Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Mittwoch, 20. Juli 2011

Zu(sammen)schauen: Impressionen aus drei Wochen Fußball, Kunst und Kultur in Hamburg

"All that we see in this world is based on someone's ideas.  Some ideas are destructive, some are constructive.  Some ideas can arrive in the form of a dream.  I can say it again: some ideas arrive in the form of a dream." (The Log Lady - Twin Peaks)

Sonntag, 17. Juli 2011

Coaching Zone: Bibiana Steinhaus - Japanusa

Die Coaching Zone vom 9. Juli sollte vorerst die letzte sein. Unser Format für die Analyse der 90 Minuten auf dem Platz nahm mit dem Ausscheiden des deutschen Teams ein vorläufiges Ende. Doch mit Bibiana Steinhaus wird auch eine Deutsche das Finale (mit)bestreiten. Für die Schiedsrichter_innen ist ein Turnier wie eine Weltmeisterschaft ein ebenso großes sportliches Event, wie für die restlichen Protagonist_innen. Sie zeigen ihre Leistung an der Pfeife, wer den schnellsten und genausten Blick hat, wer am längsten am nahesten am Spielgeschehen dran ist und sich am wenigsten vom Ball umschießen lässt. Letztendlich bestimmen sie maßgeblich mit, wie sich ein Spiel entwickeln kann - dazu zählt, wie oft das Spiel unterbrochen wird, wie der Spielfluß sich dadurch verändert, welche Art von Agressionen aufgebaut oder abgebaut werden. Noch viel mehr zählt dazu, ob das Handspiel im Strafraum gesehen wird, ob ein gehaltener Elfmeter wiederholt wird, ob es gelbe Karten regnet oder sie in der Kabine vergessen wurden. Einige Schiedsrichterinnen dieser WM haben dafür gesorgt, dass die Leistung der Rechtsinstanz bei diesem Turnier generell als unterirdisch angesehen wurde. Bibiana Steinhaus ist da sicherlich eine der nicht so wenigen Ausnahmen, zur Belohnung darf sie das Finale pfeifen. Zusammen mit Marina Wozniak und Katrin Rafalski an den Seitenlinien.
Ein lesenswertes Interview mit Bibiana Steinhaus gibt es bei der Welt.

Samstag, 16. Juli 2011

My B/log has something to tell you about: Bomm Pass Tor (doch nicht)

   
Das Spiel um Platz Drei bei großen Turnieren scheint oftmals zum Stiefkind zu verkommen. Möchte wirklich jemand noch sehen, wer sich die Bronzemedaille holt? Natze und Smisi wollten es so sehr sehen, dass sie sich schnell komplett unter einer schwedischen Fahne versteckten. Man muss den beiden Teams auch zugestehen, dass sie beide über das Turnier hinweg sehr schönen Fußball gespielt haben. Warum also nicht eine Ehrenrunde?

Donnerstag, 14. Juli 2011

Ankündigung: Tauschbörse im Hamburger Gängeviertel

 


Tauschbörse am Sonntag, 17.7. ab 18 Uhr im Gängeviertel, Speckstrasse 85, Hamburg. Danach: FINALE!

My B/log has something to tell you about: David gegen Goliath

   
Zwei schöne und spannende Halbfinalspiele konnte man gestern genießen. Frankreich spielerisch das bessere Team unterlag der kämpferischen Leistung der Amerikanerinnen. Wunder Punkt bei den Französinnen: Die Außenverteidigerinnen und Torfrau Sapowicz sahen bei den Toren und in vielen anderen Szenen nicht gut aus. Der zwischenzeitliche Ausgleich nach der Halbzeitpause (Hannelore Kraft kam kurz vor dem Halbzeitpfiff pünktlich für die Schnittchen) durch eine glückliche Flanke von Bompastor, die zum gefährlichen Torschuss wurde, machte die Partie nochmal spannend. Aber Abby "The Iron Head" Wambach wiederholte, was auch schon gegen Brasilien funktionierte und Alex Morgan machte den Sack zu. Entraineur und Chanteur Bini knabberte sich daraufhin die komplette Hand ab. Traurig für ihn und die über weite Strecken besseren Französinnen.

Zwischen den Spielen spricht Silvia Neid und sagt, dass sie weiter macht. Alle titeln schnell: "Neid bleibt Bundestrainerin." Ach nee. Hat da wirklich jemand dran gezweifelt? Da müsste schon Theo Zwanziger aufhören, bevor das geschehen könnte. Außerdem sagt sie, dass Bernd Schröder einen Ehrenkodex verletzt habe. Wir würden ja gern mal wissen, was dieser Ehrenkodex alles so beinhaltet. Jedenfalls reagiert Schröder gelassen wie immer und spricht über eine gesunde Streitkultur. Da können wir auch nichts gegen haben, aber vielleicht hier eine Anregung: Silv und Bernd, trefft euch doch einfach mal zu nem Essen, vielleicht will der Siggi ja auch dazu kommen. Diskussionen ohne die Stille Post der (Boulevard)Blätter kann manchmal ganz gut tun. (Wir sind auf jeden Fall etwas müde von den ganzen Schlagzeilen. Hier wird grad noch eine WM gespielt. Fußball, vergessen?)

Mittwoch, 13. Juli 2011

My B/log has something to tell you about... Let’s talk Frankreich, Japan, Schweden, USA

    
In den weiten Feldern der engen Spitzengruppe haben sich vier Teams gefunden, die am Mittwoch Abend um den Einzug ins Finale kämpfen werden. Kaum sind die nationalistischen Tränen getrocknet und analysiert, sollte man den Blick werfen auf diese vier Frauenfußballnationen, von der keine zu Unrecht an diesem Punkt steht und die uns sicherlich noch drei fantastische Spieltage präsentieren werden.

Allez les bleus.
Erinnern wir uns an das entscheidende Match: England gegen Frankreich. Beide Teams überzeugten durch laufstarkes Pressing, was im Mittelfeld lange Zeit für wechselseitige Neutralisierung führte; während England allerdings auf die immer unverständlichere Strategie setzte, die einzige Sturmspitze durch hohe, weite Bälle zu erreichen, erwiesen sich die Französinnen als das spielerisch stärkere Team, die ihre Konter durch präzises Flachpassspiel einleiteten. Auch nach dem Rückstand gegen England war auffällig, wie lange die Französinnen an ihrem Kombinationsspiel festhielten und das Problem spielerisch zu lösen trachteten. Neben Japan erwies sich Frankreich so von Beginn der WM an als eine der kreativsten Mannschaften, die selbst in Unterzahl gegen Deutschland nicht wirkten, als stünden sie nur zu zehnt auf dem Platz. Ihre Kopfballstärken wird nach diesem Match vermutlich auch niemand mehr bezweifeln. Allerdings fehlt es den Französinnen ein wenig an Durchschlagskraft und Abgebrühtheit im Abschluss, die sie für den weiteren Turnierverlauf wirklich brauchen würden.

Dienstag, 12. Juli 2011

My B/log has something to tell you about: Vergesst nicht, was war und was kommt

    
Dass das deutsche Team so frühzeitig aus dem Turnier ausgeschieden ist, ist eine mittlere Katastrophe. Für die Spielerinnen, das Team hinter dem Team, für die Fans. Aber vor allem für die Presse. Schon Wochen vor der WM glichen die medialen Eruptionen teilweise an den Haaren herbeigezogenen oder überstrapazierten Themen. Lira Bajramaj wurde bis in die Haarspitzen beschrieben, beschaut und dokumentiert, bis auch wirkliche jede_r alles wusste, gesehen hatte, es beinahe schon leid war. Die Hetzjagd auf Birgit Prinz schien dem hilf- und kompromisslose Wühlen nach den Themen die Krone aufzusetzen. Nun geht in der letzten WM-Woche die Furcht um, es habe sich ausgewühlt. Wenige wollen anscheinend einfach über den schönen Fußball schreiben, den die vier letzten Teams spielten und spielen werden.

Das Thema dieser Woche, das ausgetreten werden soll wie ein lascher Teig bis das Finale sich nicht mehr allzu fern anfühlt, ist also Silvia Neid. Gretchenfragen, Gewissensfragen, Existenzfragen. Was fühlen Sie, Frau Neid? Haben Sie ein schlechtes Gewissen, Frau Neid? Was werfen Sie sich vor, Frau Neid? Wie wird es weiter gehen, Frau Neid?

Montag, 11. Juli 2011

Zerplatzt... ein Mixtape zur Kompensation




WM Telegramm No°10

    
Dieses Viertelfinal-Wochenende ließ einem wahrlich keine Atempause. Da das Ausscheiden des deutschen Teams zunächst alles andere überschattete, soll jetzt doch kurz nochmal der Blick zurück geworfen werden. "Dieses Spiel bietet einfach alles!" überschlug sich gestern Tom Bartels während der letzten Begegnung Brasilien - USA. Ground control to Major Tom: Diese ganzen Spiele boten alles!

Fulminant ging es schon bei der ersten Partie England - Frankreich zu. Die über weite Strecken aktiveren Französinnen mussten fast dreißig Minuten gegen einen Rückstand anlaufen - bis in der 88. Minute mit dem Ausgleich die Erlösung kam. Über die Verlängerung braucht man nicht viel zu sagen. Ach doch, eine Sache: Beeindruckend, wie Kelly Smith, nachdem sie schon gen Ende der regulären Spielzeit angeschlagen über den Platz humpelte, in der Verlängerung sich aufopferungsvoll einbeinig in jeden annahenden Ball warf, lässig im kurzen Anlauf gleich den ersten Elfmeter für England verwandelte. Noch dazu hielt die englische Torhüterin Bardsley den ersten der Französinnen - ideale Ausgangssituation für England. Rafferty und Faye White sahen das wohl anders und schossen rechts vorbei, bzw. an die Latte. Der gefürchtete englische Zielwasser-Mangel. Oder Angst vor dem Traditionsbruch? England mal wieder im Viertelfinale nach Elfmeterschießen ausgeschieden.

Nach diesem spannenden Spiel sogleich der Anpfiff zum nächsten, obwohl dafür nun wirklich noch niemand bereit war. Ist zuviel Fußball am Stück ungesund? Sicherlich wenn zu lange am Stück zu wenig aufs Tor geschossen wird. Nach 120. Minuten war es dann vorbei mit dem Fußballtag und Nadine Angerer twitterte mal wieder passend wie der Vogel im Baum: "Danke danke danke an alle Fans!!! Ihr wart großartig... Ich bin leer!!" Mehr können und wollen wir dazu auch nicht mehr sagen.

Sonntag, 10. Juli 2011

Gastspiel: Marta! Marta! Marta!

         
Ein kleiner Bericht von der Aussenlinie, nachdem Jones im Juni 2011 einen Monat in Brasilien verbrachte und dort ein Stimmungsbild zum Frauenfußball einfangen wollte. Die Interviews wurden ausschließlich auf portugiesisch geführt. Befragt wurden Menschen unterschiedlichen Hintergrunds und Alters in den Städten Natal und São Paulo, die sie zufällig auf der Strasse getroffen hatte.

Brasilianer_innen nach Fussball zu befragen mag etwas überflüssig klingen. Ist Brasilien nicht Fußball? Was bleibt da noch zu fragen übrig? Ich würde hier gerne einwerfen, dass ich voller Klischees stecke – jedoch gemessen an den Erfahrungen durch Unterhaltungen mit verschiedensten Brasilianer_innen, stecken diese noch viel tiefer in den eigenen Klischees. Vorerst zumindest.

Die Frage, ob sie Fußball mögen, wirkt fast als Affront – ist das nicht endlich mal geklärt, durch die Globalisierung in die Welt getragen, dass der Brasilianer über das “mögen” des Fußballs nicht mehr entscheidet, sondern das längst für ihn entschieden wurde?! Lediglich ein Mensch wies mich ab mit den Worten “nee, interessiert mich nicht so, ich hab da keine Ahnung von”. Sobald ein Mann im Raum ist, gibt die Frau das Wort an ihn ab – Fußball schaue sie schon gerne, aber Ahnung darüber habe doch eher der Mann.