Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Donnerstag, 14. März 2013

My B/log has something to tell you about... Wie klebrig sind Torlinie und rote Pappe?

   
Nach der Niederlage im Finale des Algarve Cups gegen die USA geht es um Klebstoff. Woher kam der Super Strong Sekundenkleber? Wer war es, der die schnelltrocknenden Tropfen an die rote Karte und in das Tor von Almuth Schult schmierte? Jedenfalls blieben die bunten Pappen in der Tasche und Schult auf der Torlinie - mehrmals zuviel und spielentscheidend. Die Kombination besiegelte die Niederlage des ansonsten stark auftretenden deutschen Teams. Hat Silvia Neid das Aufstellungs-Bingo gegen sich selbst schon gewonnen? Die Aufstellung vom Finale scheint ein vielversprechendes Fundament, auf dem man gut Aufbauen kann. Nur Nadine Angerer wird wohl in naher und ferner Zukunft ihres Stammplatzes sicher sein - es sei denn Ursula Holl verkündet überraschend ihr Comeback. Und hoffentlich muss während der EM kein Unmut über zaghaft auftretende Schiedsrichterinnen aufkommen. Wir empfehlen Alkohol und Terpentinersatz.

Montag, 11. März 2013

Coaching Zone: Deutschland - Norwegen (Algarve Cup)


Mit dem dritten Spiel des deutschen Teams steigt das Projekt Spielfeldschnitte in den Argarve Cup ein: Es ist so still im Stadion, dass der Kommentator sich seine Stichworte von Nadine Angerer geben lassen kann und für uns eine schöne Gelegenheit, den Frühjahrswettbewerb als das zu nehmen, was er sein soll: Kein Turnier für Glamour und Erregung, sondern eine Diskussionsplattform für Technik und Taktik.
All in all wirkte das Spielgeschehen in der ersten Halbzeit ein wenig wie klebriger Hefeteig und zumindest im Gegensatz zu den kurzen Einblendungen aus der Partie Japan gegen Dänemark geradezu langsam. Die Norwegerinnen konnten zwar wenige eigene kreative Momente entwickeln, waren aber konsequent im Zustellen der Räume und energisch im Pressing gegen die Ballführenden. Die deutschen Spielerinnen ließen sich viel zu häufig von dieser Spielweise einwickeln: Viele Ballverluste waren die Folge, weil diese nach Annahme nicht schnell genug weitergeleitet wurden oder werden konnte, weil viel zu häufig die Anspielstationen fehlen. Ein grundsätzliches Problem dieses Teams, auf das immer noch die Antwort des hohen, in Richtung Mittag oder Mbabi geschlagenen Balls folgte (der eigentlich nie etwas bringt). Vielleicht lässt sich hier ein Problem der zu statisch interpretierter Positionen ausmachen – zumindest wunderte man sich viel zu häufig über zu große Lücken zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen bzw. dann wieder über Spielerinnenanhäufungen auf zu engem Raum, aus dem man sich nicht mehr befreien konnte. Viel zu selten interpretierten die Außenverteidigerinnen ihre Rolle offensiv – und kaum taten sie dies, kam es zu den Highlights des Spiels: so z.B. in der 35 Minute ein durch Leonie Maier laufstark eingeleiteter Angriff, der durch Mittag technisch brilliant weiter geführt und erst durch Marozsan vergeben wurde. Peter zeigte hier zu Beginn der ersten Halbzeit mehr, zog sich dann jedoch ebenfalls zurück. Zu selten aber war das Team allerdings bei ihren Vorstößen überhaupt nachgerückt. Ein Beispiel dafür die 63 Minute: Nach wunderschönem Pass von Mbabi in den freien Raum vor dem Tor bei hoch stehender Abwehrlinie setzte Peter nach, fand sich jedoch – einmal den Ball am Fuß – alleine vier norwegischen Abwehrspielerinnen gegenüber. Wir fragen uns, ob die unzähligen Brechstangenversuche durchs Mittelfeld vor allem in Durchgangs eins eine taktische Anweisung war, deren Sinn und Zweck uns unklar blieb, oder Ausdruck einer Hilflosigkeit aus mangelnder Eingespieltheit und Vertrauen innerhalb der Mannschaft. Irgendwie scheint das deutsche Team befangen in einer Unentschlossenheit, ob sie als Teamverband operieren oder auf Einzelspielerinnen wie Mbabi setzen wollen, die sehr umtriebig war, leider jedoch viel zu oft alleingelassen. Diesem Engagement war zu gönnen, dass sie das 1 : 0 verwandelte; ein Tor, dass dem Spielgeschehen insgesamt gut tat, wenngleich die deutsche Mannschaft gegen die nun aktiveren Norwegerinnen immer wieder unsicher wirkte (Angerer inklusive). Ein schöner Akzent war die Auswechslung von Verena Faißt, die sich selten durchsetzen konnte und kaum etwas zum Spielfluss beitragen konnte, gegen Melanie Behringer. Nach einer längeren Phase des Zitterns und Zauderns dann mehrere schöne Kombinationen nach vorne, aus denen auch das 2 : 0 durch Kessler kurz vor Schluss hervorging und die eine Idee davon gaben, auf welche Weise das deutsche Team Fußball in Zukunft interpretieren könnte und auch müsste.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Coaching Zone: Frankreich - Deutschland

    
Die ersten Partien des deutschen Nationalteams im Jahr 2013 klingen vielversprechend. Freundschaftsspiel gegen Frankreich, Algarve Cup, Freundschaftsspiel gegen die USA. Nach der unverhofft langen Turnierpause fühlt sich jedes Spiel an wie eine K.O. Runde.

Nun also die erste Etappe. Frankreich, ein Team, das man seit den letzten fünf Jahren weit mit oben auf dem Zettel haben muss. Parallel mit der Entwicklung der französischen Liga hat sich auch das Nationalteam gut aufgestellt, zentriert um Louisa Necib, die kreative Schaltstelle. Frankreich darf mit Recht zu den Topfavoritinnen bei der EM 2013 gezählt werden.

In Straßburg beginnt die Partie temporeich und in der 12. Minute kann Bianca Schmidt nach einer Kombination nach Lehrbuch die Führung erzielen. Die Antwort des gut organisierten französischen Teams lässt nicht lange auf sich warten: drei Minuten später zeigt Necib ihre Klasse mit einem Schuss von halbrechts über Almuth Schult - perfekte Technik! Erstmal durchatmen nach diesem Anfang und dem tollen Tempo auf Augenhöhe.

Donnerstag, 7. Februar 2013

My B/log has something to tell you about... Letztens war der „Ball des Sports“ – der Johannes war mit der Britta da und die Steffi mit der Nicole oder: Outing mit BILD

 
Zum dritten Mal ziert eine deutsche Fußballerin das Titelblatt der BILD: Das haben vor Steffi Jones nur Nadine Angerer und Uschi Holl geschafft.* Ganz dunkel erinnern wir uns vielleicht, es gab da auch mal Fatmire Bajramaj und Anja Mittag mit schwarz-rot-goldenen Fingernägeln, aber davon will heute keiner mehr was wissen (zumindest nicht bei BILD), denn immerhin spielte die Lira bei der letzten WM trotz Nationen-Darling-Image halt leider richtig schlecht (oder gar nicht) – und wer ist schon Anja Mittag? Um aber doch dran zu bleiben an diesen Fußballerinnen, die trotz No-Money-Politik irgendwie immer noch Fußball spielen hat BILD eine neue Strategie ersonnen: Your own not so private Outing sponsored by BILD:

"Unsere Fußball-Kaiserin Steffi Jones (40) zeigt uns ihre große Liebe - es ist eine Frau!"

Oder: Es ist eine Titelseite!

Zwei Dinge sind an der Berichterstattung, die der BILD Titelseite folgte, bemerkenswert:
1.) Da es dann doch irgendwie gar nicht mehr so wahnsinnig bemerkenswert ist, wird wieder mal viel über die männlichen Fußballer gesprochen. Ob sie’s sollen oder wollen, können oder dürfen. Müssen oder lassen müssen.
2.) Die Berichterstattung war einheitlich: Tolerant, respektvoll, freudig, überrascht – huch!?! Ach, Steffi, wie schön, wir setzen dich und Nicole gleich in ein Herzchenpasspartout. Denn es ist ja alles so herrlich.

Dienstag, 29. Januar 2013

My B/log has something to tell you about... Optik, Normalität und den schönsten Fußballer


"Vorbei sind die Zeiten, in denen Frauen, die über Fußball berichteten, belächelt wurden", so eröffnet der Artikel über Reporterinnen im Männerfußball (FAS, 27.2.13). Tatsächlich scheint sich beim Hauptversorger für Fußballübertragungen Sky einiges zu tun. Seit dieser Saison moderiert und interviewt das Trio Ruth Hofmann, Esther Sedlaczek und Laura Wontorra bei den Montagsspielen der 2. Bundesliga. Die Gewinnerin des Sky Moderatorinnen-Castings Christina Graf wird Anfang Februar die Begegnung Regensburg - Hertha BSC in der 2. Liga kommentieren.

Ob auf längere Sicht eine Beförderung in die erste Spielklasse ansteht? Klar ist, Fußballberichtserstattung bleibt vorerst eine Männerdomäne, insbesondere während den 90 Minuten. Die langsam erweiterten Ausnahmen bestätigen die Regel. Lässt sich das Engagement des Pay-TV-Senders Sky von zwei Seiten betrachten? "Natürlich spielt die Optik eine Rolle, aber in erster Linie kommt es auf die Kompetenz an", so Ralph Fürther, Chef der Produkt- und Programmkommunikation. Interessante Reihenfolge. Weiterer Grund für die Aufstockung des weiblichen Personals: "weil sich immer mehr Frauen für die Sportart interessieren." Diese Argumentation kommt dann doch etwas gewollt daher. Mag sein, dass es Frauen gibt, die sich lieber ein von Frauen moderiertes Fußballspiel anschauen. Für begeisterte Fußballschauende (Frauen wie Männer) sollte es allerdings keinen Unterschied machen ob ein Mann oder eine Frau am Mikrophon oder vor der Kamera steht. Monica Lierhaus bringt es im Interview in derselben Ausgabe der FAS auf den Punkt: "Es kommt auf die Qualität an, nicht auf das Geschlecht." Interessante Reihenfolge!

Dienstag, 8. Januar 2013

Ecke des Monats: Abby Wambach ist größer als Messi und Blatter!

   
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Manche noch so bekannten Fakten gehören wiederholt erwähnt.


"Is there a bigger being walking with all the stars within?"
(The Log Lady, Twin Peaks)

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Ecke des Monats: Spende statt Geschenke!


Das Frauen-Team von BSV Al-Dersimspor e.V. hat nicht nur das 1. öffentliche Frauenfußballspiel in einem iranischen Stadion seit der Revolution 1979 ermöglicht und darüber den tollen Film Football Under Cover gedreht - gutes Weihnachtsgeschenk! -, sie haben auch das tolle Projekt Discover Football ins Leben gerufen. Darin engagieren sie sich für weitere Begegnungen über nationale, politische und kulturelle Grenzen hinaus. Um 2013 in Berlin ein Turnier zwischen Frauenfußballteams aus allen möglichen Ländern zu realisieren haben die Initiatorinnen von Discover Football jetzt eine Weihnachtsaktion gestartet und suchen Spenden.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Coaching Zone: USA - Deutschland

   
Deutschland spielt gegen die USA. Eine "wichtige Standortbestimmung" spricht Doris Fitschen. Standort könnte heißen: am Samstag um 16:30 in Chicago im Rahmen der - Obacht - "Fan Tribute Tour, presented by Panasonic". Könnte aber auch heißen: am Sonntag um 1:00 in Frankfurt im Rahmen der - Obacht - "Schon-etwas-angetrunken-und-eigentlich-zu-müde Tour, presented by Sicilia Bianco". Bestimmung könnte heißen: Wir sind Vizeweltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen, was seid ihr eigentlich? Könnte aber auch heißen: Wir gewinnen mindestens 5, wenn nicht sogar 10 zu Null und wollen mal schauen ob das stimmt, oder ob das an den anderen liegt.

Panasonic sponsort, da sollten die Innovations greifbar herumliegen. Die Aufstellungen: USA: Solo - Mitts, Rampone, Buehler, O Hara - Rapinoe, Boxx, Cheney, Heath - Morgan, Wambach. Deutschland: Angerer – Schmidt, Krahn, Bartusiak, Peter – Odebrecht, Laudehr – Bresonik, Marozsan, Behringer – Mittag. Okay, also, Innovationen eher überblickbar. Ist vielleicht auch ganz gut so mitten in der Nacht.

Und es geht schnell. In der 2. Minute verliert Bianca Schmidt ziemlich unnötig den Ball in der eigenen Hälfte, Annike Krahn attackiert die ballführende Alex Morgan quasi gar nicht und Saskia Bartusiak steht zu weit entfernt von Abby Wambach (Nochmal: zu weit weg von Abby Wambach). 1-0. Anders gesagt: das Nationalteam früh düpiert. Das Spiel dreht sich hin und her und in der 14. Minute kommt es "wie aus dem Nichts" (Claudia Neumann) und Anja Mittag läuft, läuft, läuft noch etwas und schießt ein wirklich schönes Tor. Ausgleich. Also, vielleicht jetzt einfach nochmal von vorne: Was können diese beiden Teams? Es scheint ein vorsichtiges Abtasten zu sein (Phrasenschwein), und in dem Moment des Schreibens fällt mir auf, dass ich das nur schreibe, weil ich das sehr lange nicht mehr gesehen habe. Ich habe mich vorher gefragt, warum solche Freundschaftsspiele, warum sollte ich so lange aufbleiben um mir das anzuschauen? Aber ich sehe seit langer Zeit mal wieder die Mittelfeldspielerinnen in einer Bewegung, die nicht nur Offensive bedeutet, sondern Raumdeckung und Stellungspiel. Und damit insgesamt ein Spiel, in dem Offensive und Defensive sich vermischen und gegenseitig bedingen.

Mittwoch, 19. September 2012

Coaching Zone: Deutschland - Türkei

Sooooo,

wenn Sky gerade nach den nächsten Langhaar-Frontfrauen des Fußballkommentatorentums sucht, die ihren Gesprächspartnern (ohne Binnen-I oder Gender Gap) nicht zuhören und am besten noch niemals im Stadion waren, dann nutzen wir dieses Spiel doch mal zum Lackieren unserer Nägel. Vielleicht wird’s ja noch was mit der Karriere.

ANGERER, SCHMIDT, GÖSSLING, BARTUSIAK, PETER, ODEBRECHT, LAUDEHR, BAJRAMAJ, BEHRINGER, MITTAG UND DAMBABI – so schallt es derweil blechern aus dem Öffentlich-Rechtlichen, die nicht an unserer Umfrage teilnehmen konnten, weil sie nicht zu den 100 Gästen des letzten Frauenfußballfestes in Kasachstan gehörten. Heute nun aber wieder. Es sind ja auch immerhin 8000 andere da.

Um was wird nun gespielt? Um die Fahrkarte zur EM? Um mehr als fünf Tore? Um mehr Zuschauer? Um den eigenen Platz im Team?
Auf dem Platz steht eigentlich ein Deluxe-Team. Erstmal Zustimmung. Immerhin steht Linda Bresonik auch am Kommentatorentischchen, Inka Grings wurde gerade verabschiedet, Kim Kuligs Knie muss sich erst noch an die Atmosphäre gewöhnen und wann steht Martina Müller schon mal in der Startformation? Nur um Alexandra Popp kann es einem ein bisschen Weh werden.
Aber während ich dies schreibe, trifft Okoyino (15 Min.) zum 1 : 0. Was soll man da noch sagen? Ist halt schon ne Granate, die Celia. Und Fußballerin des Jahres.