Das Projekt Spielfeldschnitte
Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)
Freitag, 23. Juli 2010
Donnerstag, 22. Juli 2010
Platzverweis: Back to the 80ies mit HFV, Bild und einem kühlen Holsten
Erstaunlich, dass man es so schwer schafft, den Wettbewerb zur Gleichberechtigung hin zu öffnen: selbst die Jury für die Vorauswahl der Kandidaten besteht ausschließlich aus männlichen Experten mit Sportbezug.
Donnerstag, 15. Juli 2010
Ecke des Monats: Nach der WM ist vor DER WM!
To introduce this story, let me just say it encompasses the all-- it is
beyond the 'fire', though few would know that meaning. It is a story of
many, but begins with one. (The Log Lady, Twin Peaks)
Montag, 5. Juli 2010
Im Abseits: Ginger Gentile about "Goals for Girls"
Ginger Gentile: I grew up in a small town in New York and then went to Columbia University in New York where I studied history and was very involved in the student activism—from union organizing to fighting sweatshops, women’s rights, anti-colonialism. After graduating in 2002, I spent a summer waitressing and then headed down to Guatemala to study Spanish, and then spent a month in Cuba before going down to Buenos Aires. My plan was to stay for a few months, learn Spanish and then head back to New York. I never thought I would make Buenos Aires my home and become a filmmaker, with my own production company, San Telmo Productions, before the age of 30!
A lot of the films I make, especially, ‘The Hooker and the Transvestite’, (which I co-directed with Synes Elischka and Gabriel Balanovsky) involve sexual subjects that make some people uncomfortable. Talking about sexuality is less common than showing explicit images, and this short film talks about the suffering of sex workers but it is a comedy. I believe that showing victims doesn’t help anyone: it is better to tell a story with humor and that people can relate to.
Goals for Girls: The Movie follows the struggle of a group of girls from the infamous Villa 31 shantytown in Buenos Aires who want to play a sport that is off limits to women in Argentina: soccer. With humor and colorful imagery, this documentary explores what it takes for girls to score goals on the field and reach their life goals when their families and society sees them only as future maids, criminals or teenage mothers. The experiences of these “slum soccer girls” will not only be documented by, myself and co-director Gabriel Balanovsky, but the girls themselves will contribute though a video workshop where they will learn how to interview and do basic camerawork. The audience can get uncensored view into their world and the girls will begin to take back the narrative of their own lives.
The finished documentary will be released in June 2011, during the women’s world cup in Germany. - The girls in "Goals for Girls" talk a lot about discrimination; is this the reality for the most girls that play soccer in Argentina?
Montag, 21. Juni 2010
Im Abseits: Dominik Müller über Frauenfußball in Ghana
Montag, 24. Mai 2010
my blog has something to tell you about... Deutschland - USA
Im Ernst: wir sind deprimiert. Monatelang auf Entzug. Die Spiele unserer Heldinnen sind rar im Jahr 2010. Ausnahmsweise bieten die Spiele der deutschen Vereine mehr als die der Nationalmannschaft. Das bringt uns aus dem Konzept. Der Schmachter wird fast nicht aushaltbar und dann macht uns auch noch ein Vulkan die Freude zunichte. Aber nach Schweden ist vor den USA und wir waren zuversichtlich. Haben uns mit Pokalendspielen sogar mehr als über Wasser gehalten. An Pfingsten sollte der Pegel endlich wieder steigen, wir hatten eingekauft. Alles war vorbereitet für den grandiosen Trip.
Es gibt so wenig Spiele 2010 und wir finden, dass es unser berechtigtes Recht ist, diese Spielen zu bekommen, intravenös und mit purem Stoff! Gegen Naturkatastrophen kann man nichts ausrichten, aber ansonsten gibt es keine Ausreden. Wir wurden betrogen, ausgetrickst! Eins von dreien ist in den Graben gefahren. Wir haben aus unbegrenztem Durst alles, auch was wir im Ernst doof fanden, affirmiert, fanden die Verkürzung der Bundesliga Saison 2010/11 und die Verschiebung des Pokalfinales auf März einen gerechten Pfand für den großen Traum 2011. Alles für 2011 stand auf unserer Bettwäsche.
Aus Liebesentzug haben wir uns Pfingsten um die Birne gegossen. Dabei sogar die Sahneschnittchen vernachlässigt. Lieber zehnmal Vereinsspiele, als einmal so ein Vorrundenkick bei der WM war sogar unsere bittere Reaktion als wir am Zenit unseres Wochenendes angekommen waren.
Deshalb: Sommer 2011 mit drei mal DFB-Pokal Finale in Köln und sieben mal Champions League Finale in Frankfurt, Nadine Angerer bei dem einen, Sarholz bei dem anderen Team im Tor, und die Best-Of-Bundesliga. Und der Sommer kann kommen.
Freitag, 21. Mai 2010
My b/log has something to tell you about... Finale ist, wenn die Sonne scheint!
Zu den Dingen, die ein Fußballherz noch mehr erfreuen, zählt, wenn es nur ein entscheidendes Spiel gibt. Schließlich kommt man zu dem Spiel, um danach einen Sieg zu feiern oder einen Verlust zu betrauern. Und nicht um zu rechnen. Die ermüdende Hin- und Rückspiel Regel der Uefa inklusive Auswärtstorregelung, die teilweise auch national angewendet wird, wurde sicher nicht ohne Sinn und Verstand eingeführt. Und trotzdem hat so ein Modus im Finale nichts zu suchen. Noch im letzten Jahr spielte der FCR Duisburg im Finale das Rückspiel im eigenen Stadion mit einem 6:0 Sieg aus dem Hinspiel im Nacken. Heraus kam ein 1:1.
Dieses Jahr wurde das Finale unter dem neuen Namen der Champions League erstmals in einem Spiel entschieden. Was das an Spannungszuwachs für alle Beteiligten bedeutet, konnte man gestern am Abend zu bester Zeit live im Fernsehen verfolgen. Turbine Potsdam gewann den Pokal nach einem packenden Elfmeterthriller gegen Olympique Lyon mit 6:7.
Wie wichtig die Dramaturgie eines Finalspiels für das Ereignis ist, zeigte auch das DFB-Pokal Finale am letzten Samstag. Vor einer komplett veränderten Kulisse fühlte es sich auch hier so an, als ginge es wirklich um alles oder nichts, und vor allem um das Geschehen auf dem Platz. Genau hier und genau in diesem Moment.
Die Endspiele in den Vereinswettbewerben des Frauenfußball gewinnen rasant an Bedeutung. Immer mehr wollen sie sehen und immer mehr wollen möglich machen, dass sie zu sehen sind. Umso seltsamer also die Diskrepanz in den Mitteln, mit welchen die Dispo der nächsten anderthalb Jahren versucht, dem Frauenfußball in Deutschland eine grandiose Zeit zu verschaffen. Der Fokus liegt dennoch unbestreitbar auf der Weltmeisterschaft 2011, was dazu führt, dass nicht nur die Bundesliga früher aufhören muss. Auch der DFB-Pokal soll schon im März ausgetragen werden. Aber echte Freude mit den Siegerinnen kann doch selbst der hartgesottenste Fan nur empfinden, wenn man nicht mitbibbert bei den unterkühlten Bierduschen. Finalstimmung hängt doch einfach zu stark mit einem Gefühl nach Sommer zusammen. In diesem Sinne kann man nur hoffen: „Sommer! In diesem Sommer schon im März!“
Samstag, 15. Mai 2010
My b/log has something to tell you about... FCR Duisburg gegen Jana Burmeister
Andererseits sollte man sich auch mal kurz zusammenreißen, denn vieles war auch ganz schön super! Die 26.282 ZuschauerInnen stehen nicht nur für einen neuen Rekord auf nationaler Vereinsebene, sie bilden auch einen nicht zu vergleichenden Rahmen als die vereinzelten tausend, die sich sonst zu früh ins Olympiastadion verirrt hatten. Das Spiel blieb ähnlich langweilig auch in der zweiten Hälfte, gewann aber ob des knappen Vorsprungs an Spannung und erhielt eine zusätzliche Nuance durch die erstaunlichen Leistungen der Jenaer Torfrau Jana Burmeister und den vielen Lattentreffern, die den 1:0 Endstand sicherten. Reeves und Co. blieben wenigstens für die FernsehzuschauerInnen im Hintergrund. Und es gab am Ende sogar glückliche Verliererinnen: die Jenaerinnen feierten ihren Erfolg im Mini-Pogo-Kreis am Rande des Spielfeldes.
Trotzdem bleiben kleine Fragen: woran liegt es wohl, dass ein solches Spiel es nicht schafft, das Stadion voll zu bekommen? Vielleicht an den beteiligten Teams? Vielleicht an der Anstosszeit? Wurde zu wenig Werbung gemacht? Der übertragende Fernsehsender (hier ZDF), auf dessen Wunsch die (zu) frühe Anstoßzeit beibehalten wurde, zeigt gegenüber den Vorjahren keine Besserung in der Programmierung: wieder keine richtigen Vorberichte, stattdessen werden im Kochstudio kurz vor Anpfiff teure Morcheln und Himbeer-Curry Desserts zubereitet. Immerhin gibt es einen erfrischenden Ausblick: am 20. Mai wird das Uefa-Cup Finale Potsdam-Lyon zur besten Fernsehzeit am Abend übertragen.
Freitag, 14. Mai 2010
My b/log has something to tell you about... Endlich frei!
Es spricht also eigentlich alles für einen erfolgreichen Pokal-Nachmittag. Den großen Wermuthstropfen bildet allerdings nach wie vor die Pokalhymne. Die alkoholgeschwängerten "Viva Colonia" Schlachtrufe von den Höhnern, gemischt mit der klischeeisierten Textversion von Shary Reeves werden einem wohl die Zeiten vor dem Anstoß, während der Pause und nach dem Abpfiff versauern. Als unbeholfene Notwehr gibt es ab sofort das "Anti-Dabei-Sei"-Poster zum ausdrucken und hochhalten, für alle, die am Samstag ins Stadion gehen.
Donnerstag, 22. April 2010
Im Abseits: Hans Ulrich Gumbrecht über Kreativität im Frauenfußball
Neben zentralen Publikationen wie "Diesseits der Hermeneutik. Zur Produktion von Präsenz" oder "Die Macht der Philologie. Über einen verborgenen Impuls im wissenschaftlichen Umgang mit Texten" wird Gumbrecht vor allem durch "Lob des Sports" zu einem hochkarätigen Gesprächspartner für einen kulturwissenschaftlichen Blick auf Frauen- und Männerfußball.
Spielfeldschnitte: Lieber Herr Gumbrecht, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit zu diesem Gespräch nehmen!
Hans Ulrich Gumbrecht: Aber gerne. Ich möchte dem auch sofort voranstellend sagen, dass ich ein großer Fan des Frauenfußballs bin. Ich weiß nicht, ob Sie mal in den Texten gelesen haben, in denen ich begeistert über den Frauenfußball spreche.
Spielfeldschnitte: Ich kenne Ihre lobenden Worte aus „Lob des Sports“.
Gumbrecht: Da weiß ich gar nicht mehr genau, was ich da geschrieben habe. Also ich denke, dass zumindest von ästhetischen Gesichtspunkten her der Frauenfußball interessanter ist als der Männerfußball.
Spielfeldschnitte: Ach, wirklich?
Gumbrecht: Ja, wirklich! Das wollte ich warnend vorausschicken, so dass Sie nicht denken, ich sag das jetzt um Ihnen eine Freude am Samstagmorgen zu machen. Ich meine, ich will Ihnen natürlich auch gerne Freude am Samstagmorgen machen. Aber es ist tatsächlich so. Es kann sein, dass es in „Lob des Sports“ auch schon steht. Das glaub ich erstens tatsächlich und zweitens steht das auch irgendwo. Aber das ist ja auch egal. Also, ich kann´s ja jetzt noch mal sagen.
Spielfeldschnitte: Was ist am Frauenfußball für Sie ästhetischer?
Gumbrecht: Naja, ich meine der Männerfußball hat natürlich in der ganzen Athletic Performance - also Schnelligkeit und Härte in der durchschnittlichen Qualität der Spieler - so ein Level erreicht, wo die eingefleischten Fußballfans sagen, das wird immer besser, wird immer besser, wird immer besser. Ich muss sagen, ich langweile mich. Ich langweile mich mittlerweile oft im Stadion beim Männerfußball. Das ist zwar alles gut und die einzelnen Spieler sind gut, und jede Bundesligamannschaft würde heute jeden Weltmeister von vor zwanzig Jahren schlagen, das steht außerhalb jedes Zweifels. Aber dadurch, dass diese Störungsfähigkeit schon bei der Ballannahme und die taktische Vorbestimmung des Spiels und überhaupt auch der Level von taktischer Reflexion schon so hoch ist, denke ich gibt es nur noch wenig Freiräume für Überraschungen. Das Interview zum Thema Kreativität kam zu einer schlechten Zeit, nämlich in der Messi Woche, und Messi ist tatsächlich in der Hinsicht ein Phänomen. Dann schießen auch mal Robbery also Ribery und Robben ein schönes Tor. Aber insgesamt finde ich verzehren sich die Männerspiele in einer beständigen wechselseitigen Neutralisierung. Der negative Faktor ist dann, auf der einen Seite die Ballsicherung. So wie dann die Bayern vor einigen Jahren vor der Abwehr von Manchester herumspielen wie im Handball. Und auf der anderen Seite frühes Stören, Lucio bei Inter zum Beispiel. Das hat ein Level an Perfektion erreicht, der der ästhetischen Erfahrung, der Schönheit des Spiels meine ich, nicht nutzt. Mein Argument wäre, dass so diese Teleologie unterstellt wird: je schneller desto besser und desto schöner. Das ist nicht wahr. Mein Vater sagte immer, der Klinsmann ist wie ein Leichtathlet, der zufällig einen Ball hat. Und trifft ihn auch manchmal, manchmal auch nicht. Mir hat neulich jemand auch als Reaktion auf dieses Zeit-Interview geschrieben, wie altmodisch ich doch sei und ich würde wohl noch von den Zeiten schwärmen, wo Beckenbauer und Maradona wie Pfaue durchs Mittelfeld gelaufen sind. Naja, ein bisschen schon. Und jetzt will ich nicht damit sagen, dass sie alle Fußballerinnen Pfauinnen sind. Aber ich denke, dass die Fähigkeit ab und an mit einem schönen Pass, mit einem schönen Dribbling individuell was zu gestalten, die Fähigkeit sozusagen überraschenderweise nach vorne zu spielen - die ist möglicherweise dadurch, dass der Frauenfußball, das soll nicht beleidigen, oft athletisch und auch vom Vorhandensein vieler vieler sehr sehr guter Spieler nicht so top ist, eher gegeben. Weswegen der Frauenfußball interessanter ist. Das ist also ein Paradox.
Das ist kein Wermuthstropfen, aber es ist ja auch klar. Es spielen unendlich mehr Männer Fußball, dadurch ist das athletische Niveau höher. Aber das ist auch der Punkt: dass bedeutet nicht, dass das Spiel schöner anzuschauen ist. Meine Universität Stanford zum Beispiel ist sehr gut im Frauenfußball. Die sind auch im Männerfußball nicht schlecht. Aber Männerfußball spielt in den USA überhaupt keine Rolle. Frauenfußball ist populärer. Wenn ich mich also frage, wo ich hingehe, wenn ich überhaupt am Sonntag nach dem American Football am Freitag noch zum Fußball gehe, dann gehe ich zum Frauenfußball. Und das ist eine gute Situation, weil die sind beide nicht schrecklich populär – I care about both – es ist beides an meiner Universität, es sind bei beidem viele Studenten, die ich kenne. Sagen wir mal die Frauen sind insgesamt national etwas besser, aber ich geh einfach lieber hin, um es mal so banal zu sagen, weil ich da besser unterhalten bin. Und das ist mein Argument, von dem ich dachte, das könnte eine Freude für Sie sein am Samstagmorgen.

