Das Projekt Spielfeldschnitte
Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)
Montag, 13. Februar 2012
My B/log has something to tell you about: Izmir lieber mit Uli
Am Mittwoch gibt es vielleicht so etwas wie einen Blick in die Zukunft. Deutschland spielt in Izmir gegen die Türkei notgedrungen in alternativer Variante. Verletzt sind Inka Grings, Kim Kulig, Simone Laudehr und Nadine Angerer. Fatmire Bajramaj ist in München gestrandet - Flug verpasst. Und auch die Chefin selber fällt aus: Silvia Neid wird für ihr Verhalten beim letzten Spiel bestraft und muss auf der Tribüne Platz nehmen. Meckern zahlt sich halt nie aus, höchstens für Ulrike Ballweg. Die kann jetzt schon mal austesten, ob ihr die Luft an der Spitze gefällt.
Die Chance also für Neulinge sich mal zu zeigen. Almuth Schult wird ihr Debüt im Tor geben und eventuell Argumente gegen die mythische No-Alternative Position Angerers liefern. Die gescholtene Linda Bresonik darf ebenfalls auf den Platz und Beweise gegen die Formkritik bringen. Im Sturm können sich neben Alexandra Popp entweder die ewige Jokerin Martina Müller, oder die fast schon vergessene Anja Mittag ins Licht setzen. Zu den "Alten" gehören eigentlich nur noch Melanie Behringer und Saskia Bartusiak, es wird interessant werden, wer neben ihnen auflaufen darf. Gespannt sind wir auf einen Einsatz von Dzsenifer Marozsan, um die sich schon lange eine neblige Star-Erwartung rankt, die sich bei den wenigen Einsätzen noch nicht aufklären konnte.
Mit Uli, neuen Gesichtern und dem Blick auf Tabellenplatz Eins in Izmir!
Mittwoch, 8. Februar 2012
Ecke des Monats: Danke Thees!
Die Ecke des Monats, diesmal nicht mit Bild, sondern als Zitat:
WDR Redakteur Ingo Schmoll: Ich dachte ja die Frauenfußball-WM könnte interessant werden. Aber dann sahen die meisten auf dem Platz männlicher aus als unsere Männer.
Thees Uhlmann: Ist soviel Sexismus eigentlich noch erlaubt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?
(ab Minute 27, dank an Mattn)
Samstag, 21. Januar 2012
My B/log has something to tell you about: Same procedure as last year
Heute läuft Fußball der Spitzenklasse! Nein, wir meinen nicht den Start der Herren in die Rückrunde, sondern das größte Hallenfußballspektakel des Jahres in Magdeburg. Aber es ist mal wieder wie befürchtet: Alles beim Alten. Nur wer live dabei ist, ist wissend. Alle zuhause gebliebenen bekommen die Realität des sogenannten Post-WM-Aufmerksamkeitsschubs zu spüren. Natürlich nichts im Fernsehen und die einzigen Informationen kommen von den treuen Fans selber: Allen voran die formidablen Fans des Turbine Potsdam!
Ansonsten weit und breit die unendliche Wüste.
Samstag, 31. Dezember 2011
My B/log has something to tell you about: 20Elf von seiner Zurückblick-Seite
Wir schreiben das Jahr 2007. Einen Monat nach ihrem großen WM Erfolg werben Birgit Prinz und Fatmire Bajramaj zusammen mit Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach bei der Fifa für den Spielort Deutschland und rufen "Wiedersehen bei Freunden - Welcome back". Sie erhalten den Zuschlag und das Marketing-Gemetzel beginnt. Die beliebteste Platitüde: „Mit dem Slogan / dem Logo / dem Song ist es uns gelungen, die wunderbaren Emotionen und den einzigartigen Charme des Frauenfußballs zu übermitteln“
2009 wird die Flagge gehisst, unter der die WM rezipiert werden soll: „20Elf von seiner schönsten Seite“. Vorhang auf.
Spielerinnen spielen enorm guten Fußball? Egal, es interessiert wer am besten aussieht! Tolle Technik, Torschüsse, Tore? Nein, Nagellack, Frisuren, Privatleben! Sportliches konnte nur wenig aus dem Hintergrund heraustreten. Die Feuilletons dagegen liefen quasi über an Diskussionen über den FRAUENfußball. Bei einem Fußballturnier der Männer fragt sich keine Kolumnistin oder Journalistin ob und warum man sich diesen Sport anschauen sollte. Diesen Sommer stürzten sich dagegen sämtliche Männer der Schreibwelt auf genau diese Frage.
Warum ist die Frage warum Frauen Fußball spielen und warum man sich das anschauen sollte soviel Papier und Webspace wert? Die Antwort liegt doch auf der Hand: Weil sie es können, weil es ihnen Spaß macht und weil es anderen Spaß macht ihnen dabei zu zuschauen. Muss ja nicht jeden interessieren, aber dann können diejenigen, die es nicht so interessiert doch lieber über etwas nachdenken und schreiben, was sie interessiert. Naiv? Vielleicht.
Dienstag, 6. Dezember 2011
My B/log has something to tell you about: Rücktritt und Comeback
Die einen wollen gehen, die anderen sollen kommen. Theo Zwanziger möchte schon im Oktober 2012 die Vorzüge des Rentnerdaseins genießen und kündigte vorsichtshalber jetzt schon seinen Rücktritt an. Vorsichtshalber wohl auch, damit ihm zum gegebenen Zeitpunkt keine Negativschlagzeile à la Amarell an den Rücktritt gepinnt werden kann. Als Nachfolgerin wünschen wir uns natürlich Hannelore Ratzeburg, aber es wird wohl Wolfgang Niersbach. Insgesamt wird man sich darauf einstellen können, dass es eher eine Frau an der Spitze Russlands geben wird, als eine Frau an der DFB Spitze.
Zu hoffen bleibt, dass mit Zwanzigers Abgang das Thema Frauenfußball nicht wieder in die Mottenkiste gesteckt wird. Aber wer weiß, wahrscheinlich verlängert Zwanziger seinen Vertrag im Sommer 2012 doch nochmal um fünf Jahre und bietet Silvia Neid einen Vertrag auf Lebenszeit an. Verträge, Rücktritte und der DFB - eine einzige Wunderkiste!
Parallel zu Zwanzigers Rücktrittsgedanken mehrten sich plötzlich die Schlagzeilen über ein vermeintliches Comeback von Birgit Prinz. Die konnte zu den Gerüchten bisher noch nicht Stellung nehmen, da im wohlverdienten Urlaub. Das Ganze riecht aber ziemlich nach Pressegeburt: Frankfurts Manager Dietrich wird zur aktuellen Krise des FFC befragt, konstatiert ein Problem im Sturm und erwähnt nebenbei, dass er als Birgit Prinz` Manager natürlich auch an sie gedacht hat. Daraus wird dann: "Birgit Prinz vor dem Comeback". Auch wenn wir natürlich die Spekulationsfreude nicht bremsen wollen, seien wir mal ehrlich: Warum sollte die Spielerin, die national und international schon alles gewinnen konnte, die unter ihrer letzten WM am stärksten gelitten und sie (als eine der wenigen) mit echter Größe abgeschlossen hat, der man Sätze glaubt wie "Es ist vielleicht nicht gewöhnlich zu sagen, dass es nicht so klappt. Ich finde es aber legitim, das zuzugeben. Ich war aber während meiner gesamten Karriere uneitel, das wird sich auch nicht ändern." und vor allem "Ein beschissenes Karriereende ist besser als eine beschissene Karriere". Warum sollte diese Spielerin jetzt plötzlich wieder mitmischen und womöglich ihre nachgeschobene letzten Vereinssaison auf einem mittelmäßigen Tabellenplatz beenden? Alle, die in den letzten Jahren ihre spärlichen aber immer prägnanten öffentlichen Auftritte mitverfolgt haben werden bestätigen, dass so ein Comeback nicht zu Birgit Prinz passt.
Donnerstag, 24. November 2011
Coaching Zone: Spanien - Deutschland
Nach dem etwas desaströsen Auftritt von Claudia Neumann beim letzten Spiel und den altbekannten fünf Minuten Geplänkel vor dem Spiel mit Silke Rottenberg:auf Eurosport endlich mal richtige Vorberichte! Eine ganze halbe Stunde vor dem Spiel geht es um beide Teams, die Schlüsselspielerinnen, die Situation in der Tabelle, die Veränderungen in der Aufstellung. Ein perfektes Lehrbuch für die öffentlich-rechtlichen. Mal ehrlich: wir verzichten gerne auf Rottenberg, Künzer und Co. - verteilt das Honorar lieber auf ein paar interessante Beiträge und mehr Sendezeit vor dem Spiel. (Und wenn noch was übrig bleibt, könnte man auch noch einen Interview-Coach für Alexandra Popp sponsorn, Schwerpunkt: Grammatik). Einziger Wermutstropfen: Kommentator Marco Hagemann verfällt während des Spiels ähnlich wie Claudia Neumann in Anekdoten-Stimmung. Muss man sich unbedingt anhören müssen, wie Fatmire Bajramaj sich im Trainingslager beim Tennisspielen anstellte?
Samstag, 19. November 2011
Coaching Zone: Deutschland - Kasachstan
„Gehört Birgit Prinz noch in die Nationalmannschaft, was kann sie noch für das Team tun?“ So könnte man vielleicht auf den Punkt bringen, was Medien und Fans während der WM 2011 umtrieb. „Uns fehlt die Spielmacherin!“ jammert es nun statt dessen von vielen Seiten.
Die Exptert_innen des Frauenfußballs in Deutschland scheinen momentan geschieden wie die Trainer von Turbine Postdam und dem 1. FFC Frankfurt: Ist der Frauenfußball nun im Aufschwung oder im Abwärtstrend? Nur eins scheint klar: Er befindet sich im Umbruch.
Mittwoch, 16. November 2011
denk.anstoß: Aktion Libero - Sportblogs gegen Homophobie im Fußball
Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für lesbische oder schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Kein Fußballer und wenige Fußballerinnen wagen es, ihre Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.
Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul/lesbisch ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.
Homophobie im Frauenfußball
Zwei Vorurteile halten sich im Fußball hartnäckig: 1.) Es gibt es keine schwulen Fußballer. 2.) Alle fußballspielenden Frauen sind lesbisch. In beiden Fällen fällt der Fußball dem gleichen Männlichkeitswahn zum Opfer: Schwulen wird gänzlich abgesprochen, überhaupt Fußball spielen zu können, denn »das ist was für harte Männer«, und »echte« Frauen würden sich diesen Männersport sowieso nicht aneignen wollen – und wenn doch, dann müssen es also Lesben sein. Das ist natürlich Unsinn, denn Fußball ist ein Spiel für alle, unabhängig von ihren Besonderheiten. Bis dieser Anspruch der Vernunft allerdings auch gelebte Realität ist, ist noch ein Weg zu gehen: Die Probleme von Frauen in dieser Sportart mögen anders gelagert sein als jene der Männer, aber Karrieren und Seelen zerstören sie auch hier.
Zunächst einmal: Der Frauenfußball ist gewiss nicht das Mekka der modernen Lesbe. Gezielte Ausgrenzungsstrategien, sensationslüsterne Boulevardpresse – die Gewalt mag nicht (vordergründig) körperlich sein, sie führt aber immer wieder dazu, dass sich Frauen sogar ganz vom Fußball abwenden.
Einen Tiefpunkt erreichte die Diskriminierung bei der WM 2011 in Deutschland. Die nigerianische Trainerin Uche wetterte gegen die »dreckige Lebensweise« der Lesben, die sie in ihrem Team niemals tolerieren würde – Tage später und erst nach einer Rüge der Fifa schwächte sie ihre Aussage ab; auffällig neben dem forcierten Dementi war die Hilflosigkeit der Fifa, sich angemessen zu positionieren. Einfacher schien es ihr zu fallen, als sie Banner mit der Aufschrift »Fußball ist alles – auch lesbisch« vor einem der Spiele konfiszierte.
Mittwoch, 26. Oktober 2011
Coaching Zone: Deutschland - Schweden
Claus Lufen, Nia Künzer, Bernd Schmelzer. "Ein Richtungsspiel." Kostbare fünf Minuten des Vorberichts. Bei den Fernsehanstalten hat sich jedenfalls nichts geändert.
Was hat sich im deutschen Team geändert? Die WM Depression wirkt anscheinend schwer, auch gegen die Schwedinnen kamen die Deutschen nicht richtig ins Spiel. Erstaunlicherweise hat sich das Hauptproblem mittlerweile von hinten nach vorne verlagert: Der letzte Pass ist immer wieder zu unpräzise.
Fehlt dem Team nach der WM das Selbstbewusstsein? Fehlt ihnen der Mut für kreative Spielzüge? Fehlt ihnen vielleicht sogar eine Spielmacherin, eine Prinz oder Lingor? Natürlich muss sich eine Mannschaft nach einem solchen Turnier wie in diesem Sommer erst wieder fangen. Nur muss sie auch aufpassen, dass sie sich im Findungsprozess nicht selbst verliert. Silvia Neid probiert vielleicht einen Neuanfang, aber hat sie den Spielerinnen eher den Mut genommen? Will sie nach der WM kein Risiko eingehen? In der ersten Hälfte hatte es jedenfalls den Anschein, als würde Neid auf Systemfußball setzen, auf die Lehrbuchregeln des (modernen?) Fußballs. Aber eigentlich müsste sie versuchen dem Team jetzt ein neues Profil zu geben, die Stärken herauszuarbeiten über die sich das Spiel der Deutschen definieren kann. Bislang ist davon noch nichts zu sehen. Es fehlen die Schlüsselspielerinnen und Inka Grings konnte sich heute nicht dafür anbieten. Auch Linda Bresonik braucht anscheinend mehr Zeit um ihre offensive Aufstellung zu verarbeiten. Was für Führungsspielerinnen braucht das deutsche Team? Könnte jemand wie Melanie Behringer diese Aufgabe erfüllen? Nicht quatschen, sondern einfach machen?
Die Kehrtwende brachte der Wechsel von Popp für Grings in der Halbzeit. Ohne zu überschwänglich zu wirken (was bei dem deutschen Spiel derzeit auch nicht allzu angebracht wäre) strahlt Popp tatsächlich all das aus, was derzeit fehlt: Spritzigkeit, Kreativität, Mut. Und prompt wurde sie dafür belohnt, indem sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. In der 59. Minute köpft sie einen Abpraller ins Netz. Aussagekräftiger ist aber die Szene kurz danach: Behringer schlägt eine virtuose Flanke auf die perfekt stehende Popp, die den Ball perfekt mit dem Kopf aufs Tor bringt. Naja, fast perfekt, der Ball geht knapp über die Latte. Aber dennoch, solche Spielzüge erinnern einen ab und zu daran, was hier eigentlich möglich sein sollte. Auch Svenja Huth schlug nach ihrer Einwechslung genau in diese Kerbe- endlich macht es wieder Spaß zuzuschauen.
Als Bratwürste gehen die Spielerinnen der deutschen Nationalmannschaft nicht vom Feld, aber als absolute Kings auch nicht. Das sollte Silvia Neid zu denken geben, der irgendwas (der Mut? die Integrität? die Glaubwürdigkeit? Birgit Prinz?) mit dem Ausscheiden bei der WM flöten gegangen ist. Das Motto scheint zu sein: Kein Risiko eingehen um nicht auf dem Grill zu landen.
Sonntag, 23. Oktober 2011
Coaching Zone: Deutschland - Rumänien
Mit großer Leichtigkeit läuft ein verjüngtes deutsches Team in eine Stadion, das so leer ist, dass man sogar hören kann, wie sich die Spielerinnen vor Beginn der Partie die Hand geben. Tja, war da mal was? Sylvia Neid jedenfalls ist gut gelaunt, sie lacht, auch das kann man fast hören. Wir fühlen uns fast ein bisschen erinnert an frühsonntägliche Bundesliga zwischen Gartenzwerg und Eisbahn in Hamburg und gestatten uns ein paar nachdenkliche Blicke zurück in die alte Heimat. Wir haben zwei Jahre gebraucht, um uns für die WM auf Kurs zu bringen, vielleicht werden wir zwei Jahre daran zu arbeiten haben, dieses unglaubliche Spektakel (und seine Konsequenzen) zu entknoten, dass wir drei Wochen lang erleben durften. Ein viel diskutierter Punkt war sicherlich die Frage, ob die WM irgendeinen Einfluss würde haben können auf die Zuschauersituation der Bundesliga. Oder auf Spiele wie dieses heute. Zumindest in diesem Punkt waren die Illusionen gering – berechtigt: es sind genau sechs deutsche Fans in Bukarest. Doch nicht Jammern sollte die Reaktion auf den Verlust des Spektakels sein und schon gar nicht der Versuch, mit der EM einen neuen telos anzubieten und die berühmten „Vorbereitungszeiträume“ des deutschen Teams quasi auf zwei Jahre auszudehnen. Immerhin ist man hier auch Titelverteidigerin. Nein, bemühen wir die Plattitüde: Die Antwort muss auf dem Platz liegen.
Dieser Platz ist so braun, dass Bernd Schmelzer befürchtet, die Zuschauer könnten versucht sein, ihre Bildeinstellungen zu überprüfen. Er ist so holprig, dass Schmelzer es „fast schon kriminell“ findet. Und auf ihm passiert recht wenig. Trotz der viel beschworenen Leichtigkeit krankt das deutsche Aufbauspiel an Zweierlei, das schon bei der WM zu beobachten war. Zum einen: Unsicherheit im Passspiel. Vielfach Schwierigkeiten beim Zuspiel, fast noch mehr Schwierigkeiten bei der Ballannahme und der Mitnahme des Balls. Viel zu oft verkommt der Pass nach vorne zu einem Abpraller in die falsche Richtung. Doch viel fataler: Immer und immer wieder der hohe, lange Ball nach vorne. Nehmen wir uns Zeit für einen tiefen Seufzer der Resignation. Hört das denn niemals auf? Wann kam denn ein solcher Pass schon jemals an? Ja, ja, natürlich, als Kerstin Garefrekes ihre Hals streckte und einnickte. Wann war das noch mal? Stimmt, da war ja was. Eine WM. Bei der man mit dieser Strategie schnell ganz schön alt aussah gegen die Japanerinnen, die doch, wie es immer so schön hieß, so klein seien, dass der hohe Ball das probate Mittel der Wahl war. Es wirkt, man muss es klar so sagen, phantasielos, es wirkt behäbig, es wirkt auch hilflos. Wenn ich ein Fußballspiel sehe, möchte ich nicht auf die Körpergröße oder den Fitnesszustand des Gegners spekulieren, ich möchte ein spektakuläres Spiel sehen. Dazu gehören für mich ganz zentral offensive Spielerinnen, die mehr können als eine voraussehbare Flanke vors Tor zu schlagen oder im Strafraum auf den hohen Ball zu warten. Dazu gehört für mich ein offensiver Verband, der mit „högschter Disziplin“, Laufbereitsschaft und Einfallsreichtum das Angriffspiel kreativ interpretiert. Und dazu gehört für mich eine Abwehr, die den Ball nicht nur abfangen, sondern auch im höchsten Tempo sicher nach vorne tragen kann.
Bis zur 55 Minute war davon in Bukarest nun wirklich gar nichts zu sehen, danach wurde es stellenweise etwas besser, was ich vor allem dem unermüdlichen Einsatz von Melanie Behringer zuschreiben möchte, in Abstrichen auch Bianca Schmidt und Simone Laudehr. In müden Zahlen endet das Spiel 3:0 (Goeßling, Bajramaj, Behringer). Aber Leichtigkeit sieht anders aus.
