Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Mittwoch, 13. Juli 2011

My B/log has something to tell you about... Let’s talk Frankreich, Japan, Schweden, USA

    
In den weiten Feldern der engen Spitzengruppe haben sich vier Teams gefunden, die am Mittwoch Abend um den Einzug ins Finale kämpfen werden. Kaum sind die nationalistischen Tränen getrocknet und analysiert, sollte man den Blick werfen auf diese vier Frauenfußballnationen, von der keine zu Unrecht an diesem Punkt steht und die uns sicherlich noch drei fantastische Spieltage präsentieren werden.

Allez les bleus.
Erinnern wir uns an das entscheidende Match: England gegen Frankreich. Beide Teams überzeugten durch laufstarkes Pressing, was im Mittelfeld lange Zeit für wechselseitige Neutralisierung führte; während England allerdings auf die immer unverständlichere Strategie setzte, die einzige Sturmspitze durch hohe, weite Bälle zu erreichen, erwiesen sich die Französinnen als das spielerisch stärkere Team, die ihre Konter durch präzises Flachpassspiel einleiteten. Auch nach dem Rückstand gegen England war auffällig, wie lange die Französinnen an ihrem Kombinationsspiel festhielten und das Problem spielerisch zu lösen trachteten. Neben Japan erwies sich Frankreich so von Beginn der WM an als eine der kreativsten Mannschaften, die selbst in Unterzahl gegen Deutschland nicht wirkten, als stünden sie nur zu zehnt auf dem Platz. Ihre Kopfballstärken wird nach diesem Match vermutlich auch niemand mehr bezweifeln. Allerdings fehlt es den Französinnen ein wenig an Durchschlagskraft und Abgebrühtheit im Abschluss, die sie für den weiteren Turnierverlauf wirklich brauchen würden.

Durch Fukushima ohne nennenswerte Vorbereitung.
Der Blick von der anderen Seite: Japan gewinnt gegen Deutschland. Wie das? Die Japanerinnen erwiesen sich von Beginn an als überdurchschnittlich versiert, was die Ballannahme und das Kurzpassspiel angeht. Obgleich die deutschen Spielerinnen Japan mit ihrer körperlichen Robustheit stark zusetzten und so das japanische Offensivspiel fast komplett unterbanden, bestimmt sich das Team durch seine starke Abwehr: Unüberlegte Bälle oder Stellungsfehler kommen so gut wie nicht vor, die Laufbereitschaft und der Verbund der Vierkette in Abwehr wie Mittelfeld stimmen. Japan steht für einen Frauenfußball, der nicht auf Athletik, sondern auf Kombinationsstärke und Taktik setzt. Auch das einzige Tor dieses Abends war wohlüberlegt – einen Moment ließ man die Spielmacherin Sawa aus den Augen, da schlug diese einen großartigen Pass in den Lauf der eingewechselten Torschützin Maruyama. Es ist nicht anzuraten, sich auf die immer wieder behauptete körperliche Unterlegenheit asiatischer Mannschaften zu verlassen, um dieses Team zu schlagen.

Schweden tanzt.
Der Ruhm der skandinavischen Teams schien eigentlich von gestern und Schwedens Turnierstart diese Annahme zu bestätigen: Ein mageres Tor gegen Nordkorea und Kolumbien. Doch dann: Schweden besiegt die USA! Wie kam es zu diesem überraschenden Sieg? Beide Teams machten das Spiel gleichermaßen lang, das Mittelfeld war eher spärlich besetzt und es wurde auf die torgefährlichen Angreiferinnen gesetzt. Schnelle gegenseitige Ballverluste also in der Mitte, aber auch schnelle Bälle in die Spitze. Schweden ging mit dem Konzept profitabler um, die offensive Mittelfeldspielerin Öqvist harmonierte mit Stürmerin Schelin. So kam im schwedischen Aufbauspiel mehr zustande, als im amerikanischen. Gegen Australien spielten die Schwedinnen dann durchgehend und temporeich überlegen. Die Räume wurden effektiv genutzt, in der Verteidigung stand man gut. Bisher die beste Leistung des Teams, die mittlerweile sogar zum Top-Favoriten avanciert ist. Bemerkenswert auch die gute Leistung von Torfrau Lindhal, die sich zu einem soliden Rückhalt im schwedischen Team entwickelt hat. Schweden entpuppt sich als echte Turniermannschaft: Schwach gestartet und kontinuierlich gesteigert. Sollten sie diese sukzessive Kurve weiter nach oben treiben, wird es für jedes der anderen drei Teams schwierig dem etwas entgegenzusetzen.

Fußball als Kampfsport.
Zu den USA kann man eigentlich genau das Gegenteil sagen. Gegen Nordkorea und Kolumbien spielten sie ihre Favoritenrolle souverän und temporeich, abgesehen von der Chancenverwertung. Gegen Schweden dann die erste Ernüchterung. Eine Niederlage, die viel damit zu tun hatte, dass ohne eine sichere Mittelfeldreihe auch die Bemühungen der Stürmerinnen stagnierten. Gegen die Angstgegnerinnen aus Brasilien erschien die frühe Führung für die USA äußerst schmeichelhaft - das Spiel war von beiden Seiten sehr agressiv, aber Brasilien drängte auf den Ausgleich und beorderte die Amerikanerinnen so in eine defensive Position. Eher ein Kampf, denn ein Spiel. So war es nicht verwunderlich, dass der Ausgleich durch die Kombination von Gesetzeswidrigkeit und der speziellen Auslegung des Gesetzes durch die Gesetzeshüterin zustande kam - und nicht aus dem Spiel heraus. Als Marta zu Beginn der Verlängerung die Führung erzielte, wirkte es, als hätte sie den USA den Handschuh vor die Füße geschmettert und beide Teams würden sich nun auf staubigem Kampfplatz duellieren. Beide auch eher mit dreckigen Methoden. Das konsequente Zeitspiel der Brasilianerinnen goß Öl in das Feuer der amerikanischen Bulldozer-Bemühungen. Mit dem Kopf durch die Wand, bzw. dann mit dem Kopf ins Netz erkämpften sich die Zurückliegenden das Elfmeterschießen. Die direkte eins zu eins Begegnung war aus dem Duell-Charakter dieses Spiels heraus nur logisch. Die USA hat gezeigt, dass sie kämpfen können, wenn es sein muss bis zum letzen Schweißtropfen. Aber dass sie sich auch einen Sieg erspielen können, müssen sie erst wieder beweisen. Gegen Frankreich führt kein Weg daran vorbei, denn die Französinnen werden sich höchstwahrscheinlich nicht auf ein Kampfspiel einlassen.

1 Kommentar:

  1. die beste frauen wm ever (naja für mich).so sarke teams.so starke technik.so starke taktiken.so spannend.I love it.

    und wer soll denn jetzt weltmeisterin werden?

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