Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Freitag, 22. Mai 2009

Die Ecke des Monats


"Watch - and see what life teaches." (The Log Lady)

(Quelle: Sicks, Kai und Markus Stauff (Hgg.): "Mediensport - Strategien der Grenzziehung". Wilhelm FInk Verlag 2009.)

Montag, 18. Mai 2009

denk.anstoß: das war's dann heute mit Fußball

Der Uefa-Cup ist bekanntlich ein großer europäischer Wettbewerb, dem viel Aufmerksamkeit zuteil wird. So nicht im Frauenfußball. Obwohl der Uefa-Cup hier sogar der höchste europäische Wettbewerb ist, kämpft man mit niedrigen Zuschauerzahlen, sperrigem Hin- und Rückspiel (nicht ein Spiel!) und schlechten Übertragungszeiten. Das ist im Frauenfußball zwar nichts neues, trotzdem darf man sich langsam fragen, ob sich nicht eine behindernde Differenz zwischen der Entwicklung des öffentlichen Interesses am Frauenfußball und seiner Repräsentation in den Medien einschleicht. Dass sich das Interesse am Frauenfußball deutlich vergrößert hat, erkennt man an der wachsenden Zahl Fußball spielender Mädchen und Frauen und denjenigen, die ihnen dabei Zuschauen (bis hin zu neuerdings Stadien füllende Topspielen). Aber auch die Vorgänge hinter den Kulissen lassen ahnen, dass es im Frauenfußball nicht mehr nur um Kaffeeservices geht: das Tauziehen um Nachwuchstalent Kim Kulig und die einhergehende Diskussion um die Doppelrolle von Siegfried Dietrich (Spielerberater/Manager) erzählen vielleicht am Rande von dem leise eingeschlagenen Weg ins “Geschäft Frauenfußball”.

In Vorbereitung einer WM im eigenen Lande mag das wachsende Interesse nicht verwundern. Umso mehr darf es dann aber die Diskrepanz, mit der dieses Interesse von den Medien bedient, durch die Medien unterstützt und weiterentwickelt wird. Das Spiel vom FCR Duisburg gegen den russischen Meister Perm kann dafür gut Beispiel stehen: die um 17:30 Uhr versammelten Frauenfußballfans mussten sich bis zum Spielanpfiff des Uefa-Cup Finales noch eine geschlagene Viertelstunde männerdominierte Werbung ansehen. Warum die Übertragung des Spiels nicht einfach auf die richtige Zeit angekündigt war, bleibt ein Rätsel. Genauso rätselhaft die Ankündigung des Eurogoals Moderators um 17:36, der sich verabschiedete mit: “Das war´s dann heute mit Fußball...” und die kurze Angst der Frauenfußballfans, dass die Übertragung mal wieder verlegt wurde oder ganz ausfällt.

Eurosport übertrug dann aber doch und zwar überpünktlich zum Anpfiff, die Halbzeit wurde mit Werbung perfekt ausgefüllt und der Schlusspfiff leitete das Abendprogramm ein. Keine Berichte, nur schlichter Kommentar auf Bild in Realzeit. Ob man sich damit als Zuschauer vernachlässigt fühlt, oder es als Erleichterung betrachtet, ist wahrscheinlich Geschmacksache. Doch dürfte das Interesse des Publikums hier doch eigentlich über das Spiel hinaus gehen. Und selbst wenn es dafür jetzt keine Studie und keinen Quotenbeweis gibt: die Berichterstattung rund um die Live-Übertragung herum gestaltet das Ereignis nicht nur mit, sie konstituiert sie sogar als Spektakel, als Ereignis über das eigentliche Spiel hinaus (Netzer/Delling und Kerner/Kahn stehen als das Sinnbild für die identifizierende Berichtserstattung). Eurosport dagegen verzichtete auf alles abseits den 90 Minuten (die Gründe können nur erraten werden: so wenig Frauenfußball wie möglich, mehr als ein Moderator war zu teuer, man wollte kein Kamerateam nach Russland schicken etc.) und verkannte dann auch noch das Publikum: der Kommentator des Spiels schien streckenweise vorgeschriebene Texte vorzulesen und verpasste dabei wichtige Szenen des Spiels. Seine Ausführungen über den Frauenfußball gegen Ende des Spiels sprachen eher zu dem Frauenfußball-laien, von denen wahrscheinlich eher wenige das Spiel verfolgten.

Bei dieser Analyse soll eines noch schnell eingeschoben werden. Hier soll keine Weiterführung des Gejammeres über die niedrige und unprofessionelle Repräsentanz des Frauenfußball in den Medien betrieben werden. Vielmehr soll ein Erstaunen darüber geäußert werden, dass so wenig die Chance ergriffen wird, die Komponenten einer Medienlandschaft rund um den Frauenfußball mitzugestalten. So könnte etwa Eurosport mit jeweils 10 Minuten Berichtserstattung vor, in der Hälfte und nach dem Spiel die Kommentatorin Eva Musterfrau nicht nur als kompetente Journalistin, sondern auch als ein Gesicht der Berichtserstattung zur WM 2011 etablieren. Dazu wäre die politische Implikation viel weitreichender: eine weibliche Stimme im Sportjournalismus mehr, differenziertere Recherche (allein durch mehrere Betrachterstandpunkte) und vielleicht mal nicht immer die selben Gesichter bei Sportgroßevents (Kerner, Beckmann etc...). Ob Eva Musterfrau bei der WM 2011 überhaupt noch auf den Bildschirmen erscheinen wird, ist eine andere Frage. Aber eigentlich müssten neue Gesichter jetzt eingeführt werden, bei Frauenfußball-Topspielen im Jahr 2009. Eurosport scheint zur Zeit diese Chance der Mitgestaltungsmöglichkeit noch nicht zu sehen. Wir hoffen das wird sich noch ändern.

Samstag, 16. Mai 2009

My B/log has something to tell you about... Fußballfrauen ziehen (sich) um

Es gäbe sicherlich den ein oder anderen Haken, an dem ein kleiner gedanklicher Nachhänger zum Hinspiel des UEFA Cup sich aufhängen könnte. Die ein oder andere russische Spielerin konnte nicht mit Namen benannt werden und musste als ›Nummer 6‹ das Spielfeld verlassen. Die ein oder andere Werbung wurde gespielt, obgleich nach offizieller Angabe schon längst Frauenfußball auf Eurosport zu sehen war (als die digitale Bildbearbeitung schlechter wurde ging es dann doch endlich los...). Der ein oder andere Platzverweis wird also sicherlich ausgesprochen werden müssen. Doch richtete sich das Augenmerk des Eurosportkommentators nicht nur auf das weitgehend durch Duisburg bestimmten und höchst emphatisch vorgetragenen Spielgeschehen, sondern auch auf die Zufälligkeit einer Begegnung im UEFA Cup Finale von zwei Städten, die sich erst kürzlich partnerschaftlich verbunden hatten. Das lässt den Blick auf einige andere, leider nicht kommentierte Zufälligkeiten wandern, die in der heutigen Begegnung augenscheinlich wurden: Fußballfrauen ziehen um, in letzter Zeit immer häufiger und nicht immer gerne. Die Permer Damen mussten 12 Stunden zu ihrem eigenen Heimspiel anreisen, um dann vor fast leerer Kulisse zu spielen, in der auch noch – so habe ich es zumindest gehört – immer wieder „Linda“ und „Lira“ skandiert wurde. Auch der FCR Duisburg wird nächsten Freitag in die MSV Arena umziehen und es dort hoffentlich etwas besser haben, ganz nach dem Motto von www.uefa.com: Frauenfußball – etwas für die ganze Familie. An der geistigen Peripherie scheinen Bilder von 1899 Hoffenheim auf, die diese Saison mit furiosen Gastspielen begannen und nun im eigenen Stadion höchstens noch gegen die sich selbst Beine stellenden Bayern brillieren. Es lebe das eigene Stadion! Doch nicht nur ziehen die Duisburger Dame um, sie ziehen auch sich um: Immer wieder war zu hören, dass die Trikots der die Frauennationalmannschaft zu „unweiblich“ seien. (Wie immer lässt sich an dieser Stelle fragen: was soll das denn heißen? Hat schon jemand mal gehört, das Ruderinnen, Fechterinnen oder Judoka als zu „unweiblich“ tituliert wurden? Warum kämpfen vor allem die Fußballfrauen darum, ›männlicher‹ sein zu dürfen und ›weiblicher‹ aussehen zu wollen?) Jedenfalls war der Auftritt des FCR Duisburg heute eine Offenbarung: Hier spielte niemand mehr unisex, das Girlie-Fußballdress ist erfunden: Das fast schon bauchfreie Shirt (siehe Einwürfe) kann nicht mehr in die Hose gesteckt werden und hat aber so gar nichts mehr von so manchem sackartigen Oberteil, das den Verdacht erwecken konnte, eben noch bei den Männern aus der Reservekammer bezogen worden zu sein. Besonders auffällig: Bei knappem Bauch die langen Ärmel, die über die Handflächen reichen und beim rennen gerne auch mal festgehalten werden. Die gastspielenden Fußballfrauen sind zwar noch nicht im eigenen Stadion, wohl aber im gender-branding angekommen und können sich darüber freuen, dass der UEFA Cup in Zukunft endlich, wie es ihm gebührt, auch Champions League heißen wird.

Samstag, 9. Mai 2009

Logo-Vorschlag #2

Der WM-Logovorschlag geht in die nächste Runde. Immerhin winken ewiger Ruhm und Berühmtheit! Logo-Vorschlag #1 drückte unsere (momentane) Überzeugung aus, das 20ELF sich als Branding für die Frauen WM im Sprachgebrauch durchsetzen und einen hohen Wiedererkennungswert entwickeln wird – das ›seine schönste Seite‹ jedoch völlig und vollständig inakzeptabel ist. Wie im Platzverweis ausführlich dargelegt, verpasst dieser Zusatz jede Form konstruktiven Humors, sondern erzeugt eine Vielzahl unangenehmer, unpassender und diskriminierender Assoziationen. Dieser Problematik sah sich jedoch auch Logo-Vorschlag #1 gegenüber, wartet er doch mit einer Figur auf, die, da nicht deutlich weiblich konnotiert, sofort als männlich gelesen werden konnte. Eine Frauenfußball WM kann natürlich nicht mit männlich kodifizierten Figuren werben, um aber die Frau zu identifizieren braucht es Rock, lange Haare und Brust und so wären wir beim Terror der 0-8-15 Weiblichkeitsklischees angekommen. Geschlechtsneutrale Figuren gibt es scheinbar nicht. Also verzichtet Logo-Vorschlag #2 darauf und versucht sich als selbstreflexives Sprachgesamtkunstwerk.

Mittwoch, 6. Mai 2009

denk.anstoß: Vorbild Steffi Jones

Die Vorbereitungen zur WM 2011 führen zu einer (langsam) wachsenden Zahl von Medienbeiträgen zum Frauenfußball. Dazu gehört auch der Fernsehbeitrag über das Leben von Steffi Jones, der einen sehr intimen Einblick in das Leben der OK-Präsidentin gewährt. Anders als eher medienscheue "Stars" wie Birgit Prinz, oder distanzierter an die Öffentlichkeit tretende wie Nia Künzer, lässt sich Steffi Jones darauf ein, sehr persönliche Bereiche ihres Lebens sichtbar zu machen.

Gerade das ist im Frauenfußball noch Neuland: Neben geifernd in der Öffentlichkeit breitgetretenen Skandalgeschichten interessieren Fußballerinnen die Massenmedien nicht wirklich. Auch wenn beispielsweise Brigit Prinz immer wieder betont, dass eine solche Medienaufmerksamkeit nicht unbedingt jedermanns oder –fraus Sache ist (und auch wenn wir immer wieder über die Eindimensionalität der Medien schimpfen), ist diese Plattform nicht nur negativ zu bewerten: Vorbilder entstehen (vor allem in unserer medialen Welt) eben tatsächlich durch Bilder: Fernsehbilder, Photographien in Printmedien und Internet. Auf dem Weg zur WM 2011 stellen wir, stellt das OK fest: Es fehlen die massenwirksamen Vorbilder, mit denen die Zuschauer des Frauenfußballs sich identifizieren können. Von dieser Erkenntnis zeugen die (wie wir finden) noch ziemlich hilflosen Bildstreckenversuche (Samba in Frankfurt, Stern-Fotoshooting) Sie stützen den Frauenfußball durch Prominente und knüpfen an Photoshoots à la Germanys next Topmodel an. Steffi Jones nun entwickelt sich gerade zu einer Galionsfigur der Frauenfußball-Öffentlichkeit, die diese Fallen geschickt und ungezwungen umspielt.

Die Dokumentation über ihr Leben erweist sich als charmant, familiär und teilweise auch intim. Intim, was etwa Jones’ Verhältnis zu ihren Brüdern angeht; charmant, wenn sie sich z.B. über ihren OK-Laptop freut; familiär (und humorvoll), wenn ihre Mutter ihren Regenschirm-Einsatz bei Fouls an der Tochter beschreibt und nachspielt. Und dennoch: es gibt klare Grenzen. Niemals hat man das Gefühl eines voyeuristischen Zugriffs auf Steffi Jones Leben. So hält sie beispielsweise ihr Liebesleben bedeckt, ohne dass sie dies begründen müsste.

Unabhängig von Jones’ Lebenslauf ist der Film aber auch Zeugnis eines Wandlungsprozesses in den Repräsentanzstrukturen des Frauenfußballs. Vermutlich ungewollt stehen für diese These Franz Beckenbauer und Theo Zwanziger Pate: Beckenbauer reicht kaiserlich den Schlüssel für das OK von oben mit den Worten „sie wird das schaffen, sie ist ja auch sehr hübsch” herab und erlaubt sich folgendes machistisches Bild. Theo Zwanziger hingegen, so altväterlich er ist, erkennt das Potential von Steffi Jones als Vorbild für den Frauenfußball gerade in der kantigen Biographie, die sie mitbringt, schätzt sie jedoch neben dieser für ihre Kommunikationsfähigkeit, ihre Offenheit, ihren Humor und ihre Kraft. Alles Eigenschaften, die Steffi Jones nicht verdinglicht und die jedes eindimensionale Bild von ihr subvertieren. Und dafür schätzen wir sie.

(Mein Leben - Steffi Jones lief am 02. Mai 2009 um 17:25 auf arte, Wiederholung am 09. Mai 2009 um 06:44)

Samstag, 2. Mai 2009

My B/Log has something to tell you about... My Feld is suddenly without a Schnitte

Es bleibt einem ja wirklich nichts erspart – da hat man eben erst eingestanden, von Internetrecht wenig bis keine Ahnung zu haben, da schlägt es schon hinterrückst zu entführt uns unsere Muse, also die Schnitte! (Wer die letzten drei Tage unseren Blog besucht hat, dürfte bemerkt haben, dass das ästhetische Konzept quasi völlig außer sich war – ein bisschen so, als würde man die Log Lady mit ihrem eigenen Holz verprügeln.) Nach einer absoluten Krisenperiode von ca. 5 Minuten haben wir aber mit Mut, Tatenkraft und Innovation reagiert, statt einem Log haben wir zum Nudelholz gegriffen und um das Klischee noch ein wenig auszureizen möchten wir nach 2 Tagen in der Küche nun stolz verkünden: ›Liebe Spielfeldschnitte. Hier ist dein schönstes Bild!‹ Ja, natürlich bröckelt unser Hochglanzimage inzwischen an allen vier Ecken, aber immerhin konnten wir uns im direkten Gespräch mit einer namenlosen, aber großen Bäckereikette für die Wiedereinsetzung des Backproduktes Spielfeldschnitte einsetzen (man denke darüber nach) und haben dank der Kooperationsbereitschaft unserer neuen Schnitte nun noch ein paar kreative Bebilderungen in der Hinterhand für alles, was auf dem Rasen noch so passieren kann...







(Spielfeldschnitte-die-Eigene ist scharf geschnitten von Mayte und scharf ge-/be-schossen von Rosa)

Dienstag, 28. April 2009

Logo-Vorschlag #1

Als die schönste Seite hinter der 20Elf erschien, dachten wir noch, der Kampf gegen die Klischees wäre endgültig verloren, das OK-Team hätte manifestiert, wogegen vorher so kraftvoll gesteuert wurde. Der Slogan zur WM 2011 steht und mit ihm die Aufforderung nach einem adäquaten Umgang mit ihm. Manche meinen, der offizielle WM Slogan gerate eh in den Hintergrund. Wir meinen, dass es gerade jetzt eine offensive Auseinandersetzung mit ihm braucht! Es gibt in dem Slogan durchaus Komponente, die zu Identifikationssymbolen taugen könnten. Ganz im Sinne der Subversion durch Affirmation wollen wir versuchen durch das ausprobieren unterschiedlicher Akzente den Slogan fruchtbar zu machen. Dabei soll der Slogan stetig dekonstrukiert, transformiert und neu gelesen werden um in seinen Leerstellen und Lücken Potentiale aufzudecken.
Die 20Elf hat es uns heute angetan. Sie wird aktiv. Und spielt den Ball scharf durch das, was lieber ungelesen bleibt:

Montag, 27. April 2009

My B/log has something to tell you about... In eigener Sache

Das Projekt Spielfeldschnitte trägt das ›Projekt‹ nicht von ungefähr in seinem Titel. Wir verstehen unter einem Projekt kein abgeschlossenes Produkt, dass wir auf dieser Seite präsentieren, sondern vielmehr diese Seite als Forum eines Prozesses, der sich fortwährend selbst reflektieren muss, um nicht zu einer monolithischen Pseudo-Wahrheit zu werden. Dieses Projekt lebt auch von den Kommentaren und Sichtweisen derer, die auf diese Seite zugreifen. Bisher haben wir sehr positiven Zuspruch bekommen, über den wir zunächst überrascht waren, über den wir uns dann sehr gefreut haben und der uns vor allem auch ermutigt hat. Inzwischen haben wir jedoch auch einige kritische Kommentare erhalten, die unsere ironische Ader problematisieren. Auch wenn wir unsere kritische Grundhaltung als kulturwissenschaftliche Grundeinstellung weiterhin verteidigen werden, erlauben uns diese Kommentare einen Blick auf ein gewisses Grundproblem des Frauenfußballs: Neben den Darstellungen des Frauenfußballs, die wenig Facettenreich sind und die wir kritisieren, tut sich eine riesige Leere auf. Die Wirkungsmacht des Bildes im Falle des Fußballs möchte wohl niemand bestreiten. Neben dem kultischen, rauschhaften Stadionerlebnis (und auch das ist im Frauenfußball eben noch kaum gegeben) konstituiert sich die Wirkungsmacht von Fußball durch Bilder. Vilém Flusser sagt, »Darstellen heißt entweder, ein Abbild von dem machen, was ist, oder ein Vorbild für das, was sein soll«. Im Falle des Frauenfußballs ist ›ein Abbild sein‹ recht schwer, denn – wie in allen Sportarten – sind die Männer eben doch den kleinen Tick schneller, viel wichtiger aber: der Männerfußball in Deutschland erreicht vielleicht am ehesten noch die ritualisierten Gemeinschaftszusammenkünfte in griechischen Theatern. Sollen die Fußballspielenden Frauen immer wieder vergeblich an dieser Eingangstür klopfen? Oder soll ihr Fußball etwas ›ganz anderes‹ sein? Wie also Vorbild werden, wie also Vorbilder produzieren für den deutschen Fußball? Das ist auch eine Frage, mit der sich das Projekt Spielfeldschnitte beschäftigen möchte. Auf www.womensoccer.de sind wir vor einiger Zeit auf einen Wettbewerb für ein alternatives WM-Logo gestoßen [http://www.wmlogo.de/] und hieran möchten wir für uns diese Frage entzünden: Was könnte eine Alternative sein zu ›20Elf von seiner schönsten Seite‹? Diese Frage, wir denken über sie schon seit Tagen nach, ist eben keine einfache. Doch weil wir ein Projekt sind, weil wir (Denk-)Prozesse vorstellen wollen, haben wir uns nun entschieden, bis Ende 2009 (dann muss der Vorschlag eingereicht werden) all unsere Zwischenstände hier als Versuche zu zeigen, sie für alle Kommentare und Hinweise zugänglich zu machen, um ein gemeinsames Nachdenken darüber anzuregen, warum es nicht einfach ist, Frauenfußball zu bebildern und wie es vielleicht möglich sein könnte.
(unser erster Versuch muss noch eingescannt werden, aber morgen ist er da...)
Rosa und Mayte

Freitag, 24. April 2009

Platzverweis: Der Slogan zur WM 2011

Wie groß wurde die Bekanntgabe des Slogans für die WM 2011 angekündigt! Beim Topspiel Deutschland gegen Brasilien im fast ausverkauften Stadion sollte es so weit sein! Wie groß war wohl die Aufregung von Steffi Jones, Doris Fitschen oder erst Theo Zwanziger?

(Hier eine bewusste Leerstelle, als kläglicher Versuch den Schock beim Anblick des Slogans schriftlich zu fassen)

“20Elf von seiner schönsten Seite!”
Dieser Text auf dem Banner, den die Nationalmannschaft vor dem Spiel dem Publikum präsentierte, reihte sich nahtlos ein in die Chronologie der WM 2011 Fehlschläge. So gibt es statt der geplanten 6 Nationalen Förderer erst 2, die sich für die WM 2011 einsetzen wollen. Doch können Jones und Co. nichts dafür, wenn die Wirtschaft lieber woanders sponsored, beim WM Slogan aber kommt das OK-Team leider nicht um ihre inhaltliche Verantwortung herum.

Mal abgesehen von dem sperrigen Satzbau ist die Zusammensetzung “20Elf” eine gar unglückliche Konstruktion, wenn sich auch der kreative Kopf ob der Genialität der Verbindung von Zahl und Wort kräftig selbst auf die Schulter klopfen mag. Man denke zunächst unschuldig an 20 Mal elf Spielerinnen, also 20 Teams, so viele spielen aber gar nicht mit; dann denkt man evtl. (bei mir jedenfalls nicht auf den ersten Blick) an das Jahr 2011. Doch nun wird die direkte Assoziationskette langsam ungut befleckt: die Nähe zum Ton eines kommerziellen Slogan (wie etwa zu 7Eleven, auf Englisch: „The beautiful side of 20eleven“), oder auch (gewiss unfreiwillig) zum Frauenfußballpapi Theo 20er (Zwanzigers Elf? Zwanzigers 2011?). Eine holprige und ungünstige Eröffnung für einen Slogan.

Doch was danach kommt ist, auch ob der Untergründigkeit, ein viel Schmerzhafter Tritt gegens Schienbein. In unserer Satzanalyse wollen wir zunächst dem kleineren Übel Aufmerksamkeit zollen: “20Elf” ist zunächst im Hinblick auf den bestimmten Artikel weiblich oder sächlich konnotiert: DIE Elf, DAS Jahr 2011. Das folgende Personalpronomen SEINER geht natürlich korrekt mit dem sächlichen Fall zusammen, bleibt jedoch auch eng mit dem männlichen verbunden. “Melanie Behringer zeigt sich von seiner schönsten Seite”, das wollen wir nicht. (Oder doch? Vielleicht ist hier auch auf einmal ein Möglichkeitsraum in dem Queer Theory sich neu formieren kann, Subversion stattfindet, Gender Kategorien befragt werden! Wobei wir dieses Ziel dem OK nicht unterstellen würden.)

Dieser, unserer Meinung nach kleiner Fauxpas wird durch das folgende in den Schatten gestellt: “schönsten Seite”. Klar wird jetzt überall der Slogan zu “Die Deutsche Nationalmannschaft zeigt sich von Ihrer schönsten Seite” etc. verwurstelt. Und zack- wird alles wofür vorher vermeintlich gekämpft wurde (z.B. das Eindämmen der Klischees von der weiblichen Schönheit und der männlichen Kraft, die Männer spielen Fußball, die Frauen tanzen Ballett, die Frauen sind langsamer, sehen aber besser aus ...) durch einen einzigen Satz aus der Chefetage zunichte gemacht. Radikal gesagt: durch den Slogan wird die Eingrenzung und Herunterbrechung des weiblichen Sports auf Äußerlichkeiten naturalisiert. Dass Theo Zwanziger dazu auch noch die Emotionalität und den Charme des Frauenfußballs in den Vordergrund stellt lässt keine andere Lesart mehr offen. Die emotionale und charmante Frau, der wissende und starke Mann.
Es wäre eigentlich konsequent (wenn auch nicht wünschenswert, obwohl, schlimmer gehts eigentlich nicht) IHRER doch noch einzusetzen: “20Elf von Ihrer schönsten Seite”.

Und weil das alles so zum Weinen schön ist, hier auch noch ein paar Vorschläge von uns: “Theo`s Angels”, “Elf Super Weiber”, “Terminatorinnen 2011”.
Oder um einfach etwas schlichte Power in den Slogan zu bringen: “The Hulk”.
Dazu bieten wir Spätzle mit Sauerkraut und folgenden alternativen Logovorschlag:

Donnerstag, 23. April 2009

Coaching Zone: Deutschland - Brasilien

Es war ein richtig großer Tag für den deutschen Frauenfußball. Noch niemals zuvor in seiner Geschichte haben die Frauen mehr als ein halbes Stadion füllen können (und auch das hätte schon niemand vermutet), gestern nun war es so weit: die Frankfurter Commerzbankarena war mit 44.xxx fast ausverkauft. Es ist also kein Wunder, dass Birgit Prinz für einen kurzen Moment Tränen der absoluten Enttäuschung weinte, als sie nach 39 Minuten wegen eines Verdachts auf Rippenbruch den Platz frühzeitig verlassen musste. Die große Frau des deutschen Frauenfußballs musste am Tag des deutschen Frauenfußballs vom Platz.
Abgesehen von den Emotionen neben dem Platz war es ein spannendes Spiel (auch wenn man beim anschließenden Werder – HSV nochmal den schönen Vergleich hatte, wie das so ist mit der Fernsehregie bei den Frauen – nämlich nicht so wirklich... gab es tatsächlich nur vier Kameras, oder war der Bildregisseur dauernd Kaffee trinken?). Mich persönlich freut fast am meisten, dass einige meiner Prognosen eingetreten sind: Bianca Schmidt auf der rechten und Babett Peter auf der linken Außenverteidigerposition waren die richtige Wahl gegen die heranstürmenden Brasilianerinnen, für die es in der zweiten Halbzeit kein Durchkommen gab, und auch die Doppel6 (immer noch steht hier ein Artikel aus) war mit Bresonik und Kulig bestens (und wie ich finde: zukunftsweisend) besetzt. Anja Mittag dürfte persönlich am meisten gefreut haben, dass auch sie von Anfang an spielen durfte und so das einzige deutsche Tor in der 24 Minute schießen konnte (nach scharfer Hereingabe von Bresonik, wie hier erwähnt werden muss) – ein Befreiungsschlag für die 24jährige, über deren Haupt beim Algarve Cup noch eine düstere Wolke hing. Auch wenn gerade die erste Hälfte immer wieder durch Passunsicherheit oder fehlende Zuordnung bestimmt waren (die in der 35. Minute auch das Gegentor verschuldete), habe ich selten ein Spiel der Nationalmannschaft gesehen, das derart engagiert gewesen wäre. In der zweiten Halbzeit gab es kaum jemand, der den Ball nicht einmal neben das Tor schießen durfte (Krahn, Kulig, Bresonik, Behriger, Müller gleich mehrfach...) und, besonders erfreulich: fast gänzlich wurde auf jenes ›beliebte‹ Passspiel in den Rücken der laufenden Mitspielerin verzichtet, welches des öfteren das deutsche Spiel verunziert. Über Brasilien ist nicht viel zu sagen. Sie waren auch da, Samba getanzt wurde nicht – eigentlich schaden, denn was das Dribbling und die Ballbeherrschung angeht, ist das Spiel der Brasilianerinnen oft eine Augenweide. Es blieb bei einem diplomatischen 1:1, somit sah wenigstens Franz Beckenbauer alle Tore, bevor er Mitte der zweiten Halbzeit zum Hubschrauber hastete. Eigentlich eine Farce, dass gerade er, der sich das Spiel wahrscheinlich Halbherzig und nicht einmal bis zum Schluss ansah, so viel Interviewzeit in der Halbzeit bekam, dass sogar der Anstoß zur zweiten Hälfte nicht gezeigt wurde. Inhaltlich vergreist sprach das Franzl dann auch eher schlecht als recht vom Frauenfußball, zweifelte etwa an Blatters Ausspruch „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“. An dieser Stelle wäre Theo Zwanzigers altväterliche Meinung zehnmal mehr erwünscht gewesen!
Mehr bleibt eigentlich nicht zu sagen, wechselte man doch nach Spielende recht schnell von Sven Voss und Steffi Jones zu Johannes B. Kerner und Oliver Kahn zum Pokalhalbfinale nach Hamburg. Kein Nachbericht also zum Nachbericht. Der Wunsch nach der besseren Sendezeit für Frauenfußball Live wächst umso mehr.
Zum Schluss möchten wir diese erste Coaching Zone noch jemandem widmen: nämlich dem neuen Vokuhila-Schnitt von Ulrike Ballweg.