Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Samstag, 6. Juli 2013

My B/log has something to tell you about: Junge Autobiographien und unsere Meinung

     
Um es gleich vorweg zu sagen: autobiographische Werke oder Memoiren von U-40 Autor*innen sind uns erstmal grundsätzlich suspekt. Was kann ein Mensch schon alles mit zwanzig, fünfundzwanzig, dreißig erlebt haben, was die Welt lesen sollte? Und was kann ein Mensch bis zum fünfzigsten Jahr noch alles erleben und vor allem in ihrer/seiner Sicht reifen um der Erzählung (noch) mehr literarische Qualität zu verleihen? Über das eigene Leben schreiben vor allem Jugendliche (Tagebuch), Ü-80 Jährige (das Ende naht), Menschen mit extremen Schicksalsschlägen, Menschen, die die Welt / die Politik beeinflusst haben. Und wahrscheinlich würden gerne bis zu 80% aller über-sich-selbst-schreibenden auch veröffentlichen. Aber die wenigsten von ihnen verstehen das Handwerk eine gute Geschichte zu schreiben.

Die Lösung: Ghostwriter. Auch Hope Solo hat so eine, die Sportjournalistin Ann Killion hat mit ihr die Feder geführt. Vor einer Woche erschien das Gemeinschaftsprojekt "Mein Leben als Hope Solo" oder im Original "A Memoir Of Hope Solo" in der deutschen Übersetzung. Eine literarische Note konnte Killion den bisherigen 31 Jahren von Hope Solo aber auch nicht hinzufügen. Stattdessen liest man sich durch 330 Seiten im Stile des Tagebuches einer 17-jährigen. Hope Solo ist einer der besten Torhüterinnen, sagen wir sogar Sportlerinnen der Welt und hat sicherlich einiges erlebt, aber das macht sie nicht automatisch zu einer der besten Schreiberinnen, bzw. ihr Buch zu einer spannenden Lektüre. Letztendlich scheint es so, als hätten sich Solo und Killion einfach auf nichts richtig konzentriert. Die familiären Schicksalsschläge werden in teilweise ähnlich knappen und platten Sätzen abgefrühstückt wie die sportlichen Ereignisse (Nur eine halbe Seite für das dramatische Finale 2008 gegen Brasilien). Noch dazu scheint die Übersetzung etwas halbherzig, viele Sätze klingen knöchern und in der Vorstellung vom Original ganz anders. 

Abseits der mangelnden literarischen Qualität führt die Lektüre des Buches in unserem Falle auch zum unsympathisch-finden von Hope Solo, die wir vorher immer sehr schätzten und auch immer noch schätzen, aber es macht keine gute Laune, wenn jemand immerzu darüber schreibt, wie egal alle anderen sind, wie egal die Meinung aller anderen ist. Wie man immer alles besser weiß und besser kann. "Die Meinung anderer Leute interessierte mich ab jetzt nicht mehr." Ok, Hope, warum würden wir uns dann überhaupt noch unterhalten? "Scheiß auf alle, dachte ich." Naja, dann kannst Du auch nichts von "allen" erwarten.

Wenn einem nichts besseres einfällt und man ein Geschenk braucht und die zu Beschenkende sich für Fußball interessiert, dann kann man dieses Buch schon weitergeben, als Klolektüre taugt es auch. Hat man aber etwas mehr Zeit zu Auswahl, dann nehmt lieber ein anderes Buch, schaut Euch die Spiele von Hope Solo an und lest etwas anderes.

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