Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Freitag, 23. Juli 2010

Ecke des Monats: Der kleine Franz sucht seinen Uwe


Come then! My log does not judge! (The Log Lady, Twin Peaks)

Donnerstag, 22. Juli 2010

Platzverweis: Back to the 80ies mit HFV, Bild und einem kühlen Holsten

Es gibt ja leider Dinge in unserer schönen Fußballwelt, die scheinen einen gar nicht mehr zu überraschen, geschweige denn zu schocken. Umso überraschter waren wir davon, dass wir wenig überrascht waren über die aktuelle Hamburger Wahl zum Spieler, Trainer, Scheidsrichter des Jahres. Die Ü-60 Herren der Vorstände namhafter Hamburger Institutionen wie dem HFV, der Bild Zeitung und der Holstenbrauerei haben sich die aktuelle Wahlfreudigkeit der HamburgerInnen gleich zu Herzen genommen und veranstalten im Jahre 2010 wieder einmal die verstaubte Auswahl männlicher Fußballtalente. Würde man jedenfalls anhand des Titels denken. Die Quoten-Frau Stephanie Gordon-Hall, die in der Katergorie bester Trainer zur Wahl steht, fällt jedenfalls erst auf den fünften Blick auf. Wenig würde es Kosten im Titel auf die Wahl von sowohl männlichen als auch weiblichen ProtagonistInnen des Hamburger Fußballbetriebs hinzuweisen: dann würden vielleicht auch bald mehr Frauen in der Vorauswahl nominiert werden.
Erstaunlich, dass man es so schwer schafft, den Wettbewerb zur Gleichberechtigung hin zu öffnen: selbst die Jury für die Vorauswahl der Kandidaten besteht ausschließlich aus männlichen Experten mit Sportbezug.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Ecke des Monats: Nach der WM ist vor DER WM!


To introduce this story, let me just say it encompasses the all-- it is
     beyond the 'fire', though few would know that meaning.  It is a story of
     many, but begins with one. (The Log Lady, Twin Peaks)

Montag, 5. Juli 2010

Im Abseits: Ginger Gentile about "Goals for Girls"

The documentarists Ginger Gentile and Gabriel Balanovsky, two filmmakers working in Argentina, shot "Goals for Girls" in 2009 in the Argentinian Villa 31 shantytown in Buenos Aires. The short movie was shown at several festivals and caused an uprise of an important topic: what are the actualities of young women and girls life and what are their future prospects? The girls in "Goals for Girls" are fighting for their space to score goals on the soccerfield and to develop goals in life, in a country, where soccer is highly identity-generating but mostly reserved to male players. We spoke with Ginger Gentile about the work on the film and her views on the developement of women soccer including the aspects of gender stereotypes.


Spielfeldschnitte: First of all, tell us a little bit about your background and recent works. What are you interested in?


Ginger Gentile: I grew up in a small town in New York and then went to Columbia University in New York where I studied history and was very involved in the student activism—from union organizing to fighting sweatshops, women’s rights, anti-colonialism. After graduating in 2002, I spent a summer waitressing and then headed down to Guatemala to study Spanish, and then spent a month in Cuba before going down to Buenos Aires. My plan was to stay for a few months, learn Spanish and then head back to New York. I never thought I would make Buenos Aires my home and become a filmmaker, with my own production company, San Telmo Productions, before the age of 30!

A lot of the films I make, especially, ‘The Hooker and the Transvestite’, (which I co-directed with Synes Elischka and Gabriel Balanovsky) involve sexual subjects that make some people uncomfortable. Talking about sexuality is less common than showing explicit images, and this short film talks about the suffering of sex workers but it is a comedy. I believe that showing victims doesn’t help anyone: it is better to tell a story with humor and that people can relate to.
Spielfeldschnitte: How did the project about girls soccer in Argentina start?

Gentile: In 2008 my husband, Gabriel Balanovsky, and I looked for a new documentary subject to make a short film and when we met these girls in the slum we were impressed by their energy and good humor. After we made a short film that you can see at http://www.goalsforgirlsthemovie.org that entered many international festivals, we decided to turn the story into a feature documentary.
Goals for Girls: The Movie follows the struggle of a group of girls from the infamous Villa 31 shantytown in Buenos Aires who want to play a sport that is off limits to women in Argentina: soccer. With humor and colorful imagery, this documentary explores what it takes for girls to score goals on the field and reach their life goals when their families and society sees them only as future maids, criminals or teenage mothers. The experiences of these “slum soccer girls” will not only be documented by, myself and co-director Gabriel Balanovsky, but the girls themselves will contribute though a video workshop where they will learn how to interview and do basic camerawork. The audience can get uncensored view into their world and the girls will begin to take back the narrative of their own lives.
The finished documentary will be released in June 2011, during the women’s world cup in Germany. 

- The girls in "Goals for Girls" talk a lot about discrimination; is this the reality for the most girls that play soccer in Argentina? 


Montag, 21. Juni 2010

Im Abseits: Dominik Müller über Frauenfußball in Ghana

Derzeit schaut die Fußballwelt nach Afrika. In Südafrika messen sich die besten Männerteams der Welt. Über die Fußballstrukturen vor Ort erfährt man dabei so gut wie nichts, erst recht nicht über die des Frauenfußballs. Bevor Deutschland am Mittwoch gegen Ghana den Achtelfinaleinzug schaffen will, richten wir schon unseren Blick auf die ghanaische Frauenfußball-Szene. Dominik Müller trainiert die U17-Frauennationalmannschaft Ghanas, die sogenannten "Black Maidens". Wir sprachen mit ihm über Stellenwert und Zukunft des afrikanischen Frauenfußballs.



Spielfeldschnitte: Lieber Herr Müller, erzählen Sie uns doch kurz etwas über sich und was Sie in Ghana allgemein und speziell im Frauenfußball tun.

Dominik Müller: Ich bin seit Oktober 2007 in Ghana und hier noch bis April 2012 beruflich vor Ort. Meine Arbeit bei der deutschen Botschaft hier hat keinerlei Bezug zum Damenfußball.

Spielfeldschnitte: Haben Sie sich dafür entschieden spezifisch im Frauenfußball tätig zu werden, oder spielt die Unterscheidung Frauen- und Männerfußball für Sie keine Rolle?

Müller: Ich habe selbst 20 Jahre American Football in Deutschland gespielt (die meiste Zeit 1.Bundesliga) bzw. gecoacht und wollte diesen Sport hier einführen. Das hat aber nicht funktioniert, weil die zunächst ausgewählten Spieler Bedenken wegen möglicher Verletzungen und wegen der Kosten für die Ausrüstung hatten. So habe ich mich nach etwas Anderem umgesehen und die Spiele des African Cup of Nations im Januar 2008 verfolgt. Das hat mich Qualitätsmäßig nicht eben vom Hocker gerissen. Als dann nach dem Wettbewerb eine Kollegin der Botschaft meinte, auch die Damen Ghanas würden gut spielen, habe ich ein WM-Qualifikationsspiel der U-17 Nationalmannschaft Ghanas gegen Sambia angesehen.
Das war Liebe auf den ersten Blick. Traumhafte Kombinationen, schlafwandlerisch sichere Technik, da habe ich zwei Spielerinnen (Priscilla SAAHENE und Edem ATOVOR gleich meine Karte gegeben. Sie haben mich dann über die weiteren Spiele auf dem Laufenden gehalten und ich habe auch das Trainingscamp im Leistungszentrum Prampram (40km von Accra) besucht.
In der zweiten Qualifikationsrunde hatten die U-17er dann einen schlechten Start (2:3 in Nigeria) und standen nach einer völlig unverdienten Niederlage gegen Kamerun in Accra (1:2) mit dem Rücken zur Wand. Das hat mir sehr leid getan und ich habe den Cheftrainer Augustus Allotey ABRAHAMS gefragt, ob ich irgendwie helfen könne.
Er meinte, dass er niemanden für die Torhüterinnen habe und da habe ich zugesagt.
Ich muss dazu sagen dass ich als Vertreter der Bolzplatzgeneration und glühender Fan von Toni Schumacher und Oliver Kahn viel eigene und TV-Erfahrung besitze und viele Bewegungsabläufe und Reaktionsmuster dem American Football sehr ähnlich sind.
Dennoch war auch Coach Allotey anfangs überrascht, welche neuen Übungen bei mir im Programm sind. Zusätzlich habe ich mir beim FC05 Schweinfurt (Ex-1860 Keeper Norbert Kleider) und beim FC Nürnberg (Ex-Nationaltorhüter Polen Adam Matysek) Anschauungsunterricht geholt, als ich im August 2008 in Deutschland war.

Bei den Black Maidens (so heißt die U-17 in Ghana) tätig zu werden ging also fast automatisch, hervorgerufen durch die schöne Spielweise und den unglaublichen Teamgeist dieser Kleinsten der Nationalmädels. Männerfußball war nie ein Thema.

Ich bin dann mit den MAIDENS zu einem Trainingslager nach Deutschland und auch zur WM nach Neuseeland mitgefahren, wo wir in der schwersten Gruppe gegen den späteren Weltmeister Nordkorea 1:1 gespielt haben, Costa Rica 1:0 besiegt und gegen Deutschland nur 2:3 verloren haben, wobei wir fast noch ein 3:3 erreicht hätten. Leider reichte das nicht fürs weiterkommen aber die Maidens wurden in Ghana als Mannschaft des Jahres 2008 geehrt.
Ich habe dann 2009 die ghanaische Liga beobachtet und dafür gesorgt, dass zwei Spielerinnen der Black Queens, also der A-Nationalmannschaft Ghanas zumindest eine Saison bei Tennis Borussia Berlin in der 1. Bundesliga spielen konnten.

Spielfeldschnitte: Wie ist grundsätzlich der Stellenwert des Frauenfußballs in Ghana? 

Montag, 24. Mai 2010

my blog has something to tell you about... Deutschland - USA

Der Kater nach dem Birkenstecken fühlt sich schlecht an.
Im Ernst: wir sind deprimiert. Monatelang auf Entzug. Die Spiele unserer Heldinnen sind rar im Jahr 2010. Ausnahmsweise bieten die Spiele der deutschen Vereine mehr als die der Nationalmannschaft. Das bringt uns aus dem Konzept. Der Schmachter wird fast nicht aushaltbar und dann macht uns auch noch ein Vulkan die Freude zunichte. Aber nach Schweden ist vor den USA und wir waren zuversichtlich. Haben uns mit Pokalendspielen sogar mehr als über Wasser gehalten. An Pfingsten sollte der Pegel endlich wieder steigen, wir hatten eingekauft. Alles war vorbereitet für den grandiosen Trip.
Es gibt so wenig Spiele 2010 und wir finden, dass es unser berechtigtes Recht ist, diese Spielen zu bekommen, intravenös und mit purem Stoff! Gegen Naturkatastrophen kann man nichts ausrichten, aber ansonsten gibt es keine Ausreden. Wir wurden betrogen, ausgetrickst! Eins von dreien ist in den Graben gefahren. Wir haben aus unbegrenztem Durst alles, auch was wir im Ernst doof fanden, affirmiert, fanden die Verkürzung der Bundesliga Saison 2010/11 und die Verschiebung des Pokalfinales auf März einen gerechten Pfand für den großen Traum 2011. Alles für 2011 stand auf unserer Bettwäsche.
Aus Liebesentzug haben wir uns Pfingsten um die Birne gegossen. Dabei sogar die Sahneschnittchen vernachlässigt. Lieber zehnmal Vereinsspiele, als einmal so ein Vorrundenkick bei der WM war sogar unsere bittere Reaktion als wir am Zenit unseres Wochenendes angekommen waren.
Deshalb: Sommer 2011 mit drei mal DFB-Pokal Finale in Köln und sieben mal Champions League Finale in Frankfurt, Nadine Angerer bei dem einen, Sarholz bei dem anderen Team im Tor, und die Best-Of-Bundesliga. Und der Sommer kann kommen.

Freitag, 21. Mai 2010

My b/log has something to tell you about... Finale ist, wenn die Sonne scheint!

Unter den Dingen, die ein Fußballherz sehr erfreuen, befindet sich auch der packende Wettkampf in den Pokal-Turnieren. Die K.O. Runden bieten andere Spannungen als die Ligen, da das Ergebnis immer direkte und unmittelbare Konsequenzen mit sich zieht. Deshalb können dort auch schwächere Teams, die im kontinuierlichen Ligabetrieb vielleicht nicht kontinuierlich ihre Form halten können, in den möglichen 120 Minuten plus Elfmeterschießen ein Formhoch erwischen, dass weitaus mehr Folgen hat, als drei Punkte für die Endabrechnung.

Zu den Dingen, die ein Fußballherz noch mehr erfreuen, zählt, wenn es nur ein entscheidendes Spiel gibt. Schließlich kommt man zu dem Spiel, um danach einen Sieg zu feiern oder einen Verlust zu betrauern. Und nicht um zu rechnen. Die ermüdende Hin- und Rückspiel Regel der Uefa inklusive Auswärtstorregelung, die teilweise auch national angewendet wird, wurde sicher nicht ohne Sinn und Verstand eingeführt. Und trotzdem hat so ein Modus im Finale nichts zu suchen. Noch im letzten Jahr spielte der FCR Duisburg im Finale das Rückspiel im eigenen Stadion mit einem 6:0 Sieg aus dem Hinspiel im Nacken. Heraus kam ein 1:1.

Dieses Jahr wurde das Finale unter dem neuen Namen der Champions League erstmals in einem Spiel entschieden. Was das an Spannungszuwachs für alle Beteiligten bedeutet, konnte man gestern am Abend zu bester Zeit live im Fernsehen verfolgen. Turbine Potsdam gewann den Pokal nach einem packenden Elfmeterthriller gegen Olympique Lyon mit 6:7.

Wie wichtig die Dramaturgie eines Finalspiels für das Ereignis ist, zeigte auch das DFB-Pokal Finale am letzten Samstag. Vor einer komplett veränderten Kulisse fühlte es sich auch hier so an, als ginge es wirklich um alles oder nichts, und vor allem um das Geschehen auf dem Platz. Genau hier und genau in diesem Moment.

Die Endspiele in den Vereinswettbewerben des Frauenfußball gewinnen rasant an Bedeutung. Immer mehr wollen sie sehen und immer mehr wollen möglich machen, dass sie zu sehen sind. Umso seltsamer also die Diskrepanz in den Mitteln, mit welchen die Dispo der nächsten anderthalb Jahren versucht, dem Frauenfußball in Deutschland eine grandiose Zeit zu verschaffen. Der Fokus liegt dennoch unbestreitbar auf der Weltmeisterschaft 2011, was dazu führt, dass nicht nur die Bundesliga früher aufhören muss. Auch der DFB-Pokal soll schon im März ausgetragen werden. Aber echte Freude mit den Siegerinnen kann doch selbst der hartgesottenste Fan nur empfinden, wenn man nicht mitbibbert bei den unterkühlten Bierduschen. Finalstimmung hängt doch einfach zu stark mit einem Gefühl nach Sommer zusammen. In diesem Sinne kann man nur hoffen: „Sommer! In diesem Sommer schon im März!“

Samstag, 15. Mai 2010

My b/log has something to tell you about... FCR Duisburg gegen Jana Burmeister

Zugegebenermaßen: es gab bei diesem Spiel viele Ecken und Kanten, an denen man sich stoßen konnte. Silke Rottenberg beerbt Nia Künzer als Expertin und bringt auch nicht mehr zustande als: „Das Runde muss ins Eckige“. Ein fast nur halb besetztes Stadion mit 26.282 bei 50.997 Plätzen. Von vielen Seiten her viele Euphemismen: es wird von spektakulärer Kulisse und tollem Rahmen gesprochen. Der Pokal wird feierlich von drei vollbusigen Diven in rotem, schwarzem und goldenem perlenbestickten Abendkleid auf das Spielfeld getragen. Und mal wieder verteilt das Ticketsystem sämtliche ZuschauerInnen auf die Gegengerade, um den Kameras eine saftige Tribüne zu suggerieren und die Personalkosten an anderen Abschnitten einzusparen. Und schließlich war das Spiel über weite Strecken ziemlich langweilig, Gewinner Duisburg überlegen und schwach im Abschluss, Jena abwartend auf Konter, die nicht kamen.

Andererseits sollte man sich auch mal kurz zusammenreißen, denn vieles war auch ganz schön super! Die 26.282 ZuschauerInnen stehen nicht nur für einen neuen Rekord auf nationaler Vereinsebene, sie bilden auch einen nicht zu vergleichenden Rahmen als die vereinzelten tausend, die sich sonst zu früh ins Olympiastadion verirrt hatten. Das Spiel blieb ähnlich langweilig auch in der zweiten Hälfte, gewann aber ob des knappen Vorsprungs an Spannung und erhielt eine zusätzliche Nuance durch die erstaunlichen Leistungen der Jenaer Torfrau Jana Burmeister und den vielen Lattentreffern, die den 1:0 Endstand sicherten. Reeves und Co. blieben wenigstens für die FernsehzuschauerInnen im Hintergrund. Und es gab am Ende sogar glückliche Verliererinnen: die Jenaerinnen feierten ihren Erfolg im Mini-Pogo-Kreis am Rande des Spielfeldes.

Trotzdem bleiben kleine Fragen: woran liegt es wohl, dass ein solches Spiel es nicht schafft, das Stadion voll zu bekommen? Vielleicht an den beteiligten Teams? Vielleicht an der Anstosszeit? Wurde zu wenig Werbung gemacht? Der übertragende Fernsehsender (hier ZDF), auf dessen Wunsch die (zu) frühe Anstoßzeit beibehalten wurde, zeigt gegenüber den Vorjahren keine Besserung in der Programmierung: wieder keine richtigen Vorberichte, stattdessen werden im Kochstudio kurz vor Anpfiff teure Morcheln und Himbeer-Curry Desserts zubereitet. Immerhin gibt es einen erfrischenden Ausblick: am 20. Mai wird das Uefa-Cup Finale Potsdam-Lyon zur besten Fernsehzeit am Abend übertragen.

Freitag, 14. Mai 2010

My b/log has something to tell you about... Endlich frei!

Am Samstag schaut ganz Frauenfußball Deutschland auf Köln: zum ersten Mal findet das DFB-Pokalfinale der Frauen ortsunabhängig von dem der Männer statt. Man erhofft sich dadurch dreierlei: mehr ZuschauerInnen, was sehr wahrscheinlich ist, die ZuschauerInnen kommen schließlich explizit zu diesem Spiel. Desweiteren mehr nationale Aufmerksamkeit, eher mittel wahrscheinlich, zwar würden vielleicht mehr Menschen als zuvor auch schon das Frauen Finale anschauen, die unattraktive Anstoßzeit aber bleibt bestehen (auf Wunsch der übertragenden Fernsehsender). Und schließlich ein packenderes Spiel, da die Spannung eines Spiels ja zum Teil auch von der Atmosphäre im Stadion abhängt, was aber dieses Jahr eher unwahrscheinlich ist, da der Niveauunterschied der Teams an das Finale von 2002 erinnert. Aber man soll den Rasen nicht vor dem Sprenkler kreiden: das Team aus Jena war in der letzten Spielzeit für manch eine Überraschung gut, schloss mit einem soliden 8. Platz die Saison ab. Doch Duisburg gilt natürlich als haushoher Favorit. Nachdem wieder einmal "nur" der zweite Platz in der Liga erreicht wurde (man könnte schon fast von "Vizeburg" sprechen), ist der DFB-Pokal Sieg eigentlich Pflicht. Ob der günstigen Lage des neuen Austragungsortes dürfte es dafür an Fan-Support nicht fehlen.

Es spricht also eigentlich alles für einen erfolgreichen Pokal-Nachmittag. Den großen Wermuthstropfen bildet allerdings nach wie vor die Pokalhymne. Die alkoholgeschwängerten "Viva Colonia" Schlachtrufe von den Höhnern, gemischt mit der klischeeisierten Textversion von Shary Reeves werden einem wohl die Zeiten vor dem Anstoß, während der Pause und nach dem Abpfiff versauern. Als unbeholfene Notwehr gibt es ab sofort das "Anti-Dabei-Sei"-Poster zum ausdrucken und hochhalten, für alle, die am Samstag ins Stadion gehen.

Donnerstag, 22. April 2010

Im Abseits: Hans Ulrich Gumbrecht über Kreativität im Frauenfußball

Am 8. April 2010 erscheint in DER ZEIT unter dem Titel "Das Elend der Perfektion. Sind Fußballer eigentlich kreativ?" ein Interview mit Hans Ulrich Gumbrecht. Gumbrecht ist Literaturwissenschaftler und lehrt seit 1989 an der Stanford University.
Neben zentralen Publikationen wie "Diesseits der Hermeneutik. Zur Produktion von Präsenz" oder "Die Macht der Philologie. Über einen verborgenen Impuls im wissenschaftlichen Umgang mit Texten" wird Gumbrecht vor allem durch "Lob des Sports" zu einem hochkarätigen Gesprächspartner für einen kulturwissenschaftlichen Blick auf Frauen- und Männerfußball.

Spielfeldschnitte: Lieber Herr Gumbrecht, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit zu diesem Gespräch nehmen!

Hans Ulrich Gumbrecht: Aber gerne. Ich möchte dem auch sofort voranstellend sagen, dass ich ein großer Fan des Frauenfußballs bin. Ich weiß nicht, ob Sie mal in den Texten gelesen haben, in denen ich begeistert über den Frauenfußball spreche.

Spielfeldschnitte: Ich kenne Ihre lobenden Worte aus „Lob des Sports“.

Gumbrecht: Da weiß ich gar nicht mehr genau, was ich da geschrieben habe. Also ich denke, dass zumindest von ästhetischen Gesichtspunkten her der Frauenfußball interessanter ist als der Männerfußball.

Spielfeldschnitte: Ach, wirklich?

Gumbrecht: Ja, wirklich! Das wollte ich warnend vorausschicken, so dass Sie nicht denken, ich sag das jetzt um Ihnen eine Freude am Samstagmorgen zu machen. Ich meine, ich will Ihnen natürlich auch gerne Freude am Samstagmorgen machen. Aber es ist tatsächlich so. Es kann sein, dass es in „Lob des Sports“ auch schon steht. Das glaub ich erstens tatsächlich und zweitens steht das auch irgendwo. Aber das ist ja auch egal. Also, ich kann´s ja jetzt noch mal sagen.

Spielfeldschnitte: Was ist am Frauenfußball für Sie ästhetischer?

Gumbrecht: Naja, ich meine der Männerfußball hat natürlich in der ganzen Athletic Performance - also Schnelligkeit und Härte in der durchschnittlichen Qualität der Spieler - so ein Level erreicht, wo die eingefleischten Fußballfans sagen, das wird immer besser, wird immer besser, wird immer besser. Ich muss sagen, ich langweile mich. Ich langweile mich mittlerweile oft im Stadion beim Männerfußball. Das ist zwar alles gut und die einzelnen Spieler sind gut, und jede Bundesligamannschaft würde heute jeden Weltmeister von vor zwanzig Jahren schlagen, das steht außerhalb jedes Zweifels. Aber dadurch, dass diese Störungsfähigkeit schon bei der Ballannahme und die taktische Vorbestimmung des Spiels und überhaupt auch der Level von taktischer Reflexion schon so hoch ist, denke ich gibt es nur noch wenig Freiräume für Überraschungen. Das Interview zum Thema Kreativität kam zu einer schlechten Zeit, nämlich in der Messi Woche, und Messi ist tatsächlich in der Hinsicht ein Phänomen. Dann schießen auch mal Robbery also Ribery und Robben ein schönes Tor. Aber insgesamt finde ich verzehren sich die Männerspiele in einer beständigen wechselseitigen Neutralisierung. Der negative Faktor ist dann, auf der einen Seite die Ballsicherung. So wie dann die Bayern vor einigen Jahren vor der Abwehr von Manchester herumspielen wie im Handball. Und auf der anderen Seite frühes Stören, Lucio bei Inter zum Beispiel. Das hat ein Level an Perfektion erreicht, der der ästhetischen Erfahrung, der Schönheit des Spiels meine ich, nicht nutzt. Mein Argument wäre, dass so diese Teleologie unterstellt wird: je schneller desto besser und desto schöner. Das ist nicht wahr. Mein Vater sagte immer, der Klinsmann ist wie ein Leichtathlet, der zufällig einen Ball hat. Und trifft ihn auch manchmal, manchmal auch nicht. Mir hat neulich jemand auch als Reaktion auf dieses Zeit-Interview geschrieben, wie altmodisch ich doch sei und ich würde wohl noch von den Zeiten schwärmen, wo Beckenbauer und Maradona wie Pfaue durchs Mittelfeld gelaufen sind. Naja, ein bisschen schon. Und jetzt will ich nicht damit sagen, dass sie alle Fußballerinnen Pfauinnen sind. Aber ich denke, dass die Fähigkeit ab und an mit einem schönen Pass, mit einem schönen Dribbling individuell was zu gestalten, die Fähigkeit sozusagen überraschenderweise nach vorne zu spielen - die ist möglicherweise dadurch, dass der Frauenfußball, das soll nicht beleidigen, oft athletisch und auch vom Vorhandensein vieler vieler sehr sehr guter Spieler nicht so top ist, eher gegeben. Weswegen der Frauenfußball interessanter ist. Das ist also ein Paradox.
Das ist kein Wermuthstropfen, aber es ist ja auch klar. Es spielen unendlich mehr Männer Fußball, dadurch ist das athletische Niveau höher. Aber das ist auch der Punkt: dass bedeutet nicht, dass das Spiel schöner anzuschauen ist. Meine Universität Stanford zum Beispiel ist sehr gut im Frauenfußball. Die sind auch im Männerfußball nicht schlecht. Aber Männerfußball spielt in den USA überhaupt keine Rolle. Frauenfußball ist populärer. Wenn ich mich also frage, wo ich hingehe, wenn ich überhaupt am Sonntag nach dem American Football am Freitag noch zum Fußball gehe, dann gehe ich zum Frauenfußball. Und das ist eine gute Situation, weil die sind beide nicht schrecklich populär – I care about both – es ist beides an meiner Universität, es sind bei beidem viele Studenten, die ich kenne. Sagen wir mal die Frauen sind insgesamt national etwas besser, aber ich geh einfach lieber hin, um es mal so banal zu sagen, weil ich da besser unterhalten bin. Und das ist mein Argument, von dem ich dachte, das könnte eine Freude für Sie sein am Samstagmorgen.