Das Projekt Spielfeldschnitte

Pünktlich zur Fußball Europameisterschaft der Männer 2008 konnte man in Filialen einer großen deutschen Bäckereikette ein Kuchenstück erwerben, das sich als Alternative zu Bier in Plastikbechern verstand: ein Sahnetörtchen namens Spielfeldschnitte. Das Projekt Spielfeldschnitte nahm diese Beleidigung, diese Herausforderung und diesen Namen an. Seitdem verstehen wir uns als kreative und humorvolle Begleitung der deutschen Fußballnationalmannschaft und als längst fälligen Beitrag zu einer Frauenfußball-Kultur. Wir bieten nicht nur messerscharfe Analysen zu allen Länderspielen, wir sind die kulturwissenschaftliche Stimme in der Stille des Blätterwaldes, wir sind das Theater, das um den Frauenfußball aufzuführen ist, wir wollen die Welt verändern und schreiben darüber. „My (B)Log has something to tell you.“
(The Log Lady, Twin Peaks)

Donnerstag, 14. Juli 2011

My B/log has something to tell you about: David gegen Goliath

   
Zwei schöne und spannende Halbfinalspiele konnte man gestern genießen. Frankreich spielerisch das bessere Team unterlag der kämpferischen Leistung der Amerikanerinnen. Wunder Punkt bei den Französinnen: Die Außenverteidigerinnen und Torfrau Sapowicz sahen bei den Toren und in vielen anderen Szenen nicht gut aus. Der zwischenzeitliche Ausgleich nach der Halbzeitpause (Hannelore Kraft kam kurz vor dem Halbzeitpfiff pünktlich für die Schnittchen) durch eine glückliche Flanke von Bompastor, die zum gefährlichen Torschuss wurde, machte die Partie nochmal spannend. Aber Abby "The Iron Head" Wambach wiederholte, was auch schon gegen Brasilien funktionierte und Alex Morgan machte den Sack zu. Entraineur und Chanteur Bini knabberte sich daraufhin die komplette Hand ab. Traurig für ihn und die über weite Strecken besseren Französinnen.

Zwischen den Spielen spricht Silvia Neid und sagt, dass sie weiter macht. Alle titeln schnell: "Neid bleibt Bundestrainerin." Ach nee. Hat da wirklich jemand dran gezweifelt? Da müsste schon Theo Zwanziger aufhören, bevor das geschehen könnte. Außerdem sagt sie, dass Bernd Schröder einen Ehrenkodex verletzt habe. Wir würden ja gern mal wissen, was dieser Ehrenkodex alles so beinhaltet. Jedenfalls reagiert Schröder gelassen wie immer und spricht über eine gesunde Streitkultur. Da können wir auch nichts gegen haben, aber vielleicht hier eine Anregung: Silv und Bernd, trefft euch doch einfach mal zu nem Essen, vielleicht will der Siggi ja auch dazu kommen. Diskussionen ohne die Stille Post der (Boulevard)Blätter kann manchmal ganz gut tun. (Wir sind auf jeden Fall etwas müde von den ganzen Schlagzeilen. Hier wird grad noch eine WM gespielt. Fußball, vergessen?)

Also, zurück zum Fußball. Sah eigentlich alles ganz gut aus für Schweden, ein frühes Führungstor durch Öqvist, die ein gutes Turnier spielte. Doch acht Minuten später hatte Öqvist das Nachsehen, als Kawasumi den abgeprallten Ball irgendwie noch ins Tor bugsiert. Von da an liefen die Schwedinnen den kongenial spielenden Japanerinnen hinterher. Schelin schien sich gar nicht mehr aus der Abseitszone zu bemühen. Die von uns noch so gelobte Torfrau Lindhal hatte ihr Stellungsspiel in der Kabine vergessen. Sawa musste in der 59. Minute nur noch einköpfen, weil Lindhal schon vorbeigegriffen hatte. Vier Minuten später musste Lindhal wieder den Kasten verlassen, der abgewehrte Ball fällt Kawasumi vor die Füße, die ihn mit meisterhaften Auge aus 35 Metern in das leere Tor befördert. Auch wenn es zuvor eine Abseitsposition gegeben hatte, der Kunstschuss einfach ein Augenschmaus und der Sieg der Japanerinnen hochverdient. Bis zum Schluss blieben sie agil und offensiv und zeigten das souveränste Kurzpassspiel dieser Weltmeisterschaft. Nach dem Spiel feierten sie sich kurz, um dann sofort zum Auslaufen überzugehen und noch ein paar Ballübungen zu machen. Es würde nicht verwundern, wenn die Ordner sie schließlich aus dem Stadion hätte werfen müssen.

Das Finale heißt also USA gegen Japan. Die Großen gegen die Kleinen. Japan ist eine echte Überraschung dieses Turniers, aber in der derzeitigen Form könnte niemand lachen, würde man den Japanerinnen die Favoritenrolle im letzten Match zusprechen. Die USA ist mit ihrem Powerplay weit gekommen. Aber die Japanerinnen können mit ihrer Sicherheit in der Ballannahme und den Pässen jedes Team zur Weißglut bringen. Noch dazu stellen sie sich immer wieder unglaublich flink in der Defensive auf, wodurch es für die Außenspielerinnen der USA schwer wird die gefürchteten Flanken vor das Tor zu bringen. Spielfreude, gutes taktisches Gespür, Ballsicherheit, Effizienz und eine solide Torfrau - Japan scheint zum vollständigsten Team dieser WM zu werden. Setzt die USA im Finale zu sehr auf ihren Kick & Rush Fußball, werden sich die Chancen für Japan auftun die Ersten der Weltrangliste zu besiegen.

Interessant wird aber auch die Partie um den dritten Platz werden. Frankreich spielte durchweg schönen Fußball und scheiterte einzig an der Chancenverwertung. Die Schwedinnen haben sich souverän präsentiert, brachen dann aber ausgerechnet im Halbfinale zusammen. Am Samstag kann man viele schöne Spielzüge erwarten, viel Gefahr vor beiden Toren und zählen wird am Ende die Abgebrühtheit im Abschluss. Nach den Leistungen im Halbfinale scheint Frankreich etwas Oberwasser zu haben.

Auch wenn die Schwedinnen diesmal nicht tanzen konnten, hier doch die Quelle des Tanzes, den sie Logobitombo nennen. Vielleicht führen sie ihn am Samstag ja doch wieder auf.

Kommentare:

  1. Die Französinnen haben -- so hab ich das zumindest gesehen -- 75 Minuten lang den besten Fußball der WM gespielt. Und verlieren trotzdem -- weil sie selbst den Sack nicht zumachen wollten (Thineyyyyy...?!?!) und weil die "US-Girls" psychologisch anscheinend überhaupt kein Problem damit haben, an die Wand gespielt zu werden. Ich habe so eine Ahnung, was den Japanerinnen im Finale blüht, wenn sie ihre technische Überlegenheit nicht zu Toren machen können oder die USA ihnen eben keine Treffer "schenkt" (Hope, überschätzt seiest Du unter den Wärterinnen!).

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  2. Kazujoshi "Michael" Funaki14. Juli 2011 um 18:12

    Skandal!

    Mein Nachbar ist Japaner. Ich sagte heute morgen nachm Frühjoggen (also e r joggte... ich brachte grad den Müll raus) zu ihm: " Na, sie habens geschafft! Da ist das Programm für Sonntag ja geritzt. hast DU schon die Sushi's bestellt?"

    Und er erwidert: "Sonntag? Nein, es hat keiner von uns diese Woche Geburtstag."

    aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarrrrgh !

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