Der Bieberer Berg bebt - nicht. Deutschland spielt kurz gut, dann den Rest der Zeit schlecht, die Französischen Fans machen am meisten Stimmung in einem sehr leeren Offenbacher Stadion und Frankreich gewinnt 2-0. Wer konnte mal wieder nichts dafür? Nadine Angerer natürlich. Die wurde zweimal überlistet: In der 16. Minute von der eigenen Mitspielerin Bianca Schmidt, die den Eckball technisch sauber per Kopf über Angerers Kopf hinweg ins eigene Tor lenkte. Und knapp drei Minuten später, nachdem die flinke Thomis die Innenverteidigerinnen hinter sich gelassen hatte, Angerer umspielte und den Ball flach im leeren Tor versenkte. Zum Trost für die Torfrau: Ein paar sehr gefährliche Torschüsse konnte sie mit beeindruckenden Sprüngen über die Latte spachteln und bekam dafür sogar ein leises Raunen im Stadion zu hören.
Das war also eine eher unterdurchschnittliche Vorstellung des deutschen Teams. Zwischen den zahlreichen Fehlpässen wurde aber auch spürbar, dass Silvia Neid und Ulrike Ballweg ein paar taktische Varianten probierten. Vor allem in der ersten Halbzeit wirkte es phasenweise, als würde man nur mit einer Sechs spielen (Behringer), Maroszan interpretierte eher eine falsche 10, bewegte sich sehr offensiv. Mittag und Šašić gaben eine Doppelspitze. Die Ausrichtung, besonders in der ersten Hälfte war also sehr offensiv, teilweise sah man am französischen Strafraum eine Viererkette, wenn die Außenspielerinnen Laudehr und Alushi mit auf Sturmhöhe waren. Die Außenverteidigerinnen Schmidt und Hendrich (eine der besten Spielerinnen auf dem Feld) kamen oft bis zur Torauslinie mit vor. Das Duo Neid/Ballweg hat offensichtlich mit neuen Offensivstrategien herumprobiert, dafür aber eben auch gefährliche Konter wie vor dem 2-0 riskiert. Eine Schwachstelle in dieser Offensivausrichtung: das Mittelfeld muss sehr viel Laufarbeit leisten, um nicht zu große Löcher zwischen Sturm und Abwehr zu erzeugen. Melanie Behringer schien fast überall gleichzeitig zu sein (auch eine der besten im Spiel) und wurde zu einer zentralen Schaltstelle. Aber eine Spielerin in der Mitte, die ihren Job gut macht, reicht dann gegen gut aufgestellte Französinnen nicht aus. Le Bleu konnte immer wieder schon im Mittelfeld die Offensivbemühungen stoppen. Da merkt man dann schnell, wenn eine Mittelfeldstrategin wie Maroszan nicht so auf der Höhe ist.
Für sie kam in der zweiten Hälfte Melanie Leupolz, der wir noch eine interessante Nationalteamkarriere attestieren und die Behringer etwas entlasten konnte. Die neuen Offensivkräfte Alexandra Popp und Verena Faißt brachten neue Ideen, konnten aber am Ergebnis auch nichts mehr korrigieren. Dafür stand Frankreich mit der starken Renard hinten einfach zu sicher. Und ja, auch wir vermissten Keßler und Goeßling. Silvia Neid war hinterher auch nicht zufrieden, sie habe sich einiges notiert, sagte sie, wir sind gespannt, was für nächsten Mittwoch gegen Schweden auf dem Klemmbrett steht.
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