von einer guten Kenntnis der gängigen Entlassungsplatitüden. Der Scheingrund des mangelnden Erfolges kommt dabei vor dem Befinden der Spielerinnen. Mit Erfolg und trotz mieser Stimmung - wäre Wegmann dann noch Trainer?

Dass der Trend des “Hire and Fire” eigentlich gar nichts bringt, hält viele Funktionäre nicht davon ab sich dem Aktion-Reaktion Prinzip zu unterwerfen, damit ihnen die Sponsoren nicht weglaufen.
Zitat: "Der Rauswurf eines Cheftrainers werfe immer aber auch ein Schatten auf die Vereinsführung. «Eine Trainerentlassung ist auch ein Eingeständnis dessen, dass man selbst nicht alles richtig gemacht hat», sagte Schindelmeiser. In der Regel könne man den Misserfolg nicht allein dem Coach anlasten, «aber man glaubt, durch den Wechsel am ehesten eine Veränderung herbeiführen zu können»."

Die nächsten Spiele werden zeigen, ob Wegmanns Weggang ein Segen oder die Traufe für den FFC sein werden. Die Entlassung bedeutet irgendetwas; aber ich weiß nicht was.

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